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11.12.2009 Diabetes ist ein internationales Problem

Ist unser Blickwinkel richtig, wenn wir immer nur unsere lokale deutsche Situation betrachten? Oder hilft es uns nicht auch, von anderen Ländern und Organisationen zu lernen?

Bei der Vollversammlung des Weltdiabetesverbandes („IDF“) wurde am 18.10. diabetesDE als deutsches Vollmitglied in die internationale Gemeinschaft aufgenommen. IDF-Präsident Prof. Martin Silink (Australien) begrüßte den Geschäftsführer von diabetesDE, Dr. Dietrich Garlichs und mich, aufs herzlichste und wünschte der neuen Gesamtorganisation der deutschen Diabetologie von Ärzten, Beratern und Patienten viel Erfolg. Wir sprachen über die aktuellen Daten, die anlässlich des Diabeteskongresses mit großer Besorgnis an die Öffentlichkeit gegeben wurden: Gegenwärtig leben 285 Mio. Menschen mit Diabetes auf der Welt; Typ-2- wie auch Typ-1-Dia­betes nehmen besorgniserregend zu. Sollten wir weltweit keine Maßnahmen finden, den Weg dieser Epidemie zu ändern, dann wird die Zahl im Jahr 2030 bei 440 Mio. liegen.

Prof. Silink sagte, dass er sich freut, dass sich jetzt auch in Deutschland eine große gemeinsame Organisation gebildet hat – und Teil der Gemeinschaft von über 200 Mitgliedsorganisa­tionen aus über 160 Ländern wurde, die fast 300 Mio. Menschen mit Diabetes, ihre Familien und Diabetesprofis repräsentieren.

Der neue „IDF-Atlas“ zeigt mir, dass kein Land in Europa eine so hohe Diabetesprävalenz hat wie Deutschland (12 Prozent bei den 20- bis 79-Jährigen) – wir führen die negative Diabetesrekordliste an. Ich fasse dies als eine große Chance auf, unsere Mitbürger mit den Zahlen aufzurütteln. Während des Kongresses beeindruckte mich der engagierte und hochmotivierte Austausch der 12 000 Teilnehmer; ebenso die Ideen, wie sich Diabetesorganisationen national und international für die gemeinsame Sache einsetzen.

Dabei zeigte sich, dass Prävention das Schlüsselwort sein kann: Wenn wir nachweisen können, dass moderne Medikamente und diagnostische Maßnahmen mit guten Behandlungsergebnissen im Sinne der Prävention von Folgeerkrankungen erfolgreich sind, so wird man die Solidargemeinschaft auch überzeugen können, dass sie erstattet werden müssen. Und wenn wir der Bevölkerung die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen vermitteln und sie mit guter Information wie einer klaren Lebensmittelkennzeichnung versorgen, dann werden wir weniger Diabetespatienten haben und mehr Mittel für die gute Behandlung Betroffener.

Ich bin überzeugt, dass auch dia­betesDE und die deutsche Diabetesszene viele Anregungen aus dem internationalen Austausch gewinnen werden. Dazu muss man sicherlich nicht bis nach Kanada zum Weltdiabeteskongress fahren. Dies kann man auch über den heimischen Computer machen – direkt über die Webseite www.diabetesde.org, wo ich jeden Morgen reinschaue, oder auch, indem man auf dem sozialen Netzwerk „facebook“ sich über das Stichwort „Diabetes“ auch mit anderen verlinken kann.

Bei Widrigkeiten des Diabetes oder der Gesundheitspolitik verhilft manchmal ein Blick über den Tellerrand zu neuen Perspektiven. Durch mehr nationale Gemeinsamkeit und Austausch mit internationalen Partnern müssen wir auch in Deutschland Diabetes zu dem erforderlichen gesundheitspolitischen Stellenwert verhelfen! Mein Blickwinkel: Gemeinsam sind wir stark!

Prof. Dr. med. Thomas Danne
Vorsitzender diabetesDE
 

Kommentar

Hans-Jürgen Tilsner - 13.12.09 09:26

Sehr geehrter Herr Dr. Danne,

die Bedeutung eines Problems wird mit zunehmender Breite der organisierten Bewältigungs-Anstrengungen allgemein bewusster und größer. Und der Druck der Lösungs-Erwartung greift damit zunehmend höher in den Wissenschafts- und Verwaltungs-Hierarchien an. Das ist sicher hilfreich, wenn es etwa um Mittel für den Einsatz zur Erforschung komplexer Ursachen geht, die lokale, regionale und nationale Ressourcen überfordern. Auf der anderen Seite lenkt es aber auch die Informations- und Behandlungs-Aufmerksamkeit ab auf die höheren Ebenen und in die Zukunft und damit weg von den konkreten Behandlern und weg von den konkreten Betroffenen im HIER und JETZT.

Dabei werden seit Jahrzehnten tolle gesunde Erfolge von Betroffenen erzielt, die ihren Blutzucker selbst so gesund steuern http://www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php , dass ein zufälliger Bluttest sie selten auch nur als diabetesverdächtig ausweisen würde. Gemeinsame Kennzeichen dieser immer zahlreicheren Einzel-Fälle, die alle Diabetes-Typen und Progressionsstadien zum Ausgang haben:
1. Unterbrechung der Behandlungs-Eskalation mit dem Erfolg des erheblich verringerten Medikamenten-Verbrauchs bis hin zu Null Medis!
2. Unterbrechung der Krankheits-Eskalation/-Progression mit dem Erfolg der erheblichen Verbesserung aller Gesundheitsparameter bis hin zum Zurückdrehen schon eingetretener Folgekrankheiten!
3. Anstoß und Anleitung bisher dazu in aller Regel nicht durch Ärzte und Fachärzte, sondern durch andere Betroffene!

Ja, häufig erfahren die erfolgreichen Selbestbehandler sogar die mehr oder weniger volle Ablehnung durch ihre behandelnden Ärzte und Fachärzte. Und ich kenne herzlich wenige Ausnahmefälle, in denen bis heute eine ärztliche Analyse des gesunden Patientenverhaltens stattgefunden hat und seine Übernahme in eine ärztliche Anleitungs- bzw. Behandlungsroutine :-(

So ist wohl bezeichnend, dass der 2008 ADA-Banting-Preisträger Dr. DeFronzo in seiner Dankesrede - hier eine kurze Zusammenfassung http://www.dlife.com/dLife/do/ShowContent/inspiration_expert_advice/expert_columns/garnero_0608.html - zwar umfassend begründet, warum die Typ2-Diagnose und Behandlung schon bei Überschreiten sehr viel niedrigerer Blutzucker-Schwellen einsetzen müsse, u.a. weil die Betroffenen bei Erreichen der gegenwärtigen Diagnose-Schwellen nur noch über etwa 20% der Insulin produzierenden Beta-Zellen vergleichbarer gesunder Menschen verfügen (fehlt übrigens noch völlig in der Typ2-Darstellung auf diabetesDE!), aber dann sofort die eben früher einsetzende medikamentöse Behandlung fordert.

Warum nicht stattdessen zuerst diese dann deutlich früher diagnostizierten Menschen zum messenden Beobachten ihres Blutzuckers und dazu anleiten, wie sie den mit Essen und Bewegen GEZIELT steuern können, so dass der zu keiner Zeit nach dem Essen die gesunde Obergrenze von 140mg/dl überschreitet?
Das ist im Stadium des Prädiabetes völlig einfach und sogar bis in die ersten Jahre mit fortgeschrittenem Typ2 durchaus in vielen Fällen möglich. Warum verschweigt uns die Medizin geradezu systematisch diese Möglichkeit, die in den Selbsthilfe-Gruppen des Internets (Foren, Newsgroups, Blogs) längst mit minimalem Aufwand von selbst läuft und sich praktisch ganz von selbst verbreitet?

Ganz von selbst im Sinne von "ohne irgendwie offiziellen Antrieb und ohne offizielle Mittel" vorwiegend auf der Freizeit- und Taschengeld-Basis solcher Betroffener, die sich tagtäglich weltweit in die aktive Diabetiker-Selbsthilfe einbringen. Und ich will mir gerne mit Blick über meinen Tellerrand eine internationale Fachmedizin vorstellen, die fortlaufend alle erreich- und überprüfbaren Ergebnisse dieses tollen Engagements zur beständigen Verbesserung einer erstklassigen Anleitung von Betroffenen für Betroffene aufbereitet und mit-trägt. Hier als super Basis für einen guten Start die wahrscheinlich seit Jahren international erfolgreichste Anleitung von einer Betroffenen für Betroffene http://alt-support-diabetes.org/new.php . Statt der hierzulande üblichen Beschwichtigung, dass der Blutzucker zwar schon ein bisschen hoch sei, aber noch lange kein Diabetes, weil ja auch völlig gesunde Menschen nach dem Essen ab und zu Werte weit über 200mg/dl messen könnten, gehört eine Anleitung wie diese aus meiner Sicht in jedes dieser Arzt-Patienten-Gespräche.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner

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