03.11.2008 Des Rätsels Lösung

Mir ist aufgefallen...
... dass die Lösung so manches Rätsels durchaus zum Nachdenken anregt. Sie kennen ja bestimmt die Methode: Man füge Silben möglichst sinnvoll aneinander, und die ersten und vierten Buchstaben von oben nach unten ergeben dann einen Spruch. Letztens bekam ich nun die Weisheit heraus: Ein gutes Jahr dauert nicht lange. Na ja, dachte ich, ein Jahr ist ein Jahr, 365 Tage eben. Ach nein, heuer ist Schaltjahr, dauert also einen Tag länger, dann kann also 2008 schon einmal kein gutes Jahr sein? Aber so ist der Spruch wohl nicht gemeint. Wieso soll ein gutes Jahr nicht lange dauern? Es kann doch nur dann gut sein, wenn es mit schönen Erinnerungen verknüpft ist, und daran freue ich mich gern lange. Nicht nur das. Sie helfen oftmals über weniger Gutes hinweg und bauen auf.
So war ich in diesem Jahr recht traurig, dass ich mit meinen Gedanken zum Thema Mobbing (7/2008) etliche Reaktionen ausgelöst habe. Das müsste an sich nicht traurig stimmen, Reaktionen sind ja etwas Gutes. Und sie sind auch unterschiedlich zu bewerten. Wenn ganz persönliche Erfahrungen geschildert werden, ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, dazu eine Position zu beziehen.
Ernsthafte Gedanken zum Thema Mobbing und Diabetes hat sich dankenswerterweise eine Leserin aus Hemer gemacht, die sich gleich mit zwei Kommentaren zu Wort gemeldet hat. Sie schildert zum einen, dass sie sich früher als Kind und später als junge Frau gemobbt gefühlt hat, und führt zum anderen einen aktuellen Artikel aus ihrer Tageszeitung an, in dem steht, "dass Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus ihre Erkrankung häufig verschweigen. Wird es bekannt, werden sie diffamiert und ausgegrenzt, außerdem wird ihnen häufig die Schuld an der Erkrankung zugeschrieben." Bitter ergänzt sie: "Es hat sich nichts geändert."
Diese Feststellung ist vielleicht etwas zu absolut. Aber: Während der Podiumsdiskussion am Deutschen Diabetiker Tag in Kassel mussten wir vor wenigen Wochen auch feststellen, dass sich für Menschen mit Diabetes das Leben nicht so selbstverständlich selbstbestimmt gestaltet, wie es sein könnte, sein müsste. Deshalb haben wir als Deutscher Diabetiker Bund erneut und nachdrücklich unser Mitbestimmungsrecht eingefordert bei Entscheidungen, die uns betreffen. Solche Entscheidungen werden nicht nur in der gesundheitspolitischen Arena getroffen, sondern im Kindergarten, in der Schule, in der Berufsausbildung und -ausübung, im Familienalltag – und sie fallen nicht immer so aus, dass wir damit gut und selbstbestimmt leben können. Dagegen müssen wir uns wehren, zum Beispiel mit Hilfe des soeben erschienenen "Diabetes-Rechtsfragen-Buches" von Oliver Ebert.
Ein kämpferischer Deutscher Diabetiker Tag, ein Ratgeber für unser Recht im Alltag – das sind schon mal zwei Sternchen für das Jahr 2008. Und da sind noch eine Menge mehr – auch ein Deutscher Diabetiker Bund, der sich strategisch und taktisch, theoretisch und praktisch so aufgestellt hat, dass er besser denn je die Interessen der Betroffenen vertreten kann. Ich finde, ein Jahr ist immer dann gut, wenn frischer Wind aufkommt – und der kann gar nicht lange genug wehen.
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