26.04.2011 Da geht noch was!
Der Diabetes lässt sich heute zweifelsohne sehr gut behandeln. Das bestätigen mir nicht nur sehr viele Patienten, sondern wir Therapeuten sind meistens auch mit den guten Möglichkeiten der Diabetestherapie zufrieden. Dabei darf man nicht vergessen, dass vor weniger als hundert Jahren der Typ-1-Diabetes eine tödliche Erkrankung war - mit einer Überlebenszeit von Monaten oder wenigen Jahren. Doch auch die Möglichkeit, den Blutzucker jederzeit bestimmen zu können, Insulin mit einem Pen zu injizieren, und viele Neuentwicklungen von Medikamenten sind eine Errungenschaft der letzten Jahrzehnte.
Zusammengenommen also ein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen und zu sagen: "Ist doch alles klar!" Oder? - Wohl kaum! Der berühmte Unternehmer Philip Rosenthal, den man als Besitzer der Porzellanmanufaktur kannte, sagte einmal: "Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein!" Und jeder von uns weiß, dass das Bessere schon immer der Feind des Guten war.
Es ist also sinnvoll, auch in der weiterentwickelten Diabetestherapie stets nach neuen Möglichkeiten zu suchen, um das Leben mit Diabetes zu erleichtern und komfortabler zu gestalten. Und in der Tat geschieht dies auch. Wenn man in die Entwicklungsabteilungen der forschenden Unternehmen blickt, dann sind viele Dinge in der Entwicklung in der sogenannten Pipeline.
Was die Insuline anbelangt, gibt es Bestrebungen, schnelle Insuline noch schneller zu machen oder aber die Verzögerungsinsuline noch besser zu verzögern. So wird es in Kürze ein Insulin geben, dem man den Stabilisator Zink und die elektrische Ladung entzieht, so dass die einzelnen Insulinmoleküle noch schneller ins Blut gehen. Auch erwarten wir in den nächsten Jahren die Zulassung eines Langzeitinsulins, dass man nur noch zwei- oder dreimal in der Woche injizieren muss. Die Unterzuckerungsgefahr scheint mir dem neuen Insulin geringer zu sein.
Auch gibt es mittlerweile mechanische Insulinpumpen, bei denen Insulin sehr gleichmäßig durch einen Ballon und ein Kapillarsystem kontinuierlich in die Haut abgegeben wird. Dies könnte beispielsweise zu einem ausgeglicheneren Stoffwechsel, vor allen Dingen beim Typ-2-Diabetes führen. Auch gibt es Hilfsmittel, die die Haut erwärmen und dadurch zu einer schnelleren Aufnahme des Insulins führen.
Darüber hinaus hält die Informationstechnologie weiteren Einzug in die Diabetologie: Statt der mühseligen schriftlichen Aufzeichnungen von Blutzucker, Insulin und Kohlenhydraten erledigen das die Messgeräte und Insulinpens selbst, oder aber die Messgeräte werden an moderne Mobilfungktelefone, Smartphones, angekoppelt.
Und dies alles ist nur eine kleine Auswahl dessen, was bald Realität sein wird. Selbst intelligente Insuline, die nur wirken, wenn der Blutzucker ansteigt, sind zumindest im Tierversuch bereits erfolgreich getestet worden. Es geht also noch etwas in der Diabetestherapie, um diese effektiver zu gestalten. Für solche Entwicklungen ist es wichtig, dass man quer denkt und die Diabetestherapie aus einem anderen Blickwinkel sieht, um auf neue und frische Ideen zu kommen. Und genau das tun die Forscher zum Nutzen der Menschen mit Diabetes.
Prof. Dr. Thomas Haak
Chefredakteur