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06.08.2007 Aufruf der Diabetiker an die Politik!

Auf drohende Einschränkungen in der Versorgung bei kurzwirksamen Insulinen weist Manfred Wölfert, der Vorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes in diesem Beitrag hin.

Diabetes mellitus entwickelt sich zu einem der größten Probleme in der Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung. Nicht nur, daß praktisch 10 Prozent von uns daran leiden - mit den gesamten negativen Auswirkungen. Sondern unser Sozialsystem wird hierdurch erheblich belastet. Auch jeder 10. Politiker ist von Diabetes betroffen, vielleicht weiß er es nur noch nicht: Denn die Krankheit ist schleichend.
Ich möchte zum  wiederholten Male darauf hinweisen, daß das IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) erneut ein nach Auffassung der beteiligten Fachgesellschaften und Betroffenenverbände fehlerhaftes Gutachten (kurzwirksame Insulin-Analoga Typ 1) dem Gemeinsamen Bundesausschuß (G-BA) vorgelegt hat. In dem Bericht sind weder die Stellungnahmen der Betroffenen noch das Review eines Wissenschaftlers berücksichtigt worden. Wenn dieses zur Grundlage der G-BA-Entscheidung zur Versorgung der Diabetiker gemacht wird, wie es bereits bei ähnlicher Fragestellung zur Versorgung der Diabetiker Typ 2 geschah, wird eine erhebliche Verschlechterung der Diabetikerversorgung eintreten – jetzt auch der Kinder, der jüngeren Menschen und aktiv im Leben stehenden Betroffenen (also auch Politiker).
Das alles wäre mehr als bedauerlich, da sich das IQWiG bei seiner Darstellung des Nutzens kurzwirksamer Insulin-Analoga auf eine eigene Methodik stützt, die von weiten Teilen der Fachwelt und der Betroffenen als fehlerhaft abgelehnt wird. Es ist zu befürchten, daß der G-BA die aus unserer Sicht fehlerhafte Bewertung des IQWiG übernehmen wird. Dies, obwohl es kein europäisches Land gibt, in dem die Vorteile der kurzwirksamen Insulin-Analoga so kleingeredet werden, wie bei uns. Ich will den Fehler, der hier gemacht wird, illustrieren:
Wird man in einen dunklen Raum geschickt, um nachzusehen, ob sich darin ein bestimmter, schwierig zu erkennender Gegenstand befindet, sollte man keine Sonnenbrille aufsetzen! So geht das IQWiG aber vor, nach dem Motto: Nur was so klar zu erkennen ist, daß es sogar im Dunkeln sichtbar ist, ist vorhanden. Die Realität, in der der Diabetiker sich bewegen muß, wird hierbei nicht berücksichtigt. Das IQWiG ignoriert die zahllosen Einwände der Betroffenen, der Fachverbände, der Fachleute und selbst der eigenen Reviewer: Nimmt man so eine objektive Darstellung der Probleme vor? Indem man systematisch unter Hinweis auf die eigene Methodik alle Einwände vernachlässigt?
Es hat den Anschein, daß der G-BA und das IQWiG sich sogar über die Bestimmung des Wettbewerbsstärkungsgesetzes (WSG) hinwegsetzen wollen, das ausführt, daß die Methodik an internationale Standards anzugleichen ist und Einwände zu berücksichtigen habe.
Nach meiner Auffassung, die deckungsgleich mit der von Staatssekretär Dr. Schröder ist, sind G-BA und IQWiG verpflichtet, die zur Zeit verhandelte Frage der Kosten¬erstattung kurzwirksamer Insulin-Analoga bei Typ-1-Diabetikern erneut nach einer neuen Methodik aufzuarbeiten.
Das IQWiG hat angekündigt, Berichtspläne zur Diskussion zu stellen. Bereits jetzt ist anzumerken, daß Änderungen ohne Angabe von Gründen einen  schweren Verstoß gegen die allgemeinen Regeln darstellen würden.  Insofern muß eine vollständige Offenlegung der Entscheidungsgründe erwartet werden können.
Es ist höchste Zeit, daß die Politiker diese komplexe Materie nicht der Meinung einer Einzelperson überlassen, die sich den Kampf gegen die Diabetiker auf die Fahnen geschrieben hat. Denken Sie daran, es kann auch Sie erwischen!


Manfred Wölfert
Bundesvorsitzender
Deutscher Diabetiker Bund

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