24.08.2010 Fort mit „Sport“
Nun „sporteln“ sie wieder, die Diabetes-Experten. Denn Herbst-Zeit ist Empfehlungszeit. Also heißt es auch dieses Jahr wieder allerorten: „Treiben sie Sport, das hilft gegen Diabetes“. Das stimmt – aber die Appelle bewirken trotzdem nichts. Warum, das hat einfühlend die Gold-Schwimmerin Britta Steffen in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen am Sonntag erläutert. Darin sagt sie, dass Jugendliche, die ein paar Jahre keinen Sport getrieben haben, physisch überhaupt nicht in der Lage sind, sich aktiv zu bewegen. Die müssen erst wieder an die elementaren körperlichen Aktivitäten herangeführt werden. Wer diesen Kids um die 15 Jahre mit dem Wort „Sport“ kommt, erreicht sie nie, erzeugt bloß Aversionen.
Genau so wenig werden mit dem Wort „Sport“ die meisten Älteren erreicht – die große „Reserve“ kommender Typ-2-Diabetiker. Für die gilt noch mehr, was Britta Steffen sagt. Die haben ihr ganzes Leben keinen Sport getrieben, wie sollen die mit 60 oder gar 70 Jahren damit beginnen? Natürlich sollen sich die Menschen bewegen, aber das muss in den vertrauten Alltag eingebettet sein, das kann heißen, jede kleine Strecke zu Fuß gehen, das Auto abzumelden. Das kann Gartenarbeit heißen (warum gibt es bei den Altenheimen keine Gärten?), das kann Bergwandern heißen – hoch zu Fuß, runter mit der Gondel, das schont die Gelenke – all das, was „bei den Leuten“ ist. Deshalb: Fort mit dem Wort „Sport“.
Bewegung ist für jeden wichtig, für Diabetiker ganz besonders. Aber Bewegung ist nicht alles. Das habe ich die letzten Monate bei mir bemerkt: Ein Riß im Innenmeniskus zwingt mich, sportlich enorm kürzer zu treten, kein Joggen mehr, dafür Radfahren, schwimmen – und natürlich überall zu Fuß hingehen. Zum Ausgleich habe ich die Ernährung umgestellt, esse weitgehend nur noch Salat, Gemüse, ein paar fest gekochte Kartoffeln, viele Kräuter.
Das Mut machende Ergebnis: So gute Blutzuckerwerte hatte ich die letzten Jahre nie, morgens immer unter 100 mg/dl, also „zweistellig“. Mein Fazit: Wenn die Füße nicht mehr so recht tragen, kommt halt weniger auf den Teller.