Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 19.05.09 08:48
Sehr geehrter Herr Dr. Haak,
wenn schon Generaldebatte, dann bitte die auch an der Stelle ansetzen, an der sich die Qualität jeder Diabetes Therapie entscheidet, nämlich bei uns Betroffenen! Dafür brauchen wir dringend von Anfang an verständliche Information und praktisch nachvollziebare Anleitung dazu, wie wir aktiv jeden Tag unsere mehr oder weniger defekte Blutzucker-Automatik unterstützen bis ersetzen und zuverlässig unseren möglichst gesunden Blutzucker-Verlauf produzieren können.
Dabei kann es nicht um das möglichst gehorsame Befolgen irgendwelcher ärztlicher Einstellungsvorgaben gehen. Mit solchen Vorgaben sind ein gesunder Blutzucker-Verlauf von meistens max. 140-120-100 mg/dl 1-2-3 Stunden nach jeder Mahlzeit und ein HBA1c-Wert um 5-6 zuverlässig ohne Hypos nicht zu schaffen. Sondern es geht hier um die Anleitung dazu, wie z.B. ein neu betroffener Mensch systematisch entdecken kann, wie er mit welchem Verhalten seinen Blutzucker-Verlauf beeinflusst und wie er das immer gezielter aktiv zu seiner gesunden Blutzucker-Steuerung nutzen kann. Die Wirkung von Medis würde er selbstverständlich in genau der gleichen Weise ergründen und sie dann ggf. gezielt einsetzen und so garantiert mit jedem Insulin seinen gesundem BZ-Verlauf und keine schweren Hypos produzieren. Mithin keine Grundlage für eine Diskussion, welches Insulin mehr Hypos mache, denn die gehört eindeutig in die Abteilung "passive Einstellung".
Wie so ein aktives Betroffenenverhalten aktuell konkret gelebte Wirklichkeit sein kann, habe ich im Kommentar zu Hans Laubers Schutzschirmbeitrag hier im Blog aus eigener Fall-Anschauung skizziert. Und schon way back im Januar 2008 hatte ich im Kommentar zu seinem Aktienten-statt-Patienten-Beitrag darauf hingewiesen, dass Professor Sawicki (und mit ihm eine bedeutende Fachfraktion!) einen HBA1c-Wert von 8 für völlig ausreichend hält und alle ärztlichen und betroffenen Bemühungen für einen nennenswert niedrigeren für absolut überflüssig. Wir hatten uns dann noch per Mail dazu ausgetauscht, wie der Herr Professor IQWiG mir ganz konkret meinen 5er HBA1c Kraft seiner geschliffenen Rethorik persönlich auszureden versucht hat, weil die UKPDS ergeben habe, dass 8 für Typ2 völlig ausreiche und 7 als weniger schädlich ein interpretativer Fehlschluss sei. - Und mal ehrlich, mit einem HBA1c um 8 als gesundem Standard macht das günstigere NPH nicht wirklich mehr Hypos, und in dem Rahmen hat uns Ulla doch tatsächlich recht, "dass für jeden Patienten alles medizinisch Sinnvolle auch künftig bezahlt werden wird" , oder?
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner











