17.02.2012 Denken Sie positiv!

Der Wecker klingelt, ich muss aufstehen: Das wird heute wieder ein schrecklicher Tag! Der Blick aus dem Fenster zeigt: Es regnet, wie ungemütlich! Das dauert wieder, bis die Milch für meinen Milchkaffee zum Frühstück heiß ist, wie nervig! In der Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit ist es eng, wie unangenehm!
So ließe sich die Liste sicher fortsetzen – und passt dabei zur Liste der Wörter und Ausdrücke des Jahres 2011, die heißen: Stresstest, hebeln, Arabellion, Merkozy, Fukushima, Burnout, guttenbergen, Killersprossen, Ab jetzt wird geliefert! und We are the 99%. Wenige dieser Begriffe bieten Negatives und Positives, die Mehrzahl aber hat eine ausschließlich negative Bedeutung. Die Meinung der Bevölkerung über das tägliche Leben scheint nicht positiv zu sein, überall strahlen Probleme durch, Pessimismus überwiegt. Sonst hätte man zu einem Wort des Jahres doch zum Beispiel erneuerbare Energien machen können – und sicher gibt es noch viele weitere positive Ideen.
Im Alltag könnte sich das positive Denken so auswirken: Der Wecker klingelt, ich stehe auf: Herrlich, ein neuer Tag beginnt, an dem ich Interessantes erleben kann! Der Blick aus dem Fenster zeigt: Es regnet – das ist gut für die Natur! Bis die Milch für meinen Milchkaffee zum Frühstück heiß ist, öffne ich gerade alle Fenster in der Wohnung zum Lüften! Die Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit ist zwar voll, dafür ist es schön warm!
Sie fragen sich wahrscheinlich inzwischen, was das alles mit meinem Typ-1-Diabetes zu tun hat?
Ich weiß, dass Stress, der mich belastet, den Blutzucker erhöht, als normale Reaktion des Körpers. Das ist auch logisch: Wenn ich Stress spüre, hilft mir mein Körper, damit fertig zu werden, indem er Adrenalin ausschüttet. Und Adrenalin gehört zu den Hormonen, die den Blutzucker erhöhen. So weit, so gut. Tatsächlich?
Denn neulich war ich doch erstaunt: Da lagen einige Wochen emotionaler Anspannung hinter mir, und es kam zum Showdown, der Stress stieg enorm: Was würde in der Zukunft passieren? Und wissen Sie, was danach den ganzen Tag lang passierte? Ich war nur noch am Essen von Kohlenhydraten – Traubenzucker, Kekse und was mir sonst noch in die Finger kam –, weil ständig wieder mein Blutzucker fiel, trotz korrekter Berechnung meiner Insulindosen, die ich trotz des Stresses noch nicht einmal erhöht hatte. Ich hätte jetzt verzweifeln können, weil mein Körper machte, was er wollte. Stattdessen nahm ich es positiv: Trotz der unerwarteten Reaktion konnte ich es gut lösen, ich wusste damit umzugehen.
Die Autorin: Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und schreibt für die Diabetes-Journal-Rubrik "Zum guten Schluss".
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