03.12.2010 Ja, wie viel sind´s denn nun?

Wie viele Diabetiker es in Deutschland wirklich gibt, weiß derzeit niemand. Lesen Sie, warum diese Unkenntnis fatale Folgen für die medizinische Versorgung der Betroffenen haben könnte.

Es ist nicht zu glauben: Auf die schlichte Frage, wie viele Diabetiker es in Deutschland gibt, gibt es keine befriedigende Antwort. So geht der gerade erschienene „Gesundheitsbericht Diabetes“ von acht Millionen Betroffenen aus, einschließlich der Dunkelziffer. Auf eine viel höhere Zahl kommt die Deutsche Diabetes Stiftung (DDS), die schätzt, dass „es nach dem heutigen Stand weit mehr als zehn Millionen Diabetiker geben wird, wahrscheinlich sogar zwölf Millionen“. Und in ihrem aktuellen „Report“ legt die Stiftung noch eine Schippe drauf und schreibt: „Über ein Drittel unserer Bevölkerung leidet an Diabetes oder ist auf dem Weg dahin“. Das wären dann wahrlich apokalyptische Dimensionen von über 25 Millionen Betroffenen.

Fakt ist, niemand weiß Genaues, was neulich auch das „Deutsche Ärzteblatt“ feststellen musste: „Es gibt für die deutsche Bevölkerung keine aktuellen Zahlen zur Diabetesprävalenz“ (Häufigkeit einer Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt).

„Was gehen mich diese Zahlenspiele an?“ werden Sie vielleicht fragen. Möglicherweise sehr viel. Angenommen, die Fallzahlen entwickeln sich derart explosiv, wie von der DDS befürchtet, dann könnte die Diabetes-Bekämpfung schon bald große Teile des eh schon zu knappen Gesundheitsbudgets verschlingen. Was beispielsweise für Diabetiker bedeuten könnte, dass die Versorgung mit modernen Medikamenten (etwa Analoginsulinen) oder Teststreifen weiter eingeschränkt würde. Außerdem mindern scheinbar niedrige Zahlen den Zwang, endlich wirklich Druck auf die Lifestyle-Diabetiker auszuüben, die aus eigener Kraft etwas gegen die Störung ihres Stoffwechsels tun können – nach dem Kölner Motto „So schlimm ist es ja nun auch wieder nicht“.

Was könnte Klarheit schaffen? Etwa ein Diabetesregister, wie es in der DDR existierte. Gerade in Deutschland, wo die Leute so häufig zum Arzt gehen, wie in kaum einem Land, müsste es doch möglich sein, bei allen Patienten die Blutzuckerwerte zu erheben – und diese dann anonymisiert in ein zentrales Register einzugeben, ohne dass einzelne Personen mehrfach gezählt werden. Wie so etwas intelligent geht, das können den deutschen Behörden sicher die beängstigend erfolgreichen Datenfischer von Facebook erklären.


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