15.02.2011 Alternativlos: Alternative Diabetes-Strategie

Die Volkskrankheit Diabetes hat epidemische Ausmaße angenommen. Hans Lauber fordert ein neues Therapieverständnis und ein radikales Umdenken auf vielen Ebenen.

Über „Alternative Diabetes-Therapien“ referierte ich jüngst auf dem Münchner Ärztekongress „Diabetologie grenzenlos“. Ein brennendes Thema, für das ich eingeladen war: Denn auch 2011 werden wieder 300 000 neue Lifestyle (Typ-2)- Diabetiker zu den jetzt schon bedrohlichen zwölf Millionen hinzukommen – eine explosive Gemengelage, welche das Gesundheitssystem sprengen wird.

Eine Drei-Stufen-Strategie zur Eindämmung der Epidemie legte ich deshalb in München vor – eine alternativlose Strategie, die auf einem medikamentenfreien Weg für Millionen Betroffene basiert.

Strategie 1: Diabetes als persönliche Chance
Primär als eine zu behandelnde Krankheit definieren Ärzte bei uns derzeit noch den Lifestyle-Diabetes – eine Diagnose, welche direkt in die Sackgasse der Diabetiker-Schwemme führt. In Wirklichkeit sind nämlich ein Großteil dieser Neu-Diabetiker nicht „krank“, sie haben lediglich eine „angefutterte“ Stoffwechselstörung, die sie aus eigener Anstrengung ohne Medikamente beseitigen können. Funktionieren kann das aber nur, wenn Ärzte die Lifestyle-Diabetiker nicht mehr zu passiven Patienten stempeln, sondern sie ermuntern, aktive „Aktienten“ zu werden.

Nur wer seinen „Zucker“ annimmt, ihn als Teil von sich akzeptiert, kann handelnd seinen Lebensstil ändern, kann endlich anfangen seinen Blutzucker zu messen, um zu wissen wo er steht. Kann endlich anfangen, seine Ernährung auf genuss-gesund umzustellen. Kann endlich anfangen, soweit zu laufen, wie ihn die Füße tragen – ohne Spritzen und Pillen zu brauchen.

Dass dieser Weg beschreitbar ist, dass er zu einer breiten Straße werden kann, habe ich in dem Buch „Messen. Essen. Laufen – Fit wie ein Diabetiker“ (Kirchheim-Verlag) bewiesen, das eine überwältigende Resonanz erfahren hat. Dass der Lifestyle-Diabetes besiegbar ist, hat auch Dr. med. Volker Schmiedel in seinem Referat auf dem Münchner Kongress eindrucksvoll bestätigt: Der Chefarzt der Inneren Abteilung der Kasseler Habichtswald-Klinik berichtete aus seinem Buch „Diabetes Typ2 – Heilung ist doch möglich“ (Trias-Verlag) von eindrucksvollen Fällen, etwa einer 79-jährigen Frau, die seit langem Insulin spritzte. Unter seiner Anleitung schaffte sie es, von dem dick machenden Hormon wegzukommen – was laut Experten eigentlich unmöglich sein soll. Ja, die alte Dame brauchte sogar irgendwann gar keine Diabetes-Medikamente mehr.

Strategie 2: Diabetes ist nur gesellschaftlich „heilbar“
Obwohl der Lifestyle-Diabetes also tendenziell besiegbar ist, ergreift nur ein Bruchteil der potentiellen „Selbst-Heiler“ diese Chance. Das liegt daran, dass unsere politisch-gesellschaftlichen Strukturen das häufig nicht wollen, darauf nicht eingerichtet sind. Das fängt in den Schulen an, wo Sport ein Mauerblümchen ist, wo es keine Schulküchen, keine Schulgärten, keine benoteten Kochkurse für Jungen und Mädchen gibt. Das geht mit der Fernsehwerbung weiter, wo ungehemmt Produkte des „süßen Fetts“ beworben werden.
Da sich die Industrie freiwillig nicht einschränken wird, werden nur Verbote, werden „Sweet- und Fat-Taxes“ helfen. Auch gehören Schulbusse weitgehend abgeschafft, da sie von der Bewegung abhalten, also indirekt den Diabetes „befördern“. In meinemundefined „Diabetes-Manifest“ habe ich erstmals dieses umfassende Maßnahmenpaket aus Angeboten (etwa Schulküchen) und Verboten komplett aufgestellt – es ist ein Paket, das einen radikalen Umbau der Gesellschaft zu einer Präventions-Gemeinschaft fordert, denn der Lifestyle-Diabetes ist nur heilbar, wenn jeder Betroffene im Kopf zur Änderung bereit ist, und wenn die Gesellschaft als Ganzes sich über die Vorbeugung definiert.

Strategie 3: Drei Millionen „fitte“ Diabetiker bis 2020
Den Preis des politischen Selbstmordes müssten Politiker bezahlen, würden sie diese Forderungen des „Diabetes-Manifestes“ aufgreifen. Deshalb ist von dieser Seite keine wirkliche Initiative zu erwarten. Vor allem müssten sich die vielen Diabetes-Organisationen dieser politischen Dimension stellen. Aber da sehe ich auch keine wirkliche Bereitschaft, denn das ist unbequem, da ist mit heftigem Widerstand mächtiger Lobbygruppen, etwa der Lebensmittelindustrie, zu rechnen.

Der Aufbruch wird meiner Meinung von zwei anderen Seiten kommen: Zum einen von den Kassen, wenn sie endlich merken, dass der bisherige medikamentöse Weg sie in den Ruin treibt. Zum anderen von der jungen Generation, die nicht mehr bereit sein wird, den Alten den bequemen und geruhsamen sehr langen Lebensabend mit süßen Törtchen und bewegungsfaulen Kaffeefahrten zu finanzieren, wobei hier auch die vielen „jungen“ Alters-Diabetiker eingeschlossen sind.

Um welche Dimensionen es geht, habe ich einmal mit Reinhart Hoffmann von der Deutschen Diabetes-Stiftung, wo ich Beiratsmitglied bin, durchgerechnet: Wir sind für unser konservativ kalkuliertes Rechenmodell von zehn Millionen Typ-2-Diabetikern ausgegangen, haben dann über drei Millionen Ältere weggerechnet, wo die Änderung des Lebensstils nicht mehr geht oder nichts mehr bringt. Dann bleiben rund sechs Millionen übrig, von denen erfahrungsgemäß rund zwei Drittel den Weg der Eigenverantwortung erfolgreich beschreiten können. Das wären dann, sehr konservativ gerechnet, mindestens drei Millionen Menschen – eine stattliche Zahl.

Drei Millionen Menschen müssen also spätestens bis 2020 fit gemacht werden, dass sie ohne Medikamente ihren Lifestyle-Diabetes im Griff haben. Nur so wird unser Gesundheitssystem und unsere Gesellschaft überleben.

Das klingt Ihnen alles zu sehr nach Entsagung, zu sehr nach Gängelung? Dann klicken Sie auf mein undefined„Kaviar-Festival“– und lassen sich davon begeistern, wie genuss-stark eine intelligente Gesundheit sein kann.



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