Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 09.09.10 10:07
Sehr geehrter Herr Dr. Kulzer,
wenn in Dresden nennenswerte Erkenntnisse dazu zusammen gekommen wären,
+ wie ein steigender Anteil intakten Proinsulins im Blut von zukünftigen Typ2 lange vor Erreichen von Diagnosereife und Körperfülle zustande kommt und konkret verhindert werden kann,
+ wie der Inkretin-Defekt bei zukünftigen Typ2 lange vor Erreichen von Diagnosereife und Körperfülle entsteht und konkret verhindert werden kann,
+ wie das Betazell-Defizit bei zukünftigen Typ2 lange vor Erreichen von Diagnosereife und Körperfülle entsteht und konkret verhindert werden kann,
dann wäre die Bezeichnung Diabetes Prävention für die entsprechenden Maßnahmen gerechtfertigt.
Stattdessen ist in Dresden über Maßnahmen diskutiert worden, die die Diagnosereife bestenfalls um etwa 5 Jahre hinausschieben können, und wer das für Prävention hält, hält den gestreiften Bettvorleger noch im Käfig ;-)
Doch, 5 Jahre Aufschub sind auch schon ein Erfolg. Und wenn es die letzten 5 Jahre im Leben alter Betroffener sind, verhindern sie tatsächlich erfolgreich das Erreichen der Diagnosereife und sind damit dann de facto wirklich Prävention. Wenigstens ein Stück weit, denn 10-12 von 100 Betroffenen entwickeln ja auch schon wenigstens eine voll ausgebildete diabetische Folgekrankheit in dem weiten Bereich zwischen gesund und Diagnose Diabetes.
Aber das mittlere Eintrittsalter in den Typ2 ist bei den zeitnahen Diagnosen längst auf dem Weg in die Altersklasse unter 40! Und damit bewegen sich die präventiven bestenfalls 5 Jahre mit Riesenschritten in Richtung unter die 10%-Marke für gewonnene gesunde Restlebensjahre.
Was ich nicht verstehe: Warum werden teure Riesen-Präventions-Wellen um nationale Programme geschlagen, wo es längst viel einfacher geht? Warum nimmt die Medizin nicht einfach auf, was sich in der engagierten Selbsthilfe längst weltweit seit vielen Jahren bewährt hat? Dass nämlich die Betroffenen selbst ihren Blutzucker vor allem gezielt mit der Auswahl und Portionierung ihres Essens an der gesund kurzen Leine führen, unter 140mg/dl (7,8mmol/l) 1 Stunde nach jedem Essen? Das funktioniert natürlich umso einfacher, je früher mit dem immer höheren und längeren Überschreiten des gesunden Rahmens ein Betroffener auf seinen eben höheren Blutzucker aufmerksam wird, am besten noch deutlich vor Erreichen der Diagnosereife.
Hat nur den Haken, dass 999 von 1.000 Betroffenen nicht nur in D von ihren Ärzten in solchen Fällen erzählt bekommen, dass sie zwar einen erhöhten Blutzucker hätten, aber noch lange keinen Diabetes. Und bis dahin wird allenfalls zum Abnehmen angeregt - weit überwiegend mit Rezepten, die für Blutzuckerspitzen weit über 140mg/dl (7,8mmol/l) nach dem Essen und damit für eine muntere Verstärkung des o.g. wesentlichen Typ2-Defekt-Trios sorgen :-(
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner












