29.10.2010 Der Ball rollt – die Hormone spielen mit

Unser Körper ist ein genialer Spielmacher – denn er dirigiert die Hormone. Und ohne die läuft nichts!

Sabine Töpperwien schreit im Radio, Jörg Dahlmann jault im Fernsehen,
dazu kommt die Stadion-Geräuschkulisse. Kurz: Im August ist die Fußball-Bundesliga in die neue Saison gestartet, und es gibt kein Entrinnen. Während der Weltmeisterschaft waren für die Fans noch eigene Reservate (Public Viewing im Biergarten!) eingerichtet worden, nun frönt der gemeine Fan seiner Leidenschaft wieder ungeniert im Wohnzimmer.

Innere Emigration oder Küche?
Sie merken: Ich selbst bin kein Fußballfan, sondern ziehe mich während der Spiele in die innere Emigration zurück. Für Frauen, die ihre Rolle sehr traditionell interpretieren, bietet sich auch die Küche als Zufluchtsort an (Schnittchen machen, Chips-Schüssel füllen).

Hormone sind schuld
Zwar ergeben sich nicht alle in ihr Schicksal. Aber meist ist der Kampf aussichtslos. Und wissen Sie auch warum? Natürlich sind die Hormone schuld! Fußballfans wollen, dass ihre Mannschaft gewinnt, weil sie scharf sind auf die Hormonausschüttung nach dem Sieg, auf die warme Endorphindusche, die sie euphorisch und glücklich macht. Für die Anhänger der Verlierermannschaft gibt‘s keine Endorphine, stattdessen bestenfalls als Beruhigungsmittel das Hormon GABA.

Lehrmeister, Plagegeister, Unruhestifter
Aber sind die Hormone nicht immer schuld? Genauso beim Diabetes: Das Hormon Insulin verschwindet einfach  oder wirkt nicht mehr richtig. Hormone sind Lehrmeister, Plagegeister, Unruhestifter – und die Spielmacher in unserem Körper. Ohne sie funktioniert in unserem Körper nichts – aber könnte bitte mal jemand die Nebenwirkungen in den Griff kriegen? Auf die schlechte Stimmung nach einem verlorenen Spiel kann ich gut verzichten, auf das Geschrei aus Radio und Fernseher sowieso. Wenn ich die Hormone da nur austricksen könnte?...

Wer dirigiert die Hormon-Mannschaft?
Zwar kennen wir nicht alle Tricks der Hormone, ein paar aber schon. Wie gut, dass Insulin von außen zugeführt werden kann, wenn es nötig ist! Aber wer kann das gesamte Hormonspiel lesen? Noch ist unser Körper selbst der einzige geniale Spielmacher, der die Hormonmannschaft dirigiert. Menschen mit Diabetes und ihre Ärzte können sich immer nur weiter bemühen, Insulin möglichst so zu dosieren, wie es der Körper selbst getan hätte oder auch die vorhandene Insulinproduktion so gut wie möglich zu nutzen. Und dabei müssen sie auch an die Mit- und Gegenspieler des Insulins denken, z.B. an Glukagon und Adrenalin.

Aber will ich wirklich das Hormonspiel wegen des Fußballs selbst beeinflussen können? Nein, damit muss ich leben – so wie im Gegenzug mein Mann mit den Eskapaden meiner Hormone.


Die Autorin: Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes und schreibt für die Diabetes-Journal-Rubrik "Zum guten Schluss".

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