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21.11.2008 Bleiben Sie standhaft!

"Lassen Sie sich die Verantwortung für Ihre Gesundheit nicht abnehmen" appelliert Hans Lauber in diesem Beitrag.

„Alles nicht so schlimm, alles wird gut, wir richten das schon für Sie“, so lauten die Beschwichtigungsformeln der Offiziellen in den Zeiten der Krise. Nur zu gern neigen die Menschen dazu, solchen Schalmeienklängen zu trauen – leider auch auf dem Gebiet des Diabetes. Plötzlich ist wieder einmal alles gar nicht so schlimm – obwohl inzwischen bald zehn Millionen in Deutschland Lifestyle - (Typ-2) Diabetiker sind.

„Das Zuckerverbot ist längst überholt“, titelt locker der „Kölner Stadtanzeiger“ – Musik in den Ohren der Diabetiker, die nun glauben, sie könnten wieder hemmungslos ihrer Süßlust frönen, und das gerade in der kommenden Adventszeit. Das ist unverantwortlich, weil nach Süßem der Blutzucker in die Höhe schießt, der Körper Insulin ausstößt, um die Zuckerflut zu bändigen. So lange aber das Hormon in den Adern kreist, wird kein Fett abgebaut, alles wird auf den Rippen abgelagert, die Leute werden dick – und Übergewicht ist die Hauptursache für den Lifestyle-Diabetes.

Genau so flapsig gehen die Journalisten mit den Untersuchungen einer amerikanischen Studie um, die herausgefunden hat, dass das extreme medikamentöse Absenken des Langzeitblutzuckers zu vermehrten Todesfällen geführt hat. Daraus schließen die Medienleute schlicht, dass es sich nicht lohne, den Blutzucker in vernünftige Bahnen zu lenken. Richtig dabei ist, dass der dahinterstehende Ansatz falsch war, den Zucker so stark abzusenken – ein Umstand auf den im Diabetes-Journal die beiden Chefredakteure Prof. Dr. Thomas Haak und Günter Nuber ausführlich hingewiesen haben.

Nur, bei vielen Betroffenen bleibt halt der Eindruck, „Et hätt no immer jot gejange“, wie der Kölner so gerne sagt. Nur, es geht halt leider nicht immer gut – wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Auch habe lange den Schalmeienklängen geglaubt, bis mein permanent erhöhter Zuckerspiegel die Augen unwiederbringlich geschädigt hatte.

Deshalb: Bleiben Sie standhaft, lassen Sie sich die Verantwortung für Ihre Gesundheit nicht von anderen abnehmen, denn die Folgen müssen Sie tragen.

 

Kommentar

Wahl - 09.12.08 21:54

Aus eigener Erfahrung: Die Insulinresistenz ist ein Lifestyle-Problem, da mit der Gewichtsabnahme auch eine Verringerung der notwendigen Insulinmenge verbunden ist. Leider widerspricht es den üblichen Beratungen, bei denen die Einschränkungen des Typ-2-Diabetikers einfach geleugnet werden. Mit dem Typ-2 hat der Mensch die "heile" Welt der lukullischen Vergnügungen verlassen, sofern er auf die Spätfolgen verzichten will. Das ist keine böswillige Diskriminierung sondern pure Konsequenz. Die Typ-2-Perspektive ist also: Exzesse nur als Ausnahme. Und nach einer gewissen Zeit der Entwöhnung ist einem die Süße von Fabrikzucker oder Honig sowieso zuwider, und man fragt sich, was einem an Tiramisu (z. B.) überhaupt gefallen konnte.

Hans-Jürgen Tilsner - 26.11.08 20:01

Sehr geehrter Herr Lauber,

"Lassen Sie sich die Verantwortung für Ihre Gesundheit nicht abnehmen!"
schreiben Sie. Dabei gehören Sie mit Ihrer Begriffs-Kreation "Lifestyle-Diabetes" statt Typ2 zu unseren wirksamsten "Abnehmern"!
Seit Ihrer begriffigen Kreation ist nämlich alle Welt davon überzeugt, dass Typ2 angefressen und angesessen ist und dass kein Typ2 zuckerkrank wäre, wenn er sich nur vernünftig bewegen und vernünftig essen würde!

- Aber wie erklären Sie dann, dass es keinen Typ2 mit gesund 2phasiger Insulinantwort gibt? Was an weniger Bewegung und mehr Essen killt den Inkretin-Effekt, mit dem gesund mit dem Essen von Kohlenhydraten schon per Signalkette aus dem Darm Insulin bestellt wird, so dass es beim Übergang der neuen Glukose in Blutkreislauf schon bereit steht und erst gar kein auffällig hoher Blutzucker-Anstieg erfolgt?
- Aber wie erklären Sie, dass es keinen Typ2 gibt, bei dem die Leber ihre Zuckerausgabe gesund einstellt, wenn neuer Zucker in Gestalt von Brot, Kartoffeln, Reis und Obst gegessen wird? Was an weniger Bewegung und mehr Essen soll denn nach Ihrer Meinung dafür sorgen, dass die Leber eines Typ2 für jede gegessene BE noch wenigstens eine halbe zusätzlich liefert und dazu sogar Muskelmasse auflöst?
- Aber wie erklären Sie schließlich, dass es keinen Typ2 gibt, bei dem kein großer Anteil intakten Proinsulins (C-Peptid und Insulin hängen noch ungetrennt zusammen) im Blut zwar nur 10% der Blutzucker-Senkwirkung von ordentlich getrenntem Insulin macht, aber dafür super Adipositas und Arteriosklerose fördert? Was an weniger Bewegung und mehr Essen fördert die Ausgabe von Proinsulin statt Insulin?

Es gibt keinen Typ2 Diabetes ohne diese 3 fundamentalen Sekretionsstörungen, die zumindest bei ordentlicher Zucker-Einstellung mit einer Abnahme der funktionierenden Inselzellen einhergehen.
Ihr Begriff "Lifestyle-Diabetes" passt genial zu dem "bisschen Zucker", mit dem jeden Tag unendlich viele Ärzte allein in Deutschland die Ergebnisse von Blutzucker-Tests verharmlosen, die zwar schon eindeutig höher als gesund ausfallen, aber die alten Diagnose-Schwellen zum Diabetes noch nicht überschreiten, die in den 70ger Jahren des vorigen Jahrhunderts ohne jeden medizinischen Grund rein administrativ so gesetzt wurden. Dabei erleiden in diesem Bereich unterhalb der Diagnose Diabetes schon mehr als 10 von 100 Betroffenen diabetische Netzhautschäden, und auch die Arteriosklerose läuft dann schon auf vollen Touren!

Allerdings trifft zu, dass die so vordiabetisch Betroffenen selbst ihren alltäglichen Blutzucker-Verlauf völlig ohne Medikamente allein mit gezielter Nahrungsauswahl und gezielt eingesetzter Bewegung gesund normalisieren könnten. Nur hat die gezielte Nahrungsauswahl dafür nichts mit allgemein als gesund gepredigter ausgewogener Ernährung zu tun, und die Bewegung dafür nichts mit der halben Stunde zusätzlich irgendwann einmal am Tag.
Vielmehr muss jeder Betroffene mit Messgerät und Protokoll für sich selbst herausfinden, wann am Tag er wie viele angeblich so gesunde Kohlenhydrate (sind verdauungstechnisch alle nichts anderes als Zucker!) essen kann, ohne dass sein Blutzucker anschließend den gesunden Rahmen überschreitet.
Und genau so muss jeder Betroffene für sich selbst herausfinden, wann nach dem Essen wie viel zusätzliche Bewegung seinen Blutzucker um wie viel gar nicht erst ansteigen lässt oder absenkt. Denn die selbe Menge an Bewegung kann beim selben Menschen zur einen Zeit den Blutzucker senken und zu einer anderen überhaupt nicht wirksam werden oder den Blutzucker sogar erhöhen!
Und wer als Nochnichtdiabetiker seinen Blutzucker auf diese Weise so gesund führt, wie seine Blutzucker-Automatik das gerne täte, wenn sie nicht diabetisch defekt wäre, braucht vielleicht nie auf Diagnose Diabetes vorzurücken und wahrscheinlich auch nie irgendwelche diabetischen Folgekrankheiten zu erleiden.

Tatsächlich entspricht Ihr Messen-Essen-Laufen schon sehr weitgehend diesem pro-aktiven Ansatz. Nur haben Sie den mit Ihrer verharmlosenden Bezeichnung Lifestyle-Diabetes zu unser aller Lasten bis zur Unwirksamkeit entwertet. Bis in die oberste Etage des BMG ist feste Überzeugung, dass Typ2 Lifestyle und damit selbst verschuldeter Diabetes sei. Mit systematischem persönlichem Einrichten mit Messen-Essen-Bewegen hätten dagegen diejenigen unter den Millionen Betroffenen eine echte Perspektive auf ein ansonsten unbehindertes gesundes Leben, die Sie statt mit Lifestyle einzulullen vom Ernst und den Möglichkeiten ihrer Situation schon weit unterhalb der alten Diabetes Diagnose-Schwellen hätten überzeugen können. Schade, dass Sie ihnen die Sorge um ihre Gesundheit so nachhaltig abgenommen haben. -

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner

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