04.09.2008 Gesundheitspass: Ist "neu" gleich "besser"?
Mir ist aufgefallen...
halt, ganz falsch: Nicht mir, sondern einer Freundin fiel auf, dass "neu" und "besser" nicht unbedingt einhergehen. Dieser Tage fragte sie mich, ob ich denn schon einmal den neuen Gesundheits-Pass Diabetes mit dem alten verglichen hätte. Ich musste zugeben: Nein, über die neue Farbe – Orange statt Blau – und die neue deutsche Rechtschreibung "Pass" statt "Paß" sei ich noch nicht hinausgekommen. "Dann mach mal. Ich habe das Thema schon kürzlich in einer Telefonkonferenz innerhalb des Gremiums ‚Qualitätsmanagement‘ angeschnitten …"
Nun, wenn meine Freundin so energisch ist, kann ich mich natürlich nicht verschließen. Als Betroffene weiß sie schließlich, wovon sie spricht. Der "Neue" hat zwei Seiten weniger – ist sicherlich nicht von Belang. Die Schirmherrschaft für beide liegt bei den Regionalbüros für Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF). Auch gut. Als etwas ganz Neues fordert der Neue auf, einmal im Jahr fünf Fragen der WHO zum Wohlbefinden differenziert zu beantworten, die dann auch aufgeführt sind. Allerdings verzichtet er auf die Passagen über Rechte und Aufgaben der Betroffenen. Warum eigentlich? Auf dem Wege zu einer hohen Punktzahl beim Wohlbefinden wären diese Hinweise doch ganz nützlich.
Aber das eigentlich Spannende am Gesundheits-Pass ist ja die Dokumentation darüber, wie mein Leben mit dem Diabetes verläuft, welche Ziele ich, immer ausgehend vom aktuellen Ist-Zustand, anstreben soll. Der blaue Pass trennt hier zwischen Jahr und Quartal, sein Nachfolger beschränkt sich auf das Vierteljahr. Längerfristig angestrebte Ziele geraten damit aus dem Blickfeld. Es fehlt auch eine Auflistung der Gesamtmedikation, abgefragt werden nur Blutdruck- und Diabetesmedikamente. Das Krankheitsbild Diabetes wird überhaupt weniger beleuchtet und begnügt sich im Grunde genommen mit dem HbA1c, das natürlich besonders wichtig ist. Zu vermissen sind im neuen Pass aber Angaben zu schweren Hypoglykämien und zur Häufigkeit der Blutzucker-Selbstkontrolle. Gar nicht im Blickfeld sind die Blutfette, die Mikro- und Makroalbuminurie, periphere und autonome Neuropathie und körperliche sowie technische Untersuchungen.
Ja, also ich weiß nicht: Meine Freundin hat gar nicht so unrecht, wenn sie diese Unterschiede kritisch anspricht. Wir stecken beide in derselben Bredouille, da wir sehr viel mit Betroffenen zu tun haben. Sie werden uns nämlich fragen, ob all diese Angaben neuerdings gar nicht mehr so wichtig sind? Schließlich soll der Pass ja auch in Notfällen verlässliche Auskunft geben können. Mir fällt dazu im Moment keine Antwort ein. Meiner Freundin auch nicht, deshalb hat sie das Problem auch schon weitergereicht.
Vor dem Druck der nächsten Auflage müssten doch noch einmal fundamentale Überlegungen angestellt werden. Laut Aussage der Modeexperten gehört Orange zwar unbedingt in die Sommergarderobe 2008. Was aber den Diabetes-Pass betrifft, bleibe ich erst einmal bei meinem blauen – ist sowieso meine Lieblingsfarbe.
Wie ich indessen erfahren habe, startet das Diabetes-Journal demnächst eine kleine Serie zu diesem Thema. Sage ich doch immer: DJ-Leser wissen mehr.