Hans-Jürgen Tilsner - 13.12.09 09:26
Sehr geehrter Herr Dr. Danne,
die Bedeutung eines Problems wird mit zunehmender Breite der organisierten Bewältigungs-Anstrengungen allgemein bewusster und größer. Und der Druck der Lösungs-Erwartung greift damit zunehmend höher in den Wissenschafts- und Verwaltungs-Hierarchien an. Das ist sicher hilfreich, wenn es etwa um Mittel für den Einsatz zur Erforschung komplexer Ursachen geht, die lokale, regionale und nationale Ressourcen überfordern. Auf der anderen Seite lenkt es aber auch die Informations- und Behandlungs-Aufmerksamkeit ab auf die höheren Ebenen und in die Zukunft und damit weg von den konkreten Behandlern und weg von den konkreten Betroffenen im HIER und JETZT.
Dabei werden seit Jahrzehnten tolle gesunde Erfolge von Betroffenen erzielt, die ihren Blutzucker selbst so gesund steuern http://www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php , dass ein zufälliger Bluttest sie selten auch nur als diabetesverdächtig ausweisen würde. Gemeinsame Kennzeichen dieser immer zahlreicheren Einzel-Fälle, die alle Diabetes-Typen und Progressionsstadien zum Ausgang haben:
1. Unterbrechung der Behandlungs-Eskalation mit dem Erfolg des erheblich verringerten Medikamenten-Verbrauchs bis hin zu Null Medis!
2. Unterbrechung der Krankheits-Eskalation/-Progression mit dem Erfolg der erheblichen Verbesserung aller Gesundheitsparameter bis hin zum Zurückdrehen schon eingetretener Folgekrankheiten!
3. Anstoß und Anleitung bisher dazu in aller Regel nicht durch Ärzte und Fachärzte, sondern durch andere Betroffene!
Ja, häufig erfahren die erfolgreichen Selbestbehandler sogar die mehr oder weniger volle Ablehnung durch ihre behandelnden Ärzte und Fachärzte. Und ich kenne herzlich wenige Ausnahmefälle, in denen bis heute eine ärztliche Analyse des gesunden Patientenverhaltens stattgefunden hat und seine Übernahme in eine ärztliche Anleitungs- bzw. Behandlungsroutine :-(
So ist wohl bezeichnend, dass der 2008 ADA-Banting-Preisträger Dr. DeFronzo in seiner Dankesrede - hier eine kurze Zusammenfassung http://www.dlife.com/dLife/do/ShowContent/inspiration_expert_advice/expert_columns/garnero_0608.html - zwar umfassend begründet, warum die Typ2-Diagnose und Behandlung schon bei Überschreiten sehr viel niedrigerer Blutzucker-Schwellen einsetzen müsse, u.a. weil die Betroffenen bei Erreichen der gegenwärtigen Diagnose-Schwellen nur noch über etwa 20% der Insulin produzierenden Beta-Zellen vergleichbarer gesunder Menschen verfügen (fehlt übrigens noch völlig in der Typ2-Darstellung auf diabetesDE!), aber dann sofort die eben früher einsetzende medikamentöse Behandlung fordert.
Warum nicht stattdessen zuerst diese dann deutlich früher diagnostizierten Menschen zum messenden Beobachten ihres Blutzuckers und dazu anleiten, wie sie den mit Essen und Bewegen GEZIELT steuern können, so dass der zu keiner Zeit nach dem Essen die gesunde Obergrenze von 140mg/dl überschreitet?
Das ist im Stadium des Prädiabetes völlig einfach und sogar bis in die ersten Jahre mit fortgeschrittenem Typ2 durchaus in vielen Fällen möglich. Warum verschweigt uns die Medizin geradezu systematisch diese Möglichkeit, die in den Selbsthilfe-Gruppen des Internets (Foren, Newsgroups, Blogs) längst mit minimalem Aufwand von selbst läuft und sich praktisch ganz von selbst verbreitet?
Ganz von selbst im Sinne von "ohne irgendwie offiziellen Antrieb und ohne offizielle Mittel" vorwiegend auf der Freizeit- und Taschengeld-Basis solcher Betroffener, die sich tagtäglich weltweit in die aktive Diabetiker-Selbsthilfe einbringen. Und ich will mir gerne mit Blick über meinen Tellerrand eine internationale Fachmedizin vorstellen, die fortlaufend alle erreich- und überprüfbaren Ergebnisse dieses tollen Engagements zur beständigen Verbesserung einer erstklassigen Anleitung von Betroffenen für Betroffene aufbereitet und mit-trägt. Hier als super Basis für einen guten Start die wahrscheinlich seit Jahren international erfolgreichste Anleitung von einer Betroffenen für Betroffene http://alt-support-diabetes.org/new.php . Statt der hierzulande üblichen Beschwichtigung, dass der Blutzucker zwar schon ein bisschen hoch sei, aber noch lange kein Diabetes, weil ja auch völlig gesunde Menschen nach dem Essen ab und zu Werte weit über 200mg/dl messen könnten, gehört eine Anleitung wie diese aus meiner Sicht in jedes dieser Arzt-Patienten-Gespräche.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner












