20.01.2011 Bitte gleiche Einheiten für alle

Jana Einser wünscht sich, dass das Durcheinander mit den Einheiten für Kohlenhydrate und Blutzucker aufhört.

Wir probieren beim Kochen gern neue Entdeckungen aus. So gab es neulich als Beilage zu einem bunten Gemüsetopf und Reis „Traum-Monde India“. Köstlich sahen sie aus, die kleinen Teilchen, die in Kürze in die Pfanne wandern würden.

Neugierig sah ich mir die Zutatenliste an – denn ich möchte immmer wissen, was in einem Lebensmittel steckt. Neben verschiedenen Gemüsen und Gewürzen stehen Kartoffeln, Kichererbsenmehl und Weizenmehl darauf, also einige Kohlenhydratlieferanten. Vor mich hin murmelnd rechnete ich mit Hilfe der aufgedruckten Nährwertanalyse die Menge der Broteinheiten, kurz BE, aus: „19,5 g Kohlenhydrate sind in 100 g der Monde, die ganze Packung enthält 220 g. 19,5 mal 2,2“, ging meine Überlegung nun ins Rechnen weiter, „macht 42,9 g Kohlenhydrate insgesamt. Die 42,9 g geteilt durch 12 g – aha, gut 3,5 BE sind in der ganzen Packung, für mich sind es also knapp 2 BE zusätzlich zum Reis, wenn ich die Hälfte davon esse.“

So weit, so gut. Da ich seit Jahrzehnten mit 12 g Kohlenhydraten für eine BE rechne, fällt mir kaum noch auf, wie krumm die Zahl ist. Aber anderen schon – mündend in die Frage: „Warum sind es eigentlich 12 g, durch die du teilen musst?“ Gute Frage! Schuld an der Zahl ist der Arzt Carl von Noorden, der von 1858 bis 1944 gelebt hat. Er hatte 1895 definiert, dass eine Weißbroteinheit, später genannt Broteinheit, 12 g Kohlenhydraten entspricht. Bekanntlich rechnen aber nicht alle in Deutschland mit diesen 12 g, viele rechnen, auch international, mit 10 g für eine Einheit – was viel einfacher ist: Will ich zum Beispiel die 42,9 g Kohlenhydrate meiner Monde durch 10 teilen, muss ich nur das Komma nach links verschieben – 4,29, gerundet 4,3 Einheiten kommen heraus.

Wissen Sie, was ich mir deshalb wünsche? Dass das Durcheinander mit den Berechnungseinheiten aufhört und klar die Entscheidung getroffen wird: Deutschland wird international und rechnet in Zukunft mit 10 g für eine Einheit – oder geht sogar dazu über, die Kohlenhydratmenge als solche zur Grundlage zu machen, wie es vielerorts auch üblich ist. Dasselbe gilt übrigens auch für die Einheit der Blutzuckerwerte: Internationaler Standard ist die Angabe in mmol/l, nicht mg/dl. Ich weiß, dass es schwer ist, sich in solchen Dingen umzugewöhnen – ich selbst bin mit 12 g und mg/dl aufgewachsen. Aber die Menschheit hat die Umstellung von Elle und Fuß auf den Meter und von Schekel und Unzen auf das Gramm auch geschafft. Warum sollte es uns mit den Kohlenhydrat- und Blutzuckereinheiten nicht auch gelingen?

Die Autorin: Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und schreibt für die Diabetes-Journal-Rubrik "Zum guten Schluss".

Kommentar

Matthias Werrmann - 28.01.11 15:17

Zitat:"Er hatte 1895 definiert, dass eine Weißbroteinheit, später genannt Broteinheit, 12 g Kohlenhydraten entspricht. Bekanntlich rechnen aber nicht alle in Deutschland mit diesen 12 g, viele rechnen, auch international, mit 10 g für eine Einheit." Dass mag für die stimmen, die auch Äpfel und Birnen zusammenzählen. Es ist klar definiert: 1 BE = 12g KH und 1KHE = 10g KH. (nur die Schweizer rechnen mit 10g KH = 1BE). Und einfacher zu rechnen? Lieber durch 10, als durch 12 (weil es Deppen gibt, die das nicht können)? Wie wäre es denn mit einer "Vereinfachung" von Binär-, Hexadezimal- und Oktalzahlen? Zitat:" Aber die Menschheit hat die Umstellung von Elle und Fuß auf den Meter und von Schekel und Unzen auf das Gramm auch geschafft." Weil alle genannten Einheiten (ausser Meter und Gramm) nicht geeicht waren und mit geeichten Teilen (Ur-Gramm u. -Meter) eine Norm erfunden wurde. Ganz nebenbei gibt es Fuß und Unze immer noch... und auf die Frage "„Warum sind es eigentlich 12, durch die du teilen musst?“ gibt es eine klare Antwort: "Weil es so festgelegt ist!". Und zum Schluss: jeder mit DM sollte die Zahlen zur Umrechnung kennen und schon ist alles geregelt!!

Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 21.01.11 09:19

Sehr geehrte Frau Einser,

Sie wünschen sich, "dass das Durcheinander mit den Einheiten für Kohlenhydrate und Blutzucker aufhört."
Auf den ersten Blick logisch - und auf den zweiten?

"viele rechnen, auch international, mit 10 g für eine Einheit – was viel einfacher ist: Will ich zum Beispiel die 42,9 g Kohlenhydrate meiner Monde durch 10 teilen, muss ich nur das Komma nach links verschieben – 4,29, gerundet 4,3 Einheiten kommen heraus."
Liest sich voll logisch, aber wenn in einem Text unserer englischsprachigen Brüder und Schwestern im Diabetes die Schreibe von 30 carbs ist, meinen die damit nicht 30 Einheiten, sondern 30 Gramm. Und ich kenne keine einzige Veröffentlichung, in der stattdessen von 3 units of carbs o.ä. zu lesen stünde.

Und dann schreiben Sie
"Dasselbe gilt übrigens auch für die Einheit der Blutzuckerwerte: Internationaler Standard ist die Angabe in mmol/l, nicht mg/dl."
Super. 90mg/dl sagen mir auf den ersten Blick, dass jeder Liter meines Blutes 0,9 Gramm Glukose enthält. Dafür brauche ich nur das Komma wie oben nach links zu verschieben. Wenn ich dagegen wie gefordert 5mmol/l ablese, muss ich die vor der Kommaverschiebung erst noch mit 18 malnehmen. Was daran wäre logisch?

Wieso sollen die 12 bei den Broteinheiten nun unlogisch sein, während die 18 beim Blutzucker doch völlig logisch sein sollen?
Zumal sie ja soooo überwiegend gar nicht vorkommen? Oder seit wann erscheinen z.B. Veröffentlichungen der einstweilen noch weltweit führenden Diabetes-Organisation, der American Diabetes Association (ADA), mit mg/dl an erster Stelle?

Mit neugierigen Grüßen aus Oelde,
Hans-Jürgen Tilsner

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