09.09.2011 Dick diktiert Diabetes

meint Hans Lauber in seinem aktuellen Beitrag.

Übergewicht ist die Hauptursache für den grassierenden Lebensstil-(Typ-2)-Diabetes, sagen die Ärzte – und sie haben recht. Denn wenn die genetische Disposition für den  Diabetes (und rund 40 Prozent der Menschen haben diese Veranlagung) und zu viele Pfunde, vor allem im Bauchbereich, zusammenkommen, dann bricht mit größter Wahrscheinlichkeit der Wohlstands-“Zucker“ aus.

So sicher wie diese fatale Wechselwirkung eintritt, so wenig war bislang im Einzelnen bekannt, was sie auslöst. Aber nun haben nach einem Bericht der FAZ kalifornische Forscher herausgefunden, warum der Blutzucker bei Übergewichtigen entgleist: Es liegt schlicht daran, dass die Insulin produzierenden Betazellen nicht mehr in der Lage sind, den Blutzuckerspiegel korrekt zu messen – um danach gezielt genau so viel Insulin abzugeben, dass der Blutzucker wieder ins Gleichgewicht kommt. Nach dem Motto „viel hilft viel“ schießen die Betazellen nun nach Kohlenhydrat reichen Mahlzeiten eine Überdosis Insulin in die Blutbahnen – und lösen damit eine tückische Kettenreaktion aus: Denn Insulin ist ein Masthormon, das die Dicken noch dicker macht.

Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, kommt noch ein zweites massives Problem dazu: Es entsteht eine Insulinresistenz, was dazu führt, dass die Muskeln die lebenswichtigen Kohlenhydrate nicht mehr aufnehmen können. Verzweifelt produzieren nun die Betazellen der Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin, bis diese lebenswichtigen Zellen versagen – und im Extremfall das Spritzen von Insulin erforderlich wird.

In einem interessanten Experiment an Mäusen wiesen die kalifornischen Wissenschaftler nach, dass sich zumindest im Labor auch bei Übergewicht künstlich die Funktion des „Blutzucker-Messfühlers“ aufrecht erhalten lässt – woraus natürlich geschlossen wurde, dass sich damit in Zukunft vielleicht Medikamente entwickeln lassen, welche die Kettenreaktion „Dick diktiert Diabetes“ aufhalten – ein Ansinnen, das aber zu kurz greift, denn nach Meinung der FAZ „wird der Diabetes so nur aufgeschoben, nicht verhindert“.

Das Diabetes-Manifest weist den Weg
Was also tun, dass in Deutschland nicht jedes Jahr über 300 000 neue Typ-2-Diabetiker diagnostiziert werden müssen? Gut gemeinte Appelle haben sich als weitgehend wirkungslos erwiesen. Meiner Meinung nach braucht es schon bald drastische gesetzliche Regelungen, um die alle Gesundheitskosten sprengende Diabetes-Epidemie einzudämmen. Welche das sein müssen, habe ich aufgezeigt in meinen „Diabetes-Manifest“ (hier geht’s zu den 10 Punkten des Manifestes).

Hauptursache für die weltweiten Übergewichtsprobleme ist der missbräuchliche Verzehr von zuckrigen Lebensmitteln, und da vor allem Süßdrinks. Neu ist das Problem nicht. Schon vor über 100 Jahren geißelte die Süßsucht der große deutsche Heilkundige Sebastian Kneipp: „Absolut und entschieden spreche ich mich gegen alle Schleckereien aus. Wer derlei Zeugs gar Kranken reicht, begeht einen unverantwortlichen Frevel“.  

Kommentar

Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 21.09.11 15:10

Nagetiere sind zwar "dankbare" Forschungsobjekte, weil sie sich vergleichsweise kostengünstig produzieren lassen, aber ihr Stoffwechsel unterscheidet sich doch so erheblich vom menschlichen, dass ernsthafte Wissenschaftler und ernsthafte Autoren direkte Vergleiche vermeiden.

UND die Mehrzahl aller übergewichtigen Menschen entwickelt nie einen auch nur ansatzweise auffälligen Blutzucker, auch nicht die Mehrzahl all derer mit einem höheren Insulin-Bedarf pro Gramm KH, also mit sogenannter Insulin-Resistenz (nicht zu verwechseln mit dem höher als gesunden Blutzucker, der aber die geltenden Diagnose-Grenzwerte noch nicht überschreitet und irreführend auch Insulin-Resistenz genannt wird!).
UND ein auffälliger Anteil der Menschen mit Typ2- Diabetes ist völlig normalgewichtig :-(

Wissenschaftlich unstreitig, aber stiefmütterlich publiziert haben alle Typ2 folgende 4 Defekte, sicher anteilig durchaus verschieden, die bei Erreichen der Diagnose-Grenzwerte schon weit fortgeschritten sind:
1. Die Beta-Zellen sterben im Rahmen von mehreren Jahren bis Jahrzehnten ab. Bei Erreichen der Diagnose-Grenzwerte schon erhebliches Defizit.
2. UND die jeweils verbliebenen Beta-Zellen geben schon lange vor Erreichen der Diagnose-Grenzwerte und besonders mit gesund KH-betonter Ernährung vermehrt Proinsulin aus, das super Adipositas und Arteriosklerose fördert.
3. UND der Inkretin-Defekt sorgt schon lange vor Erreichen der Diagnose-Grenzwerte und schon dann für ungesund hohe BZ-Spitzen, wenn die noch mögliche Insulin-Ausgabe eigentlich noch locker für den gesunden Alltags-BZ reicht.
4. UND bis zum 3- und noch mehr Fachen vermehrte Glukose-Ausgabe der Leber. Damit sorgt die Typ2 defekte Steuerung der Leber schon lange vor Erreichen der Diagnose-Grenzwerte u.U. für mehr Glukose-Umsatz am Tag, als bei einem gesunden Menschen zusammen mit der Glukose aus dem Essen umgesetzt wird.

NULL Respekt: Mit den 4 Defekten, die bei Erreichen der Diagnose-Grenzwerte nicht erst anfangen, sondern schon weit fortgeschritten sind, ist das so genannter Lifestyle-Diabetes. In der so genannten medizinischen Logik müsssen die Betroffenen sich mehr bewegen und gesünder ernähren und abnehmen und sich ggf. den Magen verkleinern bis amputieren lassen: abjoggen - abhungern - abbinden & abschneiden.

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