27.12.2011 Jeden Tag ein Jumbo-Jet

Aber: Es ist völlig verkehrt, Raucher mit der Realität zu konfrontieren.

Letztes Wochenende war ich auf einer Fortbildung. Sie wissen ja, auch Ärzte müssen sich ständig fortbilden, denn wer „aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein“, sagt mein Chef immer. Und da hat er ausnahmsweise auch wirklich einmal Recht.

Bei dieser Fortbildung ging es um das Thema Raucherentwöhnung. Wie oft frage ich meine Patienten: „Rauchen Sie?“, und sage dann meist hinterher, wenn sie die Frage bejahen, was ich am Geruch der Atemluft meist schon vorher weiß, „Das soll aber schädlich sein!“ Ein völlig falscher Einstieg in das Therapiegespräch, wie ich auf der Fortbildung gelernt habe.

Es ist auch völlig verkehrt, Patienten mit der Realität zu konfrontieren: zum Beispiel, dass allein weltweit 1,1 Milliarden Menschen rauchen und jeder zweite daran stirbt. Pro Tag sterben in Deutschland mehr als 300 Raucher – so viele Menschen passen etwa in einen Jumbojet. Stellen Sie sich einmal vor, jeden Tag würde unsinnigerweise ein Jumbojet abstürzen – das hätte doch sicherlich Folgen. Aber wie sieht es mit dem Rauchen aus?

Hier ist es ganz anders: Beim Rauchen wird das billigend in Kauf genommen. Vermutlich, weil Raucher schwer zu entwöhnen sind. Die Kernelemente des Rauchens sind die Gewöhnung an das Rauchverhalten und die Abhängigkeit vom Nikotin. Dies ist so stark, dass offenbar auch die Gesundheitsgefahren, die jeder Raucher kennt, nicht helfen. Deswegen ist es bei der motivierenden Gesprächsführung auch wichtig, den richtigen Einstieg zu finden, wie ich auf der Veranstaltung gelernt habe. Statt zu sagen: „Kennen Sie nicht die Gefahren?“, sollte ich fragen: „Wie denken Sie über das Rauchen?“ Denn nur wenn der Raucher selbst zu der Entscheidung kommt, nicht mehr rauchen zu wollen, wird er dies auch schaffen. Aber der Weg dahin ist ein schwieriger.

Der Gewöhnung muss eine Verhaltensänderung entgegengesetzt werden und der Abhängigkeit eine Entzugsbehandlung, die mittlerweile mit Medikamenten gut zu bewerkstelligen ist. Dennoch gehört, das habe ich auch gelernt, zum Nichtraucher-Training ein Profi. Solche Profis gibt es an vielen Orten. Es sind die sogenannten Tabakentwöhnungstrainer, die man unter diesem Stichwort leicht im Internet findet.

Ich jedenfalls habe mir für meine Patienten den Informationsflyer vom nächsten Tabakentwöhnungszentrum bestellt. Und meine Gesprächsführung ist hoffentlich auch ein bisschen besser geworden.

 

Der Autor: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik und schreibt für die Diabetes-Journal-Rubrik "Zum guten Schluss".

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