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02.10.2008 Freunde - fürs Leben

"Freundschaft ist nicht nur ein Geschenk sondern auch eine Aufgabe."

Mir ist aufgefallen ...

... dass Freundschaft bisweilen verschlungene Wege geht – die Feststellung des vermutlichen Beginns einer wunderbaren sollte deshalb einem großen Werk der Filmkunst überlassen bleiben. Zu den Lebensweisheiten meiner Mutter gehörte: Freunde sucht man nicht, die findet man. Das klang sehr absolut; diverse Kontaktanzeigen sprechen dagegen, und warum sollen aus einem gezielt gesuchten Briefwechsel nicht auch Freundschaften entstehen? Auf mich bezogen stimmt ihr Spruch allerdings, denn ich habe alle meine Freunde gefunden. Und da fällt mir wiederum auf, dass ich keine beste Freundin, keinen besten Freund habe. Beste – das müsste auch zweit-, dritt- usw. nach sich ziehen; oder gar das Gegenteil: schlechteste(r)? Ich glaube, Freundin, Freund, Freundschaft vertragen gar kein näher bezeichnendes Attribut.

Mein Freundeskreis ist überschaubar und auch wieder nicht. Vier Freundinnen und zwei Freunde. Und wir haben wahrlich alle miteinander den berühmten Scheffel Salz gegessen, sind füreinander eingestanden, gehen durch dick und dünn, ohne unsere Freundschaft zu überlasten. Sie ist zu wertvoll, als dass wir sie missbrauchen, denn so verkündet eine deutsche Redensart: Freundschaft ist nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Aufgabe. Und, was auch schön ist, unsere Freundschaft trennen weder Raum noch Zeit. In meinen noch gar nicht so vielen DDB-Jahren habe ich nun auch viele Menschen gefunden, kennen- und schätzen gelernt, mit denen ich so vertrauensvoll umgehen kann, dass ich von ihnen nicht nur als Kollegen sprechen möchte. Kollegen schlechthin kann man sich – wie auch Verwandte – nicht aussuchen. Und es soll ja durchaus Betriebs- und Familienbeziehungen geben, die nicht ausgesprochen harmonisch sind. Wenn man kann, drückt man sich davor. Ich jedenfalls.

Für andere Begegnungen hingegen setze ich Himmel und Hölle in Bewegung, um daran teilnehmen zu können. Schon telefonisch ist gut, persönlich ist besser. Ich finde, dass Freude an einer gemeinsamen Arbeit, Freude darauf, miteinander etwas zu gestalten, ebenfalls das Prädikat Freundschaft verdient. Auch, wenn man sich dabei erst einmal und immer mal wieder zusammenraufen muss.

Aber man muss ja auch weiterdenken. Irgendwann hört das vertrauensvolle Miteinander in der gemeinsamen Arbeit vielleicht auf. Sie kann ja aus unterschiedlichen Gründen entfallen, schließlich wird man älter. Ich fände es wunderbar, wenn unser freundschaftliches Miteinander dann weiter Bestand hätte. Die Chancen dazu sind vorhanden. Sie sind immer dann vorhanden, wenn die Gemeinsamkeiten auf der soliden, unabdingbaren Basis "Vertrauen zueinander und Respekt füreinander" beruhen. Ja, ein solches Weitertragen wünsche ich mir – nicht nur, weil das ein weiteres Pfund in die mütterliche Weisheit wäre; vor allem deshalb, weil wir aus dem kollegialen, freundschaftlichen Miteinander vertrauensvolle Freunde geworden sind und auch bleiben können, so viel Bindung zueinander haben, dass keiner vom anderen wie einst Archimedes ausrufen muss: "Störe meine Kreise nicht!", und dass wir es lieber mit Friedrich Schiller halten: Die Freundschaft ist doch kein leerer Wahn. Oder wie Kurt Tucholsky feststellen: Freundschaft – das ist wie Heimat.

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