04.07.07 Neuigkeiten: Von neuen und alten Medikamenten
Seit kurzem sind in Deutschland zwei neue blutzuckersenkende Substanzen mit einem ganz neuen Wirkprinzip auf dem Markt. Zum Hintergrund: GLP - 1 ("Glukagon-like Peptide 1") ist ein natürliches Hormon aus dem Dünndarm, das offenbar bei Typ-2-Diabetes vermindert abgegeben wird. GLP-1 seinerseits führt in Abhängigkeit von der Blutzuckerhöhe zur Abgabe von Insulin ins Blut, unterdrückt die überschießende Freisetzung des Insulingegenspieler-Hormons Glukagon, verlangsamt die Magenentleerung und stimuliert das Sättigungszentrum im Gehirn. Alles in allem sinkt also der Blutzucker bei Menschen mit Diabetes, und sie haben weniger Hunger und verlieren etwas an Gewicht. Eigentlich ideal – wenn, ja wenn GLP-1 im Blut nicht innerhalb von 1 bis 2 Minuten weitgehend zu einer inaktiven Form abgebaut würde.
Genau da setzen nun die neuen Medikamente an. Zum einen hat man ein natürliches Analog zu GLP-1 gefunden: "Exenatide", das nicht dem raschen Abbau im Blut unterliegt. Byetta, so der Firmenname, muß zweimal täglich gespritzt werden. "Sitagliptin" hingegen ist eine Tablette, die einmal täglich eingenommen wird und den Abbau des natürlichen Hormons GLP-1 deutlich verlangsamt; "Januvia" heißt das Präparat, das auch die Glukagonabgabe unterdrückt, die anderen Effekte von GLP-1 auf Magenentleerung und Sättigung aber eher nicht auslöst. Immerhin nimmt man trotz besserer Blutzuckerwerte nicht zu. Beide neuen Medikamente sind mit den anderen blutzuckersenkenden Medikamenten gut kombinierbar, insbesondere mit Metformin. Den Einsatz der neuen Medikamente muß natürlich der behandelnde Arzt entscheiden.
Als Nebenwirkung kann unter Exenatide anfänglich Übelkeit auftreten, man beginnt daher einschleichend mit einer niedrigen Dosis. Ansonsten werden beide Medikamente gut vertragen. Für beide kann es noch keine Langzeiterfahrungen hinsichtlich der Sicherheit geben. Substanzen wie Sitagliptin hemmen nicht nur den Abbau von GLP-1; potentiell könnte das nachteilig sein, Probleme sind bislang keine bekannt. Und dann sind baldmöglichst Studien anzustreben, daß nicht nur der Blutzucker gesenkt wird, sondern auch die mit Diabetes einhergehenden Gefäßschäden. Diese Forderung gilt im übrigen für alle blutzuckersenkenden Medikamente.
Dies wurde kürzlich durch neue Analysen zu Rosiglitazon ("Insulinsensitizer", Firmenname Avandia) unterstrichen: Eine Gesamtanalyse aller allgemein verfügbarer Studiendaten hat den Verdacht ergeben, daß unter Rosiglitazon Herzinfarkte und Herz-Kreislauf-Tod nicht seltener auftreten, sondern möglicherweise sogar häufiger. Allerdings wurden die meisten der analysierten Studien nicht unmittelbar zur Untersuchung dieser Endpunkte angelegt. Und die RECORD-Studie, die das direkt untersucht, läuft noch. Eine Zwischenauswertung dieser Studie hat allerdings keine statistisch eindeutige Zunahme von Herzkomplikationen ergeben, aber auch keine Abnahme. Weiteres bleibt daher abzuwarten.
Studien von wirklichen Endpunkten, dahin müssen wir in der Diabetologie im wesentlich größeren Umfang kommen, geben erst eine verläßliche Basis für die richtige Behandlung. Sie sind immer eine wichtige Nachricht, sowohl bei neuen als auch bei älteren Medikamenten!
Prof. Dr. Eberhard Standl
Chefredakteur
Kommentar
benutze zur zeıt dıe pumpe, kam erst klar damıt aber jetzt klappt nıx ıch bekomme das nıcht unter kontrolle ıch habe schon alle methoden benutzt levemır lantus protaphan nıx klappt zusätzlıch habe ıch eın stressvolles leben was können sıe mır empfehlen bıtte
Kommentar abgeben
* Pflichfelder
Wir freuen uns über jeden Kommentar. Freigeschaltet wird jeder Kommentar nach kurzer Zeit. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Inhalte oder Werbung beinhalten, werden nicht veröffentlicht, ebenso Beiträge, die nicht zum Thema gehören, und Spams.