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25.09.2007 Lernfähig?

Mir ist aufgefallen...

... dass auch Politiker durchaus lernfähig sind. Ja, wirklich, ich habe Beweise dafür, zumindest einen: Den vor einigen Monaten propagierten, aber nicht sehr populär gewordenen Slogan "Fit statt fett" hört man nicht mehr. Das ist gut so, dass er vom Tisch ist. Nicht vom Tisch ist die damit verbundene Aufforderung, etwas für seine Gesundheit zu tun. Das ist auch gut so. Und weil mit einem Motto alles viel mehr Spaß macht, ist auch gleich ein neues zur Hand: Deutschland wird fit – machen Sie mit! Klingt schon besser. "Lauf dich gesund" wäre auch gegangen, das gab es aber schon in Deutschlands Osten. Ist also von vornherein verdächtig. Außerdem mussten wir auf Verdacht vor uns hinlaufen, jetzt gibt es dafür Schrittzähler.  Diese teilte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt im August in Halle aus.
Ihrer Parteischwester Gerlinde Kuppe war das Glück darüber anzusehen, dass sie mit ihrer Chefin um die fünf Türme der Saalestadt traben durfte. Gefolgt von gerätetragenden Bodyguards. Dabei war es kein Trab, sondern ein bundes- und landesministerieller gemächlicher Spaziergang nach dem Motto: Fahr langsam, ich will gesehen werden. Schließlich mussten die Ministerinnen ja auch die Zählgeräte verteilen. (Ein Glück, dass man dafür keine Messstreifen oder anderes Zubehör braucht, sonst hätten sich die sparsamen Damen das wohl überlegt.) Mit einem munteren "Jeden Tag 3000 Schritte extra" startete die Ministerin eine bundesweite Bewegungskampagne in Sachsen-Anhalt.

Nun ja, mit Kampagnen ist das so eine Sache. Sie zielen oft auf etwas Gutes, werden dann meist so überzogen, dass sie ins Leere laufen. Gesunde Lebensweise ist ein Problem mit einer gesellschaftlichen Dimension. Warum gibt es zum Beispiel kein Computerprogramm, das nach 55 Minuten gnadenlos zugeht und seinen Benutzer auffordert, sich bis zur vollen Stunde schwungvoll zu bewegen? Natürlich brauchte man dazu eine gewisse Kontrollmöglichkeit. Sonst könnte man sich in der Zwangspause auch auf die Couch legen, aufs "Toi" gehen oder eine rauchen – und das wäre ja nun noch ungesünder.

Deshalb haben die lernfähigen Politiker auch eine große Antirauchkampagne gestartet, wogegen an sich nichts einzuwenden ist. Aber ist es nicht inkonsequent, wenn es demnächst in Deutschland nur noch Nichtrauchergaststätten geben wird, man hingegen nach Nichtesserrestaurants vergeblich Ausschau hält? Denn wenn man die Barhocker auf ihren Barhockern vor der Bar hocken sieht, wird bei manchem Hosenträger dieselbe ja auch durch denselben gehalten. Ausnahmen sind Sushi-Bars, dort wird zumindest die Nahrung bewegt, was ja schon ein Anfang ist. Außerdem ist Fisch sowieso gesund, in rohem Zustand allerdings nicht jedermanns Geschmack. Nichttrinkerrestaurants wird es wohl auch nicht geben. Nun gut, bleiben wir gerecht. Rauchen ist definitiv ungesund, Essen und Trinken per se nicht, sondern lebensnotwendig. Kann es aber auch ungesund werden. Da wären ja nun wieder Kampagnen fällig. Aber mit denen ist das, wie gesagt, so eine Sache.

Wäre es nicht schöner, wenn Vernunft einziehen würde in Deutschland? Wenn Augenmaß an die Stelle von Verboten treten könnte? Aus politischer Sicht wäre das keine Kampagne, sondern eine Lebensaufgabe. Aber alles hat eben seine Grenzen. Auch die Lernfähigkeit – nicht nur der Politiker im Besonderen, sondern der Menschen im Allgemeinen.

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