18.10.2011 Kolumne + Ihre Leserbriefe = Win-win

Sehr nett von Ihnen, liebe Leser, dass Sie mir schreiben – da werd’ ich nicht so einseitig.

Wissen Sie, wie es neudeutsch heißt, wenn beide Seiten profitieren? Win-win-Situation – „win“ ist englisch und heißt „gewinnen“. Ich freue mich, dass es für mich auch immer wieder Win-win-Situationen gibt – nämlich dann, wenn Sie mir schreiben, wenn eine meiner Kolumnen etwas in Ihnen bewegt hat. Und was Sie mir schreiben, ist dann wieder anregend für mich. Also: Sehr nett von Ihnen, liebe Leser – da werd’ ich nicht so einseitig.

Zum Beispiel schreibt Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde zu „Einmalhandschuhe: die reine Illusion“ (7/2011): „Sehr geehrte Frau Adabei, haben Sie tatsächlich schon mal jemanden erlebt, der sich zum BZ-Testen Einmalhandschuhe übergezogen hat? Und vielleicht auch noch son grünes Tuch über den Finger mit nem kleinen Ausschnitt an der Piksstelle?“ Habe ich nicht, aber wenn sich solche Merkwürdigkeiten irgendwo beobachten lassen, würde ich mich über ein Foto freuen. Auch vermittle ich gern den Kontakt zwischen Personen, die ungewöhnliche Messrituale pflegen.

Jetzt für das Thema sensibilisiert, habe ich aus der täglichen Informationsflut eine Meldung herausgefischt: „Einweghandschuhe: Beim Putzen eher Gefahr als Schutz“. Also, nicht mal zum Putzen taugen die Dinger, sagen Dresdner Dermatologen. Sie können die Haut reizen und sind viel zu dünn, um vor Chemikalien aus Putzmitteln zu schützen.

Viele Briefe habe ich zu „Mitten im Leben: der Tod“ aus 4/2011 erhalten. Damals habe ich geschrieben: „,Hätte ich doch?…‘ ist ein Satz, der uns unser Leben lang begleitet, und der unvermeidlich ist, wenn eine schwere Krankheit oder der Tod uns begegnen. Aber welchen Schluss ziehe ich, ziehen Sie daraus?“

Viele von Ihnen haben ihre Gedanken dazu mit mir geteilt. „Gott zeigt sich dem, der ihn aufrichtig sucht. Oft anders, als ich es gedacht hatte“, schreibt eine Leserin. Auch für viele andere Leser ist Gott Ziel und Sinn ihres Lebens. Kai-Uwe Woytschak schreibt, dass man nicht Versäumtem hinterhertrauern, sondern es heute und in Zukunft besser machen soll. „Aber mit Gelassenheit! Es bringt nichts, allen vermeintlich ,einmaligen Gelegenheiten‘ hinterherzuhecheln.“ Ich bin weiterhin auf der Suche und habe dabei zwei Bücher gefunden, die meine Kinder und mich sehr getröstet und uns viel erklärt haben: „Wenn Oma nicht mehr da ist“ und „Leb wohl, lieber Dachs“, beide erschienen im Annette-Betz-Verlag.

Danke für alle ermutigenden Worte, alle Anregungen und Denkanstöße. Ich hoffe, dass noch viele folgen – Sie wissen schon, wegen der Win-win-Situationen – und damit ich nicht einseitig werde.

Die Autorin: Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes und schreibt für die Diabetes-Journal-Rubrik "Zum guten Schluss"

Kommentar

Alex Adabei aus Mainz - 17.11.11 15:10

Sehr geehrter Herr Tilsner,
den Lesern etwas zum Nachdenken, zum Querdenken und auch mal zum Schmunzeln zum Abschluss des Heftes bieten - das ist meine Vorstellung von "Zum guten Schluss". Dabei bin ich nicht an Themen gebunden, die nur Typ-2-Diabetiker betreffen: Ich nehme das auf, was mir interessant erscheint, was mich berührt.
Medizinischen Rat bekommen Sie in den Medizinartikeln des Diabetes-Journals und ganz konkret bei Herrn Professor Petzoldt in der "Sprechstunde".
Meine beiden Mitkolumnisten wiederum füllen die Seite nach ihren Vorstellungen, es gibt da keine Regel.

Mit freundlichen Grüßen
Alex Adabei



Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 20.10.11 11:19

Sehr geehrte Frau Adabei,

Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes und schreibt für die Diabetes-Journal-Rubrik "Zum guten Schluss", liest sich irgendwie freundlich Typ2-beruhigend. Nur, was hat z.B. das BZ-Messen speziell mit Typ2 zu tun? Die meisten von uns bekommen doch gar keine Teststreifen. Und die Auseinandersetzung mit dem Ableben ist doch auch keine Typ2-spezifische, sondern eine ganz allgemeine Herausforderung.

Ganz praktisch Typ2-spezifisch hat mich z.B. vorige Woche ein Nachbar angesprochen. Er gehöre jetzt auch zum Club, aber er verstehe seine Behandlung nicht.
Der Arzt habe ihm erklärt, dass schon ein guter Teil seiner Insulin-produzierenden Beta-Zellen der ständigen Überforderung durch sein Lebensstil zum Opfer gefallen seien und dass er daran dringend etwas ändern müsse.
Dazu habe er Tabletten beschrieben bekommen, die seine Beta-Zellen beständig zur erhöhten Insulin-Ausgabe antreiben, also praktisch beständig überfordern und so doch weiter dezimieren würden. Ich konnte ihm nur sagen, dass das noch immer die normale Typ2-Behandlung ist. Erklären konnte ich zu dem offensichtlichen Widerspruch allerdings nichts. - Können Sie's?

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner

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