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24.01.2008 Kommunikation in allen Facetten

Mir ist aufgefallen...

... dass Bundeskanzlerin Angela Merkel auffallend viel "simst". Sie nutzt diesen von allen Mobilfunknetz-Betreibern angebotenen Kurznachrichtendienst so häufig, dass der dafür bekannte Begriff SMS in ihr nahestehenden Kreisen mittlerweile mit Short-Merkel-Service übersetzt wird. Gar nicht schlecht.

Danach befragt, bestätigte sie ihre Angewohnheit und lobte diese Möglichkeit der Kommunikation, um sich überall schnellstens mit wichtigen Partnern zu verständigen und auf diese Weise notwendige Entscheidungen abgestimmt zu treffen. Das gefiel mir, denn es spricht für Team-Work (wir sagten dazu früher Kollektivgeist – ich werde manchmal ausgeschimpft, wenn ich so neumodische Wörter gebrauche).
Und noch etwas gefiel mir: Die Kanzlerin zog sofort die Grenzen dieser wohl knappsten Form der Kommunikation. Viel mehr pries sie das persönliche Gespräch am Telefon oder Auge in Auge. Nur so, führte sie sinngemäß aus, könne man nicht nur ausführlicher reden – das sowieso. Vor allem sei es möglich, das gesamte Kommunikationsvolumen zu senden und zu empfangen, also auch die Zwischentöne, die Wortwahl, die Stimmlage, die Mimik, die Gestik, die Körpersprache – alles, was eben wichtig ist, will man wirklich im Gedankenaustausch nach der besten Lösung suchen. Wie gesagt, das gefiel mir richtig gut, denn es zeugt von Respekt und Akzeptanz gegenüber dem Gesprächspartner. Austausch ist nun einmal keine Einbahnstraße nach dem Motto: Ich gehe mit meiner Meinung zu meinem Chef, verlasse ihn mit seiner, die er dann natürlich immer noch hat.
Man mag über die technischen Möglichkeiten der Kommunikation denken wie man will. Wer sie nicht nutzen möchte, muss ja nicht, aber auch derjenige wird seine Botschaften nicht mit Rauchzeichen oder Trommelwirbeln kund tun und sie wohl kaum in Stein hauen. Und irgendwann einmal waren auch glattes weißes Papier, Füllfederhalter oder Kugelschreiber technischer Fortschritt auf Höchststand.

Ich persönlich bin nicht die begeisterte "Simse", ich finde E-Mails schick. Oft denke ich dann: 'Jetzt bist du binnen weniger Minuten mit dem Partner zu dem Problem schon durch, beide habt ihr alle wichtigen Informationen dazu – einen Brief hättest du in dieser Zeit noch nicht einmal zum Postkasten gebracht' (die werden ja auch immer weniger). Trotzdem ist die E-Mail natürlich ein Brief, ein elektronischer halt. Deshalb ärgere ich mich immer, wenn viele Zeitgenossen darin sehr schludrig vorgehen und zu kaltblütigen Muttersprachenmördern werden. Einen normalen Brief fängt man üblicherweise auch nicht mit "Hallo" an, und die Groß- und Kleinschreibung gilt auch in der nunmehr verbindlichen Rechtschreibung. Sie hat zwar ihre Tücken, aber sie schützt uns auch vor manchen spaßigen oder gar peinlichen Irritationen. Jedenfalls finde ich solche Schludereien despektierlich – gegenüber der Sprache und gegenüber mir.

Auf alle Fälle hat das Jahr gut angefangen, denn schon am 2. Januar habe ich von der Kanzlerin etwas gelernt: Auf Teamgeist setzen und dabei alle Facetten der Kommunikation nutzen. Fand ich ja auch schon immer. Da die Tugenden jedoch oft nicht so richtig in Erscheinung treten, ist es doch schön, das einmal von so hoher Stelle bestätigt zu bekommen. Danke, Frau Merkel!

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