30.12.2010 Diabetikerwarnhund: Der schönste Job der Welt

Mein Frauchen wäre ohne mich aufgeschmissen – aber ich möchte nicht zu eingebildet klingen…

Mmhhh, irgendetwas riecht hier doch eigenartig – oder träume ich? Manchmal, wenn ich so tief schlafe, weiß ich nicht, ob es Realität ist oder nicht. Aber es ist so schön mollig und gemütlich in meinem Körbchen. Wieder kommt so eine Duftwelle zu mir. Jetzt muss ich doch mal nachsehen, was da los ist.
Nachdem ich mich ausgiebig gestreckt habe, raffe ich mich auf, gehe schlaftrunken zu meinem Frauchen und nehme eine Duftprise an ihrem Hals. Ich habe mich nicht getäuscht. Schnell fange ich an zu bellen. Die schlafen mal wieder tief und fest. Also belle ich noch einmal, bis mein Frauchen Michaela und auch gleich mein Herrchen Peter wach sind. Sie reagieren sofort, denn sie wissen natürlich, was es bedeutet, wenn ich belle?…

Zunächst einmal möchte ich mich vorstellen: Ich heiße Felina und bin eine 3-jährige Dalmatinerhündin. Ich wurde zum Dia­betikerwarnhund ausgebildet und habe somit einen verantwortungsvollen Job. Ich möchte aus meinem Blickwinkel sogar behaupten, dass mein Frauchen ohne mich aufgeschmissen wäre – aber ich möchte ja nicht zu eingebildet klingen.

Mein Frauchen reckt sich und murrt mich an, ich solle sie doch in Ruhe lassen. Na toll: Da komme ich meinem Job nach, und dann kassiere ich mal wieder einen Rüffel. Jetzt reagiert mein Herrchen. Er schickt mich mit dem Kommando „Licht“ zum Lichtschalter. Ich reagiere sofort und gehe an die Wand zum Lichtschalter, mache vor der Wand ein Männchen und stupse den Lichtschalter mit der Nase an, so dass es hell wird. Schwanzwedelnd gehe ich zurück zum Bett.
Peter lobt mich und schickt mich nun noch einmal los, um das Blutzuckermessgerät zu holen. Ich tigere los, hole es vom Wohnzimmertisch und gehe zu meinem Frauchen. Sie reagiert schon wieder nicht, heute ist sie ja mal wieder gut drauf. Anstatt mich zu loben, drückt sie mich mit der Hand weg. Aber Peter reagiert sofort und ruft mich zu sich. Schnell misst er den Blutzucker bei Michaela. Oh wei, ich habe wohl etwas tief geschlafen, denn er ist bereits bei 45 mg/dl (2,5 mmol/l). Entschuldigend gehe ich zu Michaela und lecke ihr über die Wange. Wieder drückt sie mich mit ihrer Hand weg. Ich weiß ja, dass ich es etwas zu spät angezeigt habe, aber ich bin doch auch nur ein Hund und keine Maschine. Immerhin wäre sie früher ins Koma gefallen – ja, wenn sie mich nicht hätte!
Peter schickt mich noch einmal los. Diesmal soll ich die Tasche mit dem Traubenzucker holen. Schnell laufe ich in die Küche und bringe sie diesmal gleich Peter. Meine Entscheidung, sie zu Peter und nicht zu Michaela zu bringen, hat sich gelohnt: Peter holt aus seinem Nachttisch ein großes Schweineohr und lobt und knuddelt mich.
Eine halbe Stunde später ruft mich Michaela zu sich. Sie scheint ein schlechtes Gewissen zu haben, aber ich weiß ja, dass sie unausstehlich sein kann, wenn ich sie wecke oder sie im Unterzucker ist … und eigentlich ist es ja meine Schuld: Hätte ich so wie immer früher gemerkt, dass mein Frauchen im Unterzucker ist, wäre sie nicht so schlecht gelaunt gewesen. Sie nimmt mich in den Arm, drückt mich ganz fest und flüstert mir ins Ohr: „Danke!“ Ach ist das schön… Habe ich nicht den schönsten Job der Welt?

Felina, 3 Jahre
Diabetikerwarnhündin

Kontakt: undefinedhttp://www.hundezentrum-catu.de/

Kommentar

Kirchberg - 27.05.11 18:26

Ich finde es gar nicht schlecht das man einen solchen Hund bei sich hat. Wir selbst haben mit unserem Hund bald die Prüfung zum Behindertenbegleithund.
Ich leide auch an Hypos sehr oft auf Arbeit.
Ich habe meinem Chef darauf aufmerksam gemacht das ich meinen Hypo Hund nach bestandener Prüfung mit auf Arbeit bringen muss, um mich vor Unterzuckerung rechtzeitig zu warnen. Leider sagte mir mein Chef sehr dautlich "Hunde nein". Darf mein Chef das eigentlich?
Weiß jemand Rat oder hat so etwas auch schon erlebt! Ich würde mich sehr freuen wenn mir jemand helfen kann.

Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 03.01.11 12:46

Braucht die Diabetologie einen "Blinden"hund?

Felina finde ich super. Aber dass man einen Hund dafür braucht, um für den erschreckend häufigen Fall einer schweren Hypo bei normaler Typ-1-Insulineinstellung vorzubeugen, müsste die Fachmedizin eigentlich bodenlos beschämen.

Zumal schon Ende der 80ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein Diabetologe nach dem 2. Bildungsweg begann, seine vor allem Typ-1- Diabetiker zum völlig gesunden BZ-Verlauf anzuleiten - bis heute mit hervorragenden Erfolgen und praktisch völlig ohne schwere Hypos. Übrigens auch mit den meisten der höchst seltenen und fachoffiziell angeblich völlig Uneinstellbaren nach Herrn Brittle. Ich meine den alten Dr. Richard Bernstein, der gewagt hat, lange vor der Fachmedizin mit seinen Patienten BZ-Messgeräte zu nutzen und den völlig gesunden BZ-Verlauf auch für Menschen mit Diabetes zum Alltagsziel zu setzen und mit ihnen umzusetzen.

Längst gibt es in aller Welt Diabetologen, die ähnlich wie Dr. Bernstein arbeiten. Und weitere, die auf andere Weisen Typ-1 zum völlig gesunden Blutzucker zuverlässig ohne ernste Unterzuckerungen anleiten, hier in D allen voran Dr. Teupe im Diabetesdorf Althausen. Und immer mehr Betroffene erarbeiten sich ihren zuverlässig gesunden und von ernsten Hypos freien BZ selbst. Denn immer mehr Betroffene nehmen die schwere Behinderung nicht mehr einfach hin, mit der die fachoffizielle Einstellung sie von dem Leben ausschließt, das sie vor dem Diabetes zu führen gewöhnt waren oder/und mit ihm führen wollen.

Tatsächlich sind diese Fälle viel häufiger als Diabetiker Hunde, aber ich habe noch nicht ein einziges Mal eine nennenswerte Notiz, geschweige denn einen ausführlicheren Bericht darüber im Diabetes Journal gelesen. Und während so erhebliche Qualitätsvorsprünge in der Technik schon vorab patentmäßig geschützt werden müssen, damit der Mainstream sie nicht umgehend als Allgemeingut vereinnahmt, können ausführliche Berichte über das Typ-1-Leben frei von ernsten Hypos und mit gesundem BZ über 10 und mehr Jahre frei öffentlich zugänglich sein, ohne dass die Fachmedizin auch nur ernsthaft überlegen würde, was dabei denn wie offenbar sehr viel zielführender abläuft, und was sie davon zum Wohl von immer mehr Betroffenen übernehmen könnte. Im Gegenteil, wenn sie denn überhaupt offen Kenntnis davon nimmt, erklärt die Fachmedizin diese eklatant besseren Ergebnisse - wohl je nach Gefühlslage des Komentators - für glückliche bis gefährliche oder/und rigid lebensferne bis -feindliche Ausnahmen.

Fast so, als sollte viel eher die schwere Hypo als lebensfreundlich verkauft und gesellschaftsfähig gemacht werden. Da forderte noch vor wenigen Wochen Professor Dr. Thomas Haak mehr selbstverständlichen Diabetes in den Medien, etwa "dass eine junge, sympathische Tatortkommissarin Typ-1-Diabetikerin" sein solle. Statt aber nun so eine Gelegenheit für den Bereich der eigenen Redaktionsverantwortung konstruktiv zu nutzen und am lebendigen Beispiel eines Typ-1 Polizisten konkret darzustellen, wie völlig unbehindert von seinem Diabetes der Betroffene seinen wirklich aktiven Dienst zu meistern gelernt hat, hier im Parade-Medium für Diabetiker dann doch offenbar lieber der Diabetes Hund - und vielleicht als dj-Ideal-Vorstellung vom Diabetes in den Medien, wie Felina die junge, sympathische Typ-1-Tatortkommissarin, die bei der Verfolgung des Verbrechers zusammen gebrochen ist, aus ihrer beginnenden schweren Hypo wach bellt? Ob der Verbrecher ein Einsehen hat und zurück kommt und Felina anweist, das Messgerät aus dem Auto der Kommissarin zu holen? Und dann noch einmal für den Traubenzucker?

Mit besten Wünschen für 2011
Hans-Jürgen Tilsner

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