Sehr geehrter Her Lauber,
zunächst stelle ich fest, dass Sie mir in der Sache in keinem konkreten Punkt widersprochen haben. Danke.
Und dann muss ich ja auch einen Professor bemühen. Wie wär's mit dem Banting-Preisträger 2008 der American Diabetes Association, Dr. DeFronzo? Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte aus seiner Dankrede:
http://www.dlife.com/dLife/do/ShowContent/inspiration_expert_advice/expert_columns/garn[..]
Sorry, aber da ist kein Punkt, der sich mit Lifestyle erklären ließe, obwohl Dr. DeFronzo als Vater der Insulinresistenz-Therorie gilt.
Mit nach wie vor völlig verständnislosen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner
Sehr geehrter Herr Tilsner,
von einer Diffamierung kann keine Rede sein. Aber was ich schreibe, ist keine Einzelmeinung, sondern wird von vielen Ärzten vertreten, die inzwischen auch meinen Begriff "Lifestyle-Diabetes" übernommen haben. So schreibt etwa der Diabetologe Prof. Stephan Martin, Chefarzt Sana-Kliniken Düsseldorf, im Vorwort des Buches "Fit wie ein Diabetiker":
"Wenn diese Stoffwechselstörung aber wesentlich durch den Lifestyle bedingt ist, dann kann sie auch nur durch eine Änderung des Lifestyles vermieden werden. Dies konnte bereits in wissenschaftlichen Studien eindeutig belegt werden. Konkret bedeutet das: Nicht mehr das Solidarsystem kann allein die Verantwortung für die Gesundheit übernehmen, sondern die Verantwortung verschiebt sich ganz stark zu jedem einzelnen.
Mit dem Buch ´Fit wie ein Diabetiker` ist es Herrn Lauber gelungen ein neues Bewusstsein für den Typ-2-Diabetes zu etablieren, was in seiner prägnanten Wortschöpfung Lifestyle-Diabetes zum Ausdruck kommt".
Beste Grüße Hans Lauber
Sehr geehrter Herr Lauber,
es mag nicht ihre Absicht sein, aber mit Ihrem Beitrag und Ihrer Bezeichnung Lifestyle-Diabetes für Typ2 diffamieren Sie in absolut unerträglicher Weise Millionen Betroffene und stigmatisieren darüber hinaus völlig gesunde Dicke, bei denen in der Folge Ihrer unqualifizierten Veröffentlichkeitungen die automatische Affinität zum vermeintlich angefressenen & angesessenen Typ2 angenommen wird. Einzige Entlastung: Sie stehen damit nicht alleine, und der Deutsche Diabetiker Bund, in dessen Sprachrohr wir uns hier treffen, kann mit solcher Diffamierung eines großen Teils seiner Mitglieder offenbar sehr gut leben.
Fakt ist, dass es KEINEN diagnostizierten Typ2 ohne folgende organische Defekte gibt, die alle bisher in keinen Zusammenhang mit Bewegungsprofil und Statur gebracht werden konnten:
1. Die Abnahme der Beta-Zellen bis auf etwa 20% der Menge eines Gesunden gleichen Geschlechts und Alters und gleicher Statur bis zur Typ2(!) Diagnosereife.
2. Die Zunahme von intaktem Proinsulin im Blut. Proinsulin ist im Blut Stoffwechselgesunder nicht nachweisbar, hat nur 10% der Blutzucker-Senkwirkung von Insulin, fördert aber super Adipositas & Arteriosklerose, und zwar schon lange vor Erreichen der Diagnosereife!
3. Die Abnahme des Inkretin-Effektes und in der Folge immer höher ansteigender Blutzucker nach dem Essen, und zwar schon lange vor Erreichen der Diagnosereife!.
4. Die sogenannte hepatische Insulinresistenz: die bis zum 3fachen über normal verstärkte Zuckerausgabe, zu der die diabetisch gestörten Alpha-Zellen die Leber antreiben, besonders auffällig nach den Mahlzeiten und in den frühen Morgenstunden, und zwar schon lange vor Erreichen der Diagnosereife!.
Sie schreiben zutreffend, dass wir Betroffene die Auswirkung dieser Defekte wesentlich selbst so begrenzen können, dass wir unseren Blutzucker in vielen Fällen sogar völlig ohne Medis alltäglich zuverlässig im gesunden Rahmen halten können. Hier 2 Beispiele aus meinem eigenen Erleben, http://www.onmeda.de/foren/forum-diabetes/bz-messen-als-schluesselwerkzeug/1662710/read.html und http://www.onmeda.de/foren/forum-diabetes/bz-&-bewegung/1619276/read.html#msg-1619276 .
Ich kenne noch viele weitere Beispiele in dieser Art, aber ich kenne nicht eines, zu dem ein Arzt angeleitet hätte. Und auch die Ärzte, die o.g. Beispiele echt bewundert haben, haben ihre Behandlungspraxis nicht geändert. Nach wie vor sagen sie ihren Prädiabetikern, dass die zwar einen erhöhten Blutzucker hätten, der aber nur weiter beobachtet werden müsse und noch lange kein Diabetes sei. Und vor allem, dass sie ihren Blutzucker selbst nicht zu messen bräuchten, weil sie den ja eh erst beeinflussen könnten, wenn sie Insulin spritzten. - Da passt er doch hervorragend drauf, Ihr Vorwurf mit dem Lifestyle-Diabetes, oder?
Mit völlig verständnislosen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner
Hallo Herr Lauber , danke für Ihre Antwort , Sie haben natürlich recht. - Bei der Behandlung der Typ-II Leute kommen m.E.zwei unschöne Dinge zusammen. Diese Erkrankung gilt immer noch als "Alte-Leute" Erkrankung, bei der die Betroffenen eben einfach nur ein Stück Kuchen essen dürfen statt zweier. Man hat eben "ein bißchen Zucker", na und? Daß das bißchen Zucker auch heute noch Amputationen, Blindheit und Nierenversagen nach sich ziehen kann, ist immer noch nicht in den Köpfen drin. Der zweite Punkt ist, daß aktives Vorgehen gegen Typ-II richtig Mühe macht! Und wenn der Arzt sowas verlangt, dann wechselt man eben. Man soll im fortgeschrittenen Alter den ganzen Lebenstil ändern und womöglich auch noch sportlich werden. Aber warum eigentlich? Zucker tut doch nicht weh und es gibt doch Medikamente. Von den vielen Typ-II, die ich kenne, hat es nur EINE geschafft, durch eine konsequente Änderung des Lebensstils 25 kg abzunehmen und dem Dm die rote Karte zu zeigen. Lieber Herr Lauber, ich denke, Sie werden sehr viel lauter werden müssen, um eine Änderung zu erreichen. Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen Ihre Gisela Bohnes
Sehr geehrte Frau Bohnes,
schönen Dank für Ihr Schreiben. Aber es geht in meinem Beitrag weiß Gott nicht darum die Typ-1-Diabetiker "totzuschweigen". Aber es steht mir als Nicht-Arzt und Nicht-Betroffener schlicht nicht zu, mich über dieses medizinisch fundierte Thema zu äußern. Ich darf etwas zum "Lebensstil-Diabetes" vom Typ-2 sagen - denn diese Diabetiker können sehr häufig etwas aus eigener Anstrengung unternehmen, bräuchten oft keine Medikamente, was ja beim Typ1 nicht geht. Etwas anderes ist mir auch ganz wichtig - und ich habe es immer betont: Wenn die steigende Zahl von Typ-2-Diabetikern alle mit Insulin behandelt würden (obwohl es oft auch anders ginge), dann werden, wenn schon bald die Budgets enger werden, möglicherweise den Typ-1-Diabetikern gute Insuline nicht mehr bezahlt, etwa die für viele wichtigen Analoginsuline. Ich hoffe, damit Ihre Enttäuschung ein wenig gemildert zu haben.
Beste Grüße Hans Lauber
Lieber Herr Lauber , ich weiß gar nicht , worüber Sie sich aufregen. Bei der immer größer werdenden Anzahl von Typ-II Diabetikern haben sie doch einen Riesenvorteil : sie werden wahrgenommen ! Wird irgendwo etwas über Diabetes geschrieben , ist IMMER der Typ-II gemeint. Sie können es ganz einfach überprüfen . Schauen Sie das DJ oder z.B. die in den Apotheken ausliegenden Publikationen an. Wenn überhaupt ein Wort über Typ-I verloren wird , dann nur im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen. Offenbar hat niemand damit gerechnet , daß die tatsächlich das Erwachsenenalter erreichen.. Was also tun ? Zum Glück sind es nicht zu viele . Da reichen noch Nichtbeachtung und Totschweigen. Also , seien Sie froh , daß Sie zu einer großen Gruppe gehören , die man nicht mehr übersehen kann ! Mit freundlichen Grüßen Gisela Bohnes