12.08.2011 Medizinisch gut versorgt?

Wie gut ist die medizinische Versorgung in Deutschland? Diese Frage stelle ich mir zurzeit immer wieder – denn als Typ-1-Diabetikerin habe ich, wie viele Typ-1-Diabetiker wahrscheinlich auch, weitere Erkrankungen, meist autoimmun ausgelöste.
Symptome zeigen mir, dass etwas nicht stimmt – und ich will wissen, was dahintersteckt, medizinische Kenntnis meinerseits hin oder her. Einen Termin beim Hausarzt bekomme ich meist relativ schnell. Aber benötige ich dann einen Termin beim Facharzt, brauche ich Geduld, viel Geduld. Wochen gehen immer ins Land, mitunter sogar Monate. Haben wir doch, trotz der lange Zeit regelmäßig beschworenen Ärzteschwemme, zu wenige Fachärzte? Wohl gemerkt: Ich lebe in einer mittelgroßen Stadt, nicht auf dem Land, wo der Ärztemangel inzwischen auch politisch erkannt worden ist!
Ich befürchte aber, dass die Ursachen eher woanders liegen. In erster Linie ist es die überbordende Bürokratie – die den Ärzten viel Zeit nimmt, in der sie besser ihre Patienten betreuen und beraten könnten. Ein anderer Aspekt ist, dass leider manchmal auch zwei Besuche bei Ärzten der gleichen Fachrichtung nötig sind. Neulich wollte ich von einem Arzt wissen, wie er eine seit Monaten schmerzhafte, sicht- und tastbare Knochen- und Gelenkveränderung einschätzt. Da ich auch hierbei eine autoimmune Ursache nicht ausschließen konnte, berichtete ich von meinem Diabetes. Wegen der Knochenprobleme nahm er reichlich Blut ab, untersuchen wollte er die Stelle nicht – und empfahl mir dann, meinen Diabetes doch mal mit Rohkost zu behandeln?… Ich glaube, Letzteres bespreche ich lieber mit meinem Diabetologen! Das Ergebnis war, dass ich mir einen anderen kompetenten Arzt suchte – was natürlich Gesprächszeit beim Arzt und auch Mehrkosten verursachte.
Aber wir Patienten können auch viel beitragen zu einer guten medizinischen Versorgung. Ein Arztbesuch ist zum Beispiel nur notwendig, wenn eine Krankheit vor- oder eine Kontrolluntersuchung anliegt; wegen einer Erkältung oder durch Sport lösbare Rückenschmerzen gehe ich nicht zum Arzt. Für einen Arztbesuch bereite ich mich gut vor, nehme notwendige Unterlagen mit und schreibe mir meine Fragen auf; so ist der Besuch strukturiert und schnell erledigt. Ein dritter Aspekt: Ist tatsächlich jede technische Untersuchung nötig – oder könnten die Ärzte nicht auch vieles ohne aufwendige Technik diagnostizieren?
Ich finde, dass wir alle gemeinsam viel Zeit und Geld sparen und so die medizinische Versorgung verbessern können. Denken Sie nicht auch?
Die Autorin: Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und schreibt für die Diabetes-Journal Rubrik "Zum guten Schluss".
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