25.04.08 Ein rotes Telefon für den DDB

Der heiße Draht zur Bundesgesundheitsministerin - ein modernes Märchen?

Mir ist aufgefallen ...

... dass in einem sehr alten Lied von Peter Maffay die Sorge ausgesprochen wird: „Rotes Telefon, wenn du versagst …“ Inzwischen, Jahrzehnte später, scheinen mir die roten Telefone besser zu funktionieren als manche anderen Drähte. Deshalb brauchen wir mehr von den Geräten in der Signalfarbe.

Was spräche denn eigentlich dagegen, dass der Vorstand des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) einen heißen Draht ins Bundesgesundheitsministerium hätte? Heinz Windisch müsste nur auf den Knopf drücken, und schon könnte er der Frau Ministerin ins Öhrchen flüstern, was Menschen mit Diabetes zu ihrer Gesundheitspolitik und allem, was dazugehört, anzumerken haben. Technisch spräche nichts dagegen, aber sie will es vielleicht gar nicht hören – was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß, wozu dann also ein heißer Draht? Der ginge viel zu schnell. Da halten wir es doch lieber mit der gelben Post. Die behauptet zwar auch, schnell zu sein – und was die Beförderung betrifft, gar nicht zu unrecht. Aber man kann die Briefe erst einmal lange liegenlassen.

Da schreibt der Bundesvorsitzende am 14. Januar an die Bundesgesundheitsministerin, dass er Klärungsbedarf über die Arbeitsweise des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat, und schon am 17. März des – immerhin – selben Jahres wird ihm um 15.45 Uhr die Antwort zugesendet, dass man sich für seine Bitte um ein Gespräch bedankt und man sich nunmehr telefonisch oder per E-Mail zu einem Termin verständigen könne. Natürlich hat die Frau Ministerin das Problem delegiert, aber auch Staatssekretäre sind ja allemal kompetent und haben etwas zu sagen. Inzwischen lag aber schon wieder ein Brief des DDB auf dem Tisch des hohen Hauses. Auch hier heißt es: Wir müssen reden, Sie müssen unseren Standpunkt als Betroffene aus eigener Erfahrung kennen, bevor Sie weitreichende Entscheidungen treffen, die in das Leben der Menschen mit Diabetes einschneiden. Ob dieses Schreiben seine Adressatin erreicht hat, weiß man bis heute nicht. An der Post wird es nicht liegen.

Aber es ist ja schwierig, Probleme zu erörtern, da müsste man Farbe bekennen. Als Politiker sich festlegen? Lieber nicht. Zur Diskussion mit demonstrierenden Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern gegen Einschränkungen in der Erstattungsfähigkeit von Analoginsulinen wird der Pressesprecher an die Front geschickt. Der muss von Berufs wegen gut reden können, und zu sagen hat er nichts, jedenfalls nichts zu bestimmen.

Wenn dann bald wieder oberster Wahlkampf ist, dann kommen die hinter dem Baum hervor, die etwas zu bestimmen haben. Zu sagen haben sie uns da manches, weil sie gern weiter bestimmen möchten. Nur: Wenn wir  ihnen das erlauben, dann ... ja, dann möchten sie nicht mehr so gern mit uns reden. Dann müssen wir wieder Briefe schreiben. Hätte man doch ein gut funktionierendes rotes Telefon!
Ach ja, früher begannen alle Märchen mit: Es war einmal. Die modernen Märchen fangen an: Es wird einmal sein …

 

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