24.08.07 Es kommt darauf an

Mir ist aufgefallen...
...dass Freitag, dem 13. zu Unrecht Unheil nachgesagt wird. Für mich persönlich hatte ich das längst abgehakt; denn einst – lange ist's her – wurde ich an einem solchen Tag 13 Jahre alt. Meine Eltern gingen damals auf die Konstellation gar nicht erst ein, wohl, um nicht ein Teenager-Trauma hervorzurufen. Mein Bruder nahm mich in den Arm, ermunterte mich: "Mach was draus, Schwesterherz." Wie gesagt: lang ist's her.
Heuer war Freitag, der 13. Juli für alle Arbeitnehmer ein Glückstag: Von da an geht der auch schon vorher wohl verdiente Arbeitslohn in die eigene Tasche. Bis zu dem Tag, genau gesagt bis gegen 11.40 Uhr, wurde für das Finanzamt gearbeitet. Am 13. Juli ging es also fast nach dem Motto: Ab Freitag nach Eins macht jeder sein's.
Wie gut haben es doch im Gegensatz dazu die ehrenamtlich Tätigen. Für viele von ihnen ist das freiwillige Amt – um es auf gut "Denglisch“ zu sagen: ein Fulltime-Job. Das ist für eine Patientenorganisation natürlich logisch, denn auch eine chronische Erkrankung ist ein Fulltime-Job, aus dem man sich nicht davonschleichen kann.
Aber brauchen wir eigentlich noch Patientenorganisationen? Speziell für Menschen mit Diabetes ist die medizinische Versorgung doch ganz gut geregelt? Wir haben probate Therapien, wir haben Programme, die eine strukturierte Versorgung regeln – unsere Ulla macht das schon.
Genau darüber hat sich kürzlich der Deutsche Diabetiker Bund Gedanken gemacht – sozusagen darüber, ob Betroffene Betroffene brauchen. Ein Gedankenansatz war zum Beispiel, was eigentlich unter Betroffenen zu verstehen ist – sind das nur die Menschen mit Diabetes? Nein, es sind alle, die – wie auch immer – mit Diabetes konfrontiert sind. Einfach gesagt: Behandelte und Behandelnde, Leistungsnehmer und -erbringer. Sie, wir, sind gegenseitig aufeinander angewiesen. Mag ja sein, dass gesetzlich vieles geregelt ist. Aber Papier ist geduldig. Wer achtet darauf, dass die Umsetzung der gesetzlichen Möglichkeiten kontrolliert und eingefordert wird? Die Patientenorganisation. Wer informiert überhaupt mit flächendeckenden Beratungsangeboten die Betroffenen über die vielen gesetzlichen Regelungen? Die Patientenorganisation. Wer setzt sich unermüdlich dafür ein, dass die Patientenselbsthilfe eine Säule im Versorgungssystem wird und weg kommt vom Katzentisch, an dem man gerade einmal "Miau" machen darf? Die Patientenorganisation. Wer hat die Kompetenz, das Versorgungssystem von der Prävention bis zur Versorgung mit zu gestalten? Die Patientenorganisation. Wer setzt sich dafür ein, Benachteiligung und Diskriminierung abzubauen und mit menschlicher Zuwendung und Fürsorge auf Menschen mit einer chronischen Erkrankung zuzugehen, ihnen zu helfen? Die Patientenorganisation.
Bezogen auf Menschen mit Diabetes setzen Sie jetzt einfach für das wiederkehrende Wort Patientenorganisation den Begriff "Deutscher Diabetiker Bund" ein, dann wissen Sie, weshalb wir über diese Fragen debattiert haben – immer in dem Wissen, dass Betroffene eben nicht nur Patienten sind. Zum Glück haben wir mit der Deutschen Diabetes-Union einen starken Dachverband, dessen Pfeilspitze sich immer in die Richtung derer richtet, die guter Versorgung der Menschen mit Diabetes einen Strich durch die Rechnung machen wollen.
Es bedarf immer Kraft und auch Mut, den Bogen zu spannen, um den Pfeil ins Schwarze zu treffen. Kraft und Mut an 365 Tagen im Jahr, auch an einem Freitag, dem 13., obwohl der nachweislich kein Unglückstag ist. Kommt eben drauf an, was man draus macht.
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