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15.05.2008 Essen. Messen. Handeln!

Ein unverhofft hoher Blutzuckerwert - Was nun? Hans Lauber schildert sein Erlebnis.

Starr vor Schreck starrte ich auf das Messgerät: „208“ zeigte das Display eine starke Stunde nach dem Essen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich in den letzten Jahren jemals einen so hohen Blutzuckerwert hatte. Was war passiert?
Couscous hatte ich am Abend gegessen. Gut geschmeckt hatte das currygewürzte Hartweizengrießgericht zu den frischen Spargeln. Nur, irgendwie fühlte ich bald nach dem Essen, etwas stimmt nicht. Also messen, eine kurze Schrecksekunde erleben – und dann sofort handeln: Aufs Fahrrad hieß es für mich, stramm den Rhein rauf und wieder runter. Gerade so schnell, dass sich erste Schweißperlen bildeten, aber dazwischen auch wieder langsamere Passagen, damit nicht noch mehr Glukose in die Blutbahnen ausgeschüttet wird.


Wieder zurück, noch eine bange halbe Stunde warten, bis sich alles beruhigt hat, dann messen – und gebannt auf das Display schauen: „112!“ Geschafft. Na, also, es geht doch. Und am nächsten Morgen waren es sanfte 86 mg/dl, die mir das Messgerät für einen fitten Start in den Tag mitgab.


Warum ich mein Erlebnis gerade jetzt aufschreibe? Weil derzeit eine englische Studie für Furore sorgt, die behauptet, Lifestyle (Typ 2)-Diabetiker müssten nicht regelmäßig den Blutzucker messen. Ja, im Gegenteil, es wäre sogar schädlich, weil die hohen Werte angeblich Depressionen auslösen. Wut hingegen ausgelöst hat bei mir diese Studie, weil sie ein Schlag ins Gesicht aller ist, die auf eigene Faust den Blutzucker in den Griff bekommen wollen. Hunderte von Menschen haben mir geschrieben, dass Sie es geschafft haben mit der Lauber-Methode aus „Messen. Essen. Laufen“ den Zucker zu zähmen, so dass sie häufig gar keine Medikamente mehr brauchen.


Aber nicht nur meine Erfahrungen, die Erfahrungen meiner Leser widerlegen die wackeren englischen Forscher. Auch die Rosso-Studie des Düsseldorfer Diabetologen Prof. Stephan Martin zeigt ganz eindeutig, dass Regelmäßig-Messer ihr Risiko etwa für einen Herzinfarkt deutlich senken. Dies deshalb, weil nur handeln kann, wer weiß, wo er steht. Wobei es natürlich richtig ist, dass das Messen allein keinen Diabetes zurückdrängt. Das Messen muss ins Handeln münden – dann wirkt´s.


Couscous, das weiß ich inzwischen, hat einen relativ hohen glykämischen Index, das heißt die darin schlummernden Kohlenhydrate flutschen schnell ins Blut, treiben die Werte hoch. Das liegt daran, dass der Couscous letztendlich ein ziemliches Kunstprodukt ist, bei dem Mehl im Wasserdampf zu den kleinen Körnchen geformt wird, die sich hinterher als wahre Zuckerschocker entpuppen. Da nützt es dann auch nichts, wenn das Mehl ökologisch korrekt erzeugt wurde. Würde ich noch einmal Couscous essen, dann nur mit einem ordentlichen Klacks Butter oder Olivenöl – denn das Fett verzögert den Übergang der Kohlenhydrate ins Blut.

Kommentar

Gisela Bohnes aus Hemer - 29.07.08 20:51

Sehr geehrter Herr Lauber ,
leider habe ich diesen Bericht erst jetzt entdeckt. Ich wundere mich ein bißchen. Ich habe gelernt , daß man sich bei Werten ab ca 200 ml BZ RUHIG verhalten soll, Korrekturinsulin spritzen und trinken soll. Regelmäßig messen und ERST bei normalen Werten wieder die körperliche Bewegung aufnehmen. Es ist doch ein bekanntes Phänomen , daß bei erhöhten Werten der Sport dazu führt , daß der BZ immer weiter steigt, weil ohne Insulin die Glukose eben nicht verbraucht werden kann sondern ins Blut geht. Wie haben Sie denn dieses Phänomen ausgetrickst?
Mit freundlichen Grüßen
Gisela Bohnes

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