Weltdiabetestag   —   jedes Jahr am 14. November

Am 14. November ist Weltdiabetestag. Der Weltdiabetesverband IDF ("International Diabetes Federation") ruft an diesem Tag alljährlich auf zum Gedenken an Frederick Grant Banting (geb. 14. November 1891, gest.  21. Februar 1941), der gemeinsam mit Charles Best als Insulinentdecker gilt.

Wir haben uns umgehört bei betroffenen Diabetikern, aber auch bei Experten und Verbandsfunktionären, wie sie selbst den Tag schätzen und welche Erwartungen sie an ihn haben.

Lesen Sie hier ihre Stellungnahmen:


Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Sie eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
An dem Tag denke ich immer: Hoffentlich gelingt es mir noch lange, meinen Zucker ohne Medikamente im Zaum zu halten – und hoffentlich gelingt es mir, möglichst viele Menschen zu motivieren, diesen Weg auch einmal zu versuchen.
 
Erwarten Sie sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?
Der 14. November muss ein Tag der Umkehr werden! Es kann nicht sein, dass jedes Jahr rund 300 000 neue Typ-2-Diabetiker dazukommen, das wird unser Gesundheitssystem sprengen. Deshalb müssen wir endlich neben den rein medizinischen auch über gesellschaftspolitische Maßnahmen sprechen, etwa regelmäßigen, benoteten Sportunterricht in allen Schulen.
Hans Lauber, Typ-2-Diabetiker, Buchautor und Diabetes-Journal-Kolumnist

Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Sie eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
Für mich hat jeder Weltdiabetestag die gleiche Bedeutung, weil er nämlich die epidemieartige Entwicklung dieser Stoffwechselstörung ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückt. Bereits 10 Prozent aller Deutschen sind Diabetiker – das ist längst nicht mehr ein nur gesundheitspolitisches, sondern auch ein sozialpolitisches und gesellschaftliches Problem ersten Ranges geworden. Dieser Entwicklung müssen wir alle – Betroffene, Politiker und Ärzteschaft – gemeinsam und entschlossen gegensteuern; der Weltdiabetestag setzt dazu die passenden Impulse!
 
Erwarten Sie sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?
Für mich ist wichtig, dass der Weltdiabetestag die Bedeutung von Sport und Bewegung sowohl in der Primär- als auch in der Tertiärprävention fokussiert. Nahezu zeitgleich mit dem Weltdiabetestag findet vom 6. bis 8. November der Inline-Kongress (Sportstudioleiterkongress) statt, dessen Schwerpunkt Gesundheitssport ist und bei dem ich über Diabetikersport als den Zukunftsmarkt für Fitness- und Wellnessstudios referieren werde. Viele interessante Diabetikersportprojekte für 2010 sind derzeit „in der Mache“.
 
Wenn ich einen Wunsch frei hätte für Menschen mit Diabetes, dann wünschte ich mir, ...
... dass dieses Krankheitsbild bald ebenso besiegt wird und ebenso einer fernen Vergangenheit angehört wie Pocken, Wundbrand, Pest und Kindbettfieber. 
Mein Traum ist, dass man irgendwann Neugeborenen auf der Säuglingsstation eine Schutzimpfung geben kann, die sie für ihr ganzes Leben gegen dieses Krankheitsbild immun macht.
Die Diabetestherapie hat in den letzten 10 Jahren größere Fortschritte gemacht als in den 100 Jahren zuvor und gibt uns so viele Möglichkeiten zur Hand, so dass dies kein Traum bleiben muss!
Detlev Kraft hat Typ-1-Diabetes, ist Sportler durch und durch und war mal Kickbox-Weltmeister

Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Sie eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
Der Weltdiabetestag hat jedes Jahr eine besondere Bedeutung, weil auf die pandemische Ausbreitung der einzigen von den UN anerkannten, nicht übertragbaren Krankheit, die als Bedrohung der Menschheit angesehen wird, aufmerksam gemacht wird. An diesem Tag wird jedem vor Augen geführt, wie diese Erkrankung das Leben der Betroffenen völlig verändert. Er hat auch die Bedeutung, den noch nicht Betroffenen deutlich zu machen, was sie in eigener Verantwortung tun können, um Erkrankungen zu vermeiden.

Erwarten Sie sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?

Ich erwarte, dass der Patient im Mittelpunkt des Interesses steht. Seine Sorgen und Nöte dürfen nicht vordergründigen Kosten-Nutzen-Bewertungen geopfert werden. Der DDB fordert, dass die Gesundheitspolitik der neuen Bundesregierung den Patienten und seine Therapienotwendigkeiten in den Mittelpunkt stellt. Eine ausreichende, den persönlichen Bedürfnissen angepasste Versorgung der Diabetiker muss Standard, nicht Ausnahme sein.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte für Menschen mit Diabetes, dann wünschte ich mir, ...
...dass eine Rückbesinnung der Politik auf die tatsächliche Hilfsbedürftigkeit von chronisch kranken Menschen und hier insbesondere von Diabetikern stattfindet.
Dieter Möhler ist Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) und Rechtsanwalt

Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Sie eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
Da ich seit 45 Jahren Typ-1-Diabetikerin bin, hat dieser Tag immer eine große Bedeutung für mich. Da fühle ich mich mit Mitbetroffenen in aller Welt besonders verbunden. Schade, dass dieser Tag immer noch nicht so bekannt ist wie z.B. der Welt-Aids-Tag. Hier müssten die Medien besser funktionieren.

Erwarten Sie sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?
Durch die politischen Diskussionen sind die Menschen sensibler geworden, was das Thema Diabetes angeht. Ich erwarte eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte für Menschen mit Diabetes, dann wünschte ich mir, ...
... dass die neue Regierung ihre Gesundheitspolitik so ausrichtet, dass die vorhandenen Gelder so verteilt werden, dass der Prävention mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und bei der Behandlung des Diabetes auch 
Innovationen sinnvoll eingesetzt werden können.
Elke Brückel ist Vorstandsmitglied des DDB-Landesverbandes Baden-Württemberg

Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Dich eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
Ganz ehrlich? Nein! Hilft uns ein Weltdiabetestag, besser mit der Krankheit zurechtzukommen? Werden wir dadurch geheilt? Ich sage nein, wir haben diese Krankheit und müssen damit leben, und da hilft uns kein Tag der Welt. Wenn es Menschen gibt, denen der Tag hilft, dann freut es mich für sie.

Erwartest Du sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?

Ich erwarte nichts Besonderes, vielleicht wird in den Nachrichten nebenbei mal erwähnt, dass der Weltdiabetestag stattfindet oder mal eine Reportage 
über die Historie gezeigt, aber es hilft mir beim täglichen Messen und Spritzen auch nicht.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte für Menschen mit Diabetes, dann wünschte ich mir, ...

... dass Diabetes besser in die Gesellschaft eingegliedert wird, denn es passiert mir, und ich denke vielen anderen Diabetikern auch, noch viel zu oft, dass, wenn ich in der Öffentlichkeit meine Spritze benutze, andere anfangen zu schreien, wie ekelhaft das sei.
Philipp Priester (16), Schüler, war für 10 Tage Praktikant beim Diabetes-Journal

Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Sie eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
Am 20. Dezember 2006 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Resolution 61/225 und erklärte damit den 14. November zu einem ab dem Jahr 2007 jährlich zu begehenden Tag der Vereinten Nationen. Diabetes mellitus ist damit die zweite Krankheit nach HIV/AIDS, die einen offiziellen UN-Tag erhalten hat. Diabetes mellitus, diese leise, stille, aber doch heimtückische Erkrankung, macht uns in einer fast epidemieartigen Zunahme schwer zu schaffen. Wir können nicht laut genug Weltdiabetestage begehen, um Politik und Öffentlichkeit aufmerksam zu machen.

Erwarten Sie sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?
„Diabetes Prevention and Education“ lautet von 2009 bis 2013 das Motto! – Diabetes verstehen und Verantwortung für sich selbst übernehmen! Es geht darum, alle Menschen mit Diabetes aufzurufen, Informationen und Erfahrungen zu vermitteln. Die Wissensvermittlung und die Verhinderung des Diabetes ist eine wichtige, nationale und gesundheitspolitische Aufgabe für alle Menschen. Wir müssen Zeichen setzen und praktikable, in den Alltag umsetzbare Möglichkeiten zeigen. Es kann jeden treffen.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte für Menschen mit Diabetes, dann wünschte ich mir, ...
... ein Bewusstsein für Diabetes zu schaffen.
Michaela Berger, Diabetesberaterin, zuständig für das Ressort „Selbsthilfe“ bei diabetesDE

Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Sie eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
Selbstverständlich! Der Weltdiabetestag beinhaltet die Chance, mit der Macht aller Nationen an einem gemeinsamen Tag im Jahr auf diese sich pandemieartig ausbreitende Krankheit aufmerksam zu machen. Diese Chance der weltweiten Aufklärung muss die Diabetologie im Sinne der vielen Betroffenen nutzen

Erwarten Sie sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?
Ich erwarte, dass wir es so kurz nach der Wahl schaffen, den neuen Verantwortlichen im Bundesgesundheitsministerium Diabetes als eine unserer gefährlichsten Volkskrankheiten überhaupt nahezubringen. Wenn wir die Politik von den Vorteilen einer nationalen Diabetes-Strategie überzeugen könnten, wären wir im Kampf gegen Diabetes ein entscheidendes Stück weiter.
Prof. Thomas Danne, Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft

Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Sie eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
Dr. Dietrich Garlichs: Tage mit weltweiter Bedeutung werden von den Medien besonders beachtet. Trotzdem haben wir es in Deutschland noch nicht geschafft, dass der 14. November mit dem Weltdiabetestag so verbunden wird wie der 1. Dezember mit dem Weltaidstag. Es gibt also noch viel zu tun.

Erwarten Sie sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?
diabetesDE organisiert in diesem Jahr die zentrale öffentliche Veranstaltung zum Weltdiabetestag in Berlin. Es ist uns gelungelungen, ein buntes Informations- und Mitmachprogramm mit Experten und Prominenten auf die Beine zu stellen.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte für Menschen mit Diabetes, dann wünschte ich mir, ...
... dass es bald wieder einen Durchbruch gibt wie 1921 die Insulinentdeckung.
Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von diabetesDE

Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Sie eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
Der 14. November ist natürlich in meinem Kalender anders vermerkt als ein Welt-Frauentag, -Aidstag oder der Valentinstag, weil ich mich mit der Gruppe der Diabetiker eng verbunden fühle. Aber nur wenn mit den unterschiedlichsten Aktionen Diabetiker dazu ermutigt werden, sich den Anforderungen ihrer Erkrankung zu stellen und sie sich konsequent für ihre Gesundheit verantwortlich fühlen, bekommt dieser Tag eine Bedeutung. Das gilt für jeden anderen Gedenktag dieser Art ebenso.

Erwarten Sie sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?
Besonders bedeutsam kann ein Weltdiabetestag individuell nur durch eine andere Selbstwahrnehmung des Diabetikers werden mit den Auswirkungen zu mehr Selbstbewusstsein und Engagement für sich und damit für andere. Eine traumhaft gesellschaftliche Bedeutung hätte der Tag dann, wenn sich viele Diabetiker(gruppen) zusammen einsetzen für eine weltweite Grundsicherung der Therapie.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte für Menschen mit Diabetes, dann wünschte ich mir, ...
... dass sie verantwortungsbewusst mit den Möglichkeiten umgehen, die Medizin und Demokratie ihnen bieten.
Anneliese Kuhn-Prinz ist Herausgeberin der Zeitschrift "Insuliner"

Hat der Weltdiabetestag am 14. November für Sie eine besondere Bedeutung? Wenn ja, welche?
Der Tag macht einem bewusst, und zwar auch emotional bewusst, wie viele Menschen auf der Welt Diabetes haben und wie unterschiedlich die Chancen auf eine gute Behandlung verteilt sind. Und dass der Diabetes auch eine Erkrankung ist, die Kinder und Jugendliche in zunehmendem Maße betrifft. Daher ist der 14. November ein Tag mit Symbolcharakter, den wir ernst nehmen müssen.

Erwarten Sie sich gerade in diesem Jahr etwas Besonderes vom Weltdiabetestag?
Wir werden in vielen Medien mehr oder weniger gut recherchierte Berichte über Diabetes finden, also nichts wirklich Neues. Trotzdem ist es wichtig, dass Menschen mit Diabetes in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte für Menschen mit Diabetes, dann wünschte ich mir, ...
... dass sie nicht jeden Tag die Zeitung aufschlagen müssten, um zu sehen, welche Insuline man ihnen nun verschreiben darf oder nicht, sondern gemeinsam mit ihren Ärzten und Betreuern die für sie bestmögliche Behandlung wählen können. Das schließt besonders Kinder mit Diabetes ein.
Bela Bartus ist Diplom-Psychologe und schreibt die "DiabEtikette" im Diabetes-Journal

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