29.12.2011 Eigenverantwortung heißt: Die Folgen tragen!
Neulich war ich bei einem zweitägigen Symposium des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz: IQWiG. Thema des einen Tages war Eigenverantwortung. Gespannt war ich, welche Ansichten und Meinungen ich hier hören würde. Würde es darauf hinauslaufen, dass Eigenverantwortung der Patienten sich darauf beschränkt, Medikamente und Hilfsmittel zunehmend selbst ganz oder teilweise zu bezahlen?
Mitnichten: Die Referenten betrachteten den Begriff und das sich daraus Ergebende sehr differenziert. Oben Beschriebenes sollte sogar gar nicht als Eigenverantwortung bezeichnet werden, denn was bleibt einem anderes übrig, als Notwendiges selbst zu bezahlen, wenn es andere nicht tun?
Eigenverantwortung fängt aus meinem Blickwinkel und aus dem der Referenten viel früher an, bevor die Solidargemeinschaft eingebunden wird. Jeder Mensch muss ständig in seinem Leben Entscheidungen treffen und tritt damit in die Verantwortung, die Folgen dieser Entscheidungen selbst zu tragen. Das ist Eigenverantwortung!
Was aber ist nötig, um entsprechend fundiert Entscheidungen treffen zu können? Information! Und zwar Information, die leicht verständlich ist. Wenn ich an mich denke, kann ich zwar vieles aus dem medizinischen Bereich verstehen – aber versuchen Sie einmal, mir etwas über den Aufbau eines Autos in der Sprache des Autobauers zu erklären. Wir werden beide scheitern: Ich werde nicht verstehen, was Sie mir erklären, und Sie werden aufgeben. Die natürliche Reaktion ist, Fachbegriffe zu vermeiden, gut verständliche, griffige Sätze zu bilden und vielleicht sogar Bilder zu Hilfe zu nehmen – also die Information so zu gestalten, dass ich sie auch ohne jede Fachkenntnis zumindest ansatzweise verstehe. Und genau das muss für alles und jedes das Ziel im alltäglichen Leben sein: jedem die Information so anzubieten, dass er tatsächlich weiß, worauf er seine Entscheidungen aufbaut.
Dann aber kann jeder Verantwortung übernehmen und muss es auch. Dass Übergewicht in vielfacher Hinsicht nicht gesund ist, Fastfood besser nicht zur Ernährung gehören sollte und Rauchen ebenfalls ausschließlich Nachteile mit sich bringt, müsste inzwischen jedem klar sein. Wohlgemerkt: Müsste! Hier sehen wir aber aus unserer gut informierten Warte herab und übersehen, dass unsere Informationen und die vieler Gesundheits-Experten eine Vielzahl an Menschen gar nicht erreicht.
Wen aber die Informationen erreichen und wer sie verstanden hat, der hat dann die Freiheit zu entscheiden – muss dann aber auch bereit sein, die Folgen der Entscheidung zu tragen, zum Beispiel die Kosten für eine eindeutig aus dem daraus folgenden Handeln resultierende Erkrankung. Ich weiß, dass das Sprengstoff birgt. Denn ob ein bestimmtes Handeln tatsächlich zu einer Krankheit führt, lässt sich oft gar nicht beweisen.
Eins können Informierte aber trotzdem tun: So entscheiden und handeln, dass zumindest ein wahrscheinlich höheres Risiko minimiert wird. Und ein zweiter Aspekt, und hier spricht mir Philosoph Prof. Dr. Stefan Huster im Symposium aus der Seele: „Wie ich mich meiner Gesundheit gegenüber verhalte, ist mein Problem – solange niemand darunter leidet.“
Dr. Katrin Kraatz
Redaktion Diabetes-Journal
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