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14.06.2007 Den Diabetes lieben?

„Ich hasse meinen Diabetes“, sagte mir nach einem Vortrag eine Frau. „Wenn Sie ihn hassen, wird er Sie besiegen“, entgegnete ich. „Akzeptieren Sie den Typ-2-Diabetes als Chance, dann haben Sie eine realistische Möglichkeit, daß Sie ihn ohne Medikamente wieder los werden“. Meine Antwort stellte die Frau nicht zufrieden.

Seit Jahren schreibe ich nun über den Lifestyle-Diabetes (etwa „Fit wie ein Diabetiker“). Sage, der Typ-2-Diabetes ist in den meisten Fällen keine Krankheit, sondern eine Chance für ein neues Leben – sofern die Menschen bereit sind, ihn zu akzeptieren, überspitzt gesagt „ihn zu lieben“. Viele Menschen finden diesen Ansatz hervorragend, schreiben mir begeistert, kaufen die Bücher, besiegen durch einen bewegungs- und genußorientierten Lebensstil ihren Diabetes.

Aber viele (vielleicht die meisten) lehnen diesen Ansatz ab. Offen sagen mir das die wenigsten, aber ich sehe es in den Gesichtern bei meinen Vorträgen, merke es, wenn die Menschen sich anonym in Foren äußern dürfen. Woran liegt das? Ich glaube ganz stark daran, daß Diabetes ein negatives Image hat. Wenn einer sagt, „ich hatte einen Herzinfarkt“, nicken alle beifällig und denken „der hat sich halt richtig verausgabt“. Sagt einer, daß er Typ-2-Diabetes hat, denken die meisten „die faule Sau hätte sich ja auch mal bewegen können statt schon wieder fette Pommes reinzuschieben“.

Überspitzt? Wahrscheinlich nicht, muß doch eine Teilauflage des Diabetes-Journals im Umschlag verschickt werden. Auch ist es auffällig, daß Betroffenen-Verbände wie etwa der Deutsche Diabetiker-Bund, seit Jahren stagnierende Mitglieder-Zahlen haben (und die meisten sind Typ-1-Diabetiker). Auffällig ist auch, daß direkt an Lifestyle-Diabetiker adressierte Veranstaltungen nur verhaltenen Zuspruch finden. So habe ich gerade eine schöne Wein- und Wanderreise für Diabetiker entwickelt (siehe www.demeter-reisen.de). Das Interesse ist da, aber sehr verhalten – und am meisten begeistern sich Nicht-Diabetiker dafür. Auch berichten mir Veranstalter von Diabetes-Tagen, daß sich das riesige Heer der Diabetiker (rund sechs Millionen Betroffene, plus noch einmal rund vier Millionen unentdeckte Fälle) nie auf solchen Veranstaltungen blicken lässt.

Konsequenz: Es braucht in der Breite eine völlig neue Ansprache, etwa durch prominente Diabetiker. Der berühmte Entertainer Karl Moik ist einer der wenigen, die sich outen. Aber wir brauchen „noch viele Moiks“, um einen Bewußtseinswandel zu erreichen. Ein Ziel, das sich auch die Stiftung „Chance bei Diabetes in der Deutschen Diabetes-Stiftung“ setzt.

Übrigens: Ein Großteil der Herzinfarkte ist Folge eines nicht entdeckten oder schlechten behandelten Diabetes.

Kommentar

Dorothee Stuewe - 08.08.07 14:33

Sehr geehrter Herr Lauber, ich bin heute das erste mal auf dieser Seite und finde sie gut.ich bin seit anderthalb Jahren an Diabetes Tyb 2 erkrankt.Ich mache Sport und habe die Ernährung umgestellt nur so kann man diese Krnkheit in den Griff bekommen.Nur was ich nicht ganz vertsehe,dass wir
Diabetiker die so darauf aufpassen das man keine Erhöhte werte hat und man nur 50zig Meßstreifen im Quartal bekommt im gegebsatz zu Diabetikern die Insulin Spritzen.Hier muß auch mal was für die Diabetiker getan werden die sich mit
Ernährung und Sport Fit halten.Ihre Dorothee Stüwe

Hans Lauber - 23.07.07 12:28

Hallo Herr Möller,

danke für Ihre Antwort. Ja, das ist meine wichtigste Botschaft: Ihr Leben ist jetzt nicht zu Ende! Im Gegenteil, Sie haben eine Chance, ein neues Leben zu beginnen. Übrigens: Ich habe auch viele Nicht-Diabetiker als Leser. Meistens solche, die abnehmen wollen, denn die Mechanismen sind dieselben wie beim Zucker.

Schöne Grüße von Hans Lauber

möller - 20.07.07 22:36

ich bin kein Diabetiker aber ich kenne viele menschen die das haben und ich finde es super wie sie den diabetikern die typ 2 sind erklären das sie noch eine Chance haben davon los zu kommen !!

Hans Lauber - 12.07.07 13:22

Sehr geehrte Frau Stange,

das Wort "Lifestyle-Diabetes" habe ich entwickelt, um zu zeigen, was die wesentliche Ursache des Typ-2-Diabetes ist: Nämlich unser Lebensstil aus falscher Ernährung und zu wenig Bewegung. Natürlich könnte man auch "Lebensstil-Diabetes" sagen, aber der englische Begriff hat sich inzwischen bei Ärzten und Wissenschaftlern etabliert. Vor allem auch deshalb, weil er zeigt, daß sich diese Art von Diabetes sehr gut ohne Medikamente, nur mit einer Änderung des Lebensstils heilen läßt.

Schöne Grüße Hans Lauber

Dagmar Stange - 03.07.07 09:06

Guten Morgen,
ich bin das erste Mal auf dieser Internetseite und habe zunächst nur eine Frage, Herr Lauber: was bitte ist ein Lifestyle-Diabetiker? Eine Untergruppierung der Yuppies? Diesen Begriff habe ich bisher noch nie gehört oder gelesen, obwohl ich mittlerweile 7 Jahre mit meinem Diabetes Typ 2 lebe und das sehr gut.

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