15.11.07 Kocht deutsch, Köche!

Plädoyer für eine Küche mit guten saisonalen und regionalen Produkten.

Göppingen ist wohlhabend – und arm zugleich. Wohlhabend ist die knapp 60 000 Menschen zählende Stadt nahe Stuttgart, weil hier prosperierende Firmen, wie etwa Märklin und Wala / Dr. Hauschka, sind. Arbeitslosigkeit ist hier weitgehend ein Fremdwort.
Trotzdem ist Göppingen arm, denn es fehlt an etwas Elementarem: Einer ordentlichen deutschen Küche. „Eigentlich haben wir hier nur ausländische Lokale“, sagt mir Ulrike Lechner von der AOK, die mich zu einem Vortrag eingeladen hatte. Nix gegen Ausländer, aber nach über einer Stunde reden und diskutieren will ich keinen gammelfleisch-verdächtigen Döner, keine Fertigteig-Pizza und keinen schlechten griechischen Wein.
Sondern ich will einen ordentlichen Feld-Salat, will einen traditionellen Zwiebelrostbraten aus heimischem Fleisch mit leicht sauren Linsen und einen trockenen Trollinger dazu. Das wäre die traditionelle schwäbische Küche, aber sie ist weitgehend ausgestorben. Genau so wie die badische, die bayerische, die rheinische Küche. Oder versuchen Sie mal, einen gescheiten rheinischen Sauerbraten zu kriegen.
Woran liegt das? An drei Dingen: Zum einen an der Kochausbildung, die keinen Wert auf die Zubereitung von Gerichten mit unseren guten saisonalen und regionalen Produkten legt. Zum anderen aber auch an den meinungsbildenden Essensführern, deren Tester erst beim Anblick einer Jakobsmuschel in freudige Erregung geraten. Ganz stark liegt es aber natürlich auch an den Essern, die klaglos das billige Convenience-Angebot der Ausländer - und der meisten deutschen Lokale schlucken. Denn auch was etwa im gelobten München als bayerische Küche verkauft wird, hat mit einem ordentlich gekochten Angebot meistens nichts zu tun.
Was ist zu tun? Natürlich den ordentlich deutsch kochenden Gasthäusern (etwa dem „Höhn´s“ in Köln, dem „Ederer“ in München) die Stange halten und freudig hingehen. Und: Selbst kochen! Etwa einen herrlichen Feld- oder Endiviensalat, beides gibt es jetzt. Dazu leicht gedünsteten Wirsing und Rosmarinkartoffeln.
Klingt schlicht, schmeckt großartig – und ist auch noch Diabetes-freundlich.

Kommentar

Werner Heinle - 24.01.08 01:06

Naja, Märklin ist ja mehr pleite als prosperierend. So gesehen muss man schon etwas vorsichtig sein mit pauschalen Aussagen...

Was die Küche angeht: Jetzt, wo die ADA endlich LowCarb- und LowGI-Küche für Diabetiker als sinnvoll erachtet und mit der Aufnahme in die offiziellen Leitlinien geadelt hat, sollte man vielleicht diesen Aufruf überdenken.

Weg mit den Kartoffeln, weg mit den Nudeln, all dem teigigen Zeugs und dem Süßkram. Das spart Kalorien und sorgt für eine wunderschöne flache Blutzuckerkurve ohne Hypos und Hxpers und für hervorragende Langzeitwerte,

Geht es nicht eher darum, die Fast-Food-Kohlenhydrate (auf deutsch: Sättigungsbeilagen die nicht sättigen) aus der Küche zu verbannen? Was dann übrig bleibt ist einfach ein hervorragende Spitzenküche. Herr Lauber, wie sie schrieben: Klingt schlicht, schmeckt großartig – und ist auch noch Diabetes-freundlich. (Kartoffeln sind das nicht, Auch nicht mit Rosmarin.)

Beste Grüße

Werner Heinle

wiggermann - 29.11.07 15:22

Wo gibt es heute noch richtige Hausmannskost, wie Kohlrouladen oder selbstgemachten Pudding. Seit ich Rentner bin, habe ich das wieder erlernt. Hier im Dithmarschen gibt es sehr viele schöne Kohlger. Ich komme aber aus dem Kölner Raum. Alles zu erlernen.

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