Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 04.05.10 13:24
Sehr geehrter Herr Dr. Milek,
stimmt, was Sie schreiben, ABER...
ABER Sie wissen sehr gut, dass die Deutsche Diabetologie bis heute versäumt hat anzuerkennen und überzeugend darzustellen, wie viel mehr an Compliance vor allem unter jungen Menschen mit Diabetes erst mit schnell wirksamen Analog-Insulinen möglich geworden ist!
Das Anna-Eis-Beispiel ist für dieses Versäumnis bezeichnend, denn da wird der elementare Vorteil für die gesamte Therapie-Akzeptanz reduziert auf einen zwar sicher auch wichtigen, aber kleinen und für sich belächelbaren sozialen Vorteil am Nachmittag im Eis-Café.
ABER Sie wissen sehr gut, dass der Gebrauch des Langzeit-Analog-Insulins als reines Nacht-Insulin nur mit so kleinen Mengen funktioniert, mit denen auch mit Standard NPH keine Unterzuckerung bewirkt wird.
Größere Mengen vom Langzeit-Analog wirken länger und zumindest vom einen auch sehr gleichmäßig über 24 Stunden. Und auch diese Wirkung lässt sich mit der entsprechend passenden Gabe NPH alle 6-8 Stunden so nachbauen, dass keine einzelnen Wirkspitzen eintreten, die in eine Unterzuckerung ziehen könnten. Allerdings kann bezogen auf 24 Stunden für die selbe Wirkung bis zu 20% mehr NPH- als Analog-Insulin notwendig werden.
Aber Sie wissen sehr gut, dass auch heute noch 9 von 10 Diabetologen in Deutschland der rüstigen Rentnerin aus Überzeugung einreden, dass sie mit dem Essen nach dem Blutzucker-Messen gegenüber dem Essen nach Appetit und vor allem nach dem regelhaft dominierenden KH=Zucker-Anteil an jeder Mahzeit auch nicht den kleinsten Vorteil hätte. Sie würde sich damit nur unnötig verrückt machen. Wer dieser Lehre zu widersprechen wagt, gilt in weiten Fachkreisen als Glukozentriker.
Und so lässt die Deutsche Diabetologie ja auch praktisch systematisch das Messen aus dem Lauberschen Dreiklang von Messen-Essen-Laufen raus und propagiert ausschließlich (gerade wieder mit großem Trara in Dresden) das Laufen.
Zusammen genommen bedeutet das konkret: Sie jammern hier guten Möglichkeiten hinterher, die Ihre Kollegenschaft bisher mit ihren Patienten mehrheitlich weit unter ihren Werten mangelhaft bis gar nicht genutzt hat. Das macht auf der einen Seite das Jammern nicht überzeugender, auf der anderen aber auch die Einsparungserwartungen nicht nachvollziehbar, die allenthalben damit veröffentlichkeitet werden.
Natürlich drohen diese Einsparungen die wenigen Menschen mit Diabetes besonders zu treffen, die diese Möglichkeiten bisher bewusst gesund nutzen und dann nicht mehr nutzen können. Und da denke ich besonders auch an Ihre engagierte Kinder- und Jugendarbeit, die in unserem Staat auf der einen Seite mit dem Bundesverdienstkreuz als hervorragend ausgezeichnet werden kann, während unser selber Staat Ihnen anschließend einen guten Teil der Grundlage dafür entzieht. - Leider habe ich Grund zu der Annahme, dass die jeweiligen Entscheider sooo viele Schreibtische von einander entfernt sitzen, dass beide Entscheidungen offiziell nie so nahe zusammen betrachtet werden, dass ihre Widersinnigkeit offiziell auffallen könnte :-(
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner












