12.03.10 Ist Diabetes heilbar?

Bislang gibt es kein Medikament und keine Operation, die die Krankheit heilen könnten. Dennoch ist ein Sieg über den Diabetes für viele Menschen möglich, meint Hans Lauber.

Das werde ich immer wieder gefragt. Und immer antworte ich darauf mit nur einem Wort: „Nein!“. Das gilt sowieso für den Typ-1-Diabetes, eine Krankheit, bei der ohne die Gabe von Insulin ein Überleben nicht möglich ist. Das gilt aber auch für den Lebensstil – oder Typ-2-Diabetes, eine genetisch bedingte Stoffwechselstörung. Trotzdem sage ich – und ganz viele andere, die es geschafft haben: „Ich habe meinen Lifestyle-Diabetes besiegt“. Ein Widerspruch? Eine Wortklauberei?

Nein, denn dieser Sieg ist für viele Menschen möglich, sodass sie selbst einen manifesten Diabetes wieder ins Stadium einer Veranlagung zurückdrängen können, vor allem durch eine Änderung des Lebensstils, durch eine klug zusammengestellte Küche, durch lustvolle Bewegung – am besten regelmäßig durch die Messung des Blutzuckers überwacht, denn der Diabetes selbst tut nicht weh, macht sich erst durch Folgeerkrankungen bemerkbar, etwa eine beginnende Blindheit. Beschrieben habe ich diesen Weg, bei dem oft sogar keine Medikamente mehr notwendig sind, in dem Buch „Messen. Essen. Laufen. Fit wie ein Diabetiker“.

Aber: Es ist ein zeitlich begrenzter Sieg, kein Heilen. Denn würde ich wieder in den alten Schlendrian zurückfallen, würde ich genau so wie die anderen „temporären Zucker-Sieger“ bald wieder die überhöhten Werte haben, bemerkbar am hohen Nüchternzucker von über 100 mg/dl (5,6 mmol/l), an den gefürchteten „Zuckerspitzen“ nach dem Essen, vor allem am überhöhten Langzeitwert HbA1c von mehr als den geforderten 6,5 Prozent – wobei sich bei mir dieser Wert zum Höhepunkt meiner „Zuckerkarriere“ vor über zehn Jahren auch schon mal bei über 10 Prozent eingenistet hatte, ein Stadium, wo bleibende Schäden anfangen, was ich grad noch mal verhindern konnte.

Wie ein Langzeitwert von über 10 Prozent zu „schaffen“ ist, hat mir mal ein renommierter Diabetes-Professor erklärt: „Nicht bewegen, möglichst nur abends essen, bevorzugt Fast Food möglichst schnell herunter schlingen, bloß kein frisches Gemüse, viel Cola und Süßgetränke konsumieren, dann müsste nach rund acht Wochen wieder ein manifester Diabetes zu diagnostizieren sein“. Das wollte ich natürlich sofort ausprobieren. Doch unerwartet rüde hielt mich der Arzt von diesem Experiment ab: „Sie würden Ihren Körper vorsätzlich schädigen, außerdem geht es viel schneller, den Blutzuckerspiegel dauerhaft hochzutreiben, als ihn hinterher wieder in ein langfristiges Gleichgewicht zu bringen“.

Also, habe ich es gelassen – und genieße seit nun über zehn Jahren meinen medikamentenfreien Weg. Ganz Hartnäckige fragen dennoch unverdrossen weiter: „Ja, gut, der Diabetes ist erst mal besiegt, aber sind Sie nun trotzdem noch Diabetiker?“ Da antworte ich ganz stolz: „Ja, aber ein fitter!“



Kommentar

Dirk Pahne aus Dortmund - 19.03.10 13:41

Sehr geehrter Herr Lauber,

ein HbA1c von 6,5 entspricht ca. einen Durchschnittswert von 132 der letzten 8 Wochen.
In meiner Schulzeit (vor über 30 Jahren) wurden Fälle erwähnt, wo Diabetiker mit NBZ von 130 unbehandelt ihre Beine verloren haben und deshalb der Grenzwert 126 ist.
Mit einem HbA1c von 10,0 haben Sie sich defenitiv Schäden eingefangen. Im Gegensatz zur der Mehrheit haben Sie etwas getan, deshalb dürften die Schäden nur für Spezialisten zu erkennen sein.
Und die machen die entsprechenden Messungen erst dann, wenn schon etwas vorliegt.
Bei sehr vielen hingegen wird Diabetes erst im Krankenhaus diagnostiziert und meist schon mit Folgeschäden.

Diabetes heilbar?
Ich sollte diese Frage eigentlich bejahen können, da ich zu den wenigen gehöre, die weder Insulin noch Medikamente brauchen.
Ärzte würden nach Messungen der letzten Jahren auf kein Diabetes schliessen, während Freunde, Bekannte, Verwandte und Mitarbeiter "stark" Diabetes vermuten würden. Ich würde mich denen anschliessen.
Meine Antwort lautet deshalb ja, theoretisch nein, praktisch nein.

mfg dipa

Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 16.03.10 09:34

Sehr geehrter Herr Lauber,

eine Krankheit manifestiert sich, indem sie etwas sichtbar oder/und spürbar verändert. Masern manifestieren sich mit roten Flecken. Die einzigen roten Flecken beim Typ2 sind die jeweils vielleicht rot markierten aktuellen Diagnose-Definitionen auf den Testgeräten. Der Definitionswert wird gerade auf HBA1c 6,5 gesenkt, so dass sich demnächst unter gleichen Bedingungen bei etwa doppelt so vielen Betroffenen wie heute ein Typ2 mach Ihrer Lesart neu manifestiert, und zwar auch bei vielen von denen, bei denen er nach heute geltender Definition gerade ein Stück weit in das Stadium der Veranlagung zurück gedrängt worden ist.

Und was wollen wir wirklich unter Stadium der Veranlagung verstehen, wenn bis zum Erreichen der gegenwärtigen Diagnose-Definition schon 11-12 von 100 Betroffenen wenigstens 1 voll ausgeprägte und bleibende diabetische Folgekrankheit beklagen müssen? Und auch, wenn es nach der neuen Definition vielleicht nur 7-8 sind? Und auch, wenn Kardiologen seit Jahren in alten und neuen Statistiken immer wieder finden, dass mit einem Anstieg des HBA1c-Wertes über 5,5 eine signifikante Zunahme der Herzkreislaufereignisse einher geht? Und zwar auch noch nach dem Rausrechnen aller übrigen möglichen Gründe? Und wäre vielleicht ein tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall kein bleibender Schaden?

Fällt Ihnen vor diesem Hintergrund nicht auf, wie viel Glück Sie damals ohne eine diabetische Folgekrankheit mit Ihrem HBA1c-Wert um 10 und gehabt haben, von dem Sie offenbar noch immer glauben, dass erst ab dieser großen Höhe bleibende Schäden anfangen? -

Natürlich haben Sie mit Ihrem Verhalten seitdem vorbildlich aktiv zu Ihrer guten Gesundheit beigetragen, und seit Sie mit Ihrem Typ2 gesund und munter zusammen leben, verstehe ich Ihr Verhalten als bewundernswert stimmig. Statt weiter sinnlos dagegen an zu kämpfen, haben Sie damals vorbildlich beharrlich und systematisch ausgetestet und ausprobiert, wie Sie die Defizite gesund ausgleichen können, die Ihnen Ihr ursprünglich ungeladener Lebenspartner Typ2 bis dahin schon beschert hatte. Und dieses gesunde Ausgleichen zelebrieren Sie nun jeden Tag mit so ansteckender Lebensfreude, dass jedem aufmerksamen Beobachter spätestens auf den 2.Blick absolut klar wird: Da haben sich 2 Lebenspartner - zwar ursprünglich nicht gesucht, aber - super passend zusammen gefunden!

Schade, dass Sie offenbar das Gefühl haben, dieses überzeugend stimmige Bild mit einer so partnerschaftskriegerischen Formulierung wie "den Diabetes besiegen" absolut unstimmig stören zu müssen :-(

Mit freundlichen Grüßen aus Oelde
Hans-Jürgen Tilsner

Kommentar abgeben

* Pflichfelder

Wir freuen uns über jeden Kommentar. Freigeschaltet wird jeder Kommentar nach kurzer Zeit. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Inhalte oder Werbung beinhalten, werden nicht veröffentlicht, ebenso Beiträge, die nicht zum Thema gehören, und Spams.


Jetzt bookmarken:del.icio.usMister Wongoneviewgoogle.comYahooMyWebWebnewsYiggItLinkaARENAlive.comMa.gnolia

Aktuelle Ausgabe

Diabetes-Lexikon

Meinung

Zum guten Schluss
30.07.2010

Die Online-Frage

Juli
Arbeiten Sie häufig länger bzw. haben Sie früher in Ihrem Berufsleben häufig Überstunden gemacht?

Ja

Nein

Echt essen

Das "Echt-Essen-Gasthaus" des Monats.

Ausprobiert: Geräte im Test

Dr. med. Katrin Kraatz, selbst Typ-1-Diabetikern, testet für Sie Geräte des Diabetikerbedarfs!

Gesünder unter 7

Das Diabetes-Journal ist Medienpartner der Aktion "Gesünder unter 7"

Diabetes-Journal auf Facebook

Werden Sie Fan des Diabetes-Journals bei Facebook!

diabetes-world.net

Diabetes-Bücher

Diabetes-Eltern-Journal