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19.02.2009 „Schutzschirm“ für Teststreifen!

Mehr Unterstützung sollten Typ-2-Diabetiker erhalten, die Teststreifen brauchen, um danach ihren Lebenstil auszurichten.

Oh, wie ungerecht! Da will die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler ihren drei Mal so großen Konkurrenten Conti-Reifen in einem toll-dreisten Coup übernehmen – scheitert dabei jämmerlich und sitzt jetzt auf einigen Milliarden Schulden. Schulden, für die sie selbst schuld ist – für die sich die Pelzträgerin aber nicht verantwortlich fühlt. Im Gegenteil: In barsch-herrischer Form fordert die Dame, die sich gerne in der Partyszene von Kitzbühl vergnügt, dass ihr der Staat helfe, fordert Geld aus einem der vielen „Schutzschirme“, welche die Regierung all denen aufspannt, die im großen Stil mit ihren größenwahnsinnigen Eskapaden Unheil über die Menschen gebracht haben. Dass sie vielleicht zuerst einmal Geld aus dem eigenen Vermögen in die Hand nimmt, kommt für Frau Schaeffler, genau so wie für die anderen Hasardeure natürlich nicht in Frage.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite sind die kleinen Leute mit ihrem Typ-2-Diabetes, die Teststreifen brauchen, um ihren Blutzucker zu messen – um nach diesen Werten dann den Lebensstil auszurichten, optimal zu essen, sich zu bewegen. Leute also, die Verantwortung für ihren Stoffwechsel übernehmen wollen, die sich nicht feige vor einer Herausforderung drücken. Gerade dieser Personengruppe wird aber mehr denn je die Unterstützung verweigert: „Mir wird vom Arzt jeder Teststreifen einzeln vorgezählt“, schreibt mir ein Leser aus Essen.

Meine Forderung deshalb: Klappt einige Schutzschirme für die allzu leichtsinnigen Spekulanten wieder zu – und klappt dafür lieber einen neuen für die auf, die wirklich Verantwortung übernehmen wollen – und die damit den Staat langfristig von hohen Kosten für die Diabetes-Folgen entlasten – und das garantiert. Denn im Gegensatz zu den vielen teuren Rettungsschirmen, deren Wirksamkeit selbst von vielen Experten massiv bezweifelt wird, beeinflusst das regelmäßige Messen des Blutzuckers die Zuckerwerte positiv: „Durch die Visualisierung des Risikos wird nachhaltig die notwendige Änderung des Lebensstils eingeleitet“ bilanziert der renommierte Düsseldorfer Diabetologe Professor Dr. Stephan Martin, der bahnbrechende Untersuchungen zu diesem Thema veröffentlicht hat.

Endlich mal eine Bilanz, die im Lot ist.

Kommentar

Hans-Jürgen Tilsner - 01.04.09 16:26

Sehr geehrter Herr Lauber,

ich hab den Blog einige Wochen nicht besucht und damit lange übersehen, wie Sie mir tatsächlich einmal aus der Seele geschrieben haben. Gerade beobachte ich wieder so ein Schicksal, das der Betroffene mit Teststreifen selbst seit einer Woche in die Hand genommen hat. Diagnose vor 1 Woche mit über 300und mg/dl mitten zwischen Frühstück und Mittagessen, inzwichen telefonisch mit HBA1c 10 bestätigt. Übermorgen sollen die Blutwerte und eine erste Therapie besprochen werden. Zu diesem Gespräch wird der Betroffene schon umfassende Tagesprotokolle mitbringen, die ausweisen, dass sein BZ inzwischen zu keiner Tageszeit mehr über 200 mg/dl ansteigt, also auch nicht nach den Mahlzeiten, und auf dem besten Wege ist, die meisten von 24 Stunden unter 150 zu bleiben. Völlig ohne Medis! Doch ja, auch mit viel Bewegung. Aber mit der vielen Bewegung hatte er auch die HBA1c 10 erreicht, denn er hat nicht erst seit 1 Woche, sondern seit 20 Jahren beruflich ein sehr hohes alltägliches Bewegungsprofil.

Das heißt, die schon jetzt erstaunliche BZ-Normalisierung hat er erreicht, indem er seinen Futterinput nach Art und Menge mit seinen regelmäßigen Messungen vor und nach dem Essen immer mehr so ausgerichtet hat, dass sein BZ mit insgesamt immer niedrigerem Verlauf immer weniger breit schwankt. - Ok, der Mann ist Techniker und hat die Teststreifen selbst gekauft und sich mit seinem BZ-Optimierungs-Programm nach den Empfehlungen eins pro-aktiven Diabetikers im Familienkreis gerichtet. Im normalen Behandlungsablauf würde er bei der Besprechung der Blutwerte am Freitag mit 300und mg/dl sitzen und wahrscheinlich Metformin bekommen und vielleicht 50 Streifen und die Ansage, damit mal morgens und abends zu messen und zu schauen, wie das Metformin und der gleichzeitig empfohlene Verzicht auf Fett denn anschlägt. Und in 2 Jahren würde als gutes Ergebnis der Behandlung gewürdigt, dass der HBA1c bei guter Führung und entsprechend verstärkter Medikation bei 7und ankäme. Und bei einem HBA1c um 7 verläuft der BZ über mehr als 10 von 24 Stunden weit über 200 mg/dl! Noch niedriger einzustellen ginge nicht wegen der zeitweise hohen körperlichen Belastung und des damit verbundenen erhöhten Hyporisikos.

Im normalen Behandlungsablauf wäre das Ergebnis, das der Mann de facto schon jetzt mit eigener Initiative und mit dem Schlüsselwerkzeug BZ-Messen auf seine eigenen Kosten erzielt, praktisch überhaupt nicht möglich. Nicht zuletzt, weil im normalen Behandlungsablauf nicht zum Gebrauch des BZ-Messens als Werkzeug zur Verhaltenssteuerung angeleitet wird. Mir absolut unverständlich, wie die normale Typ2-Behandlung auf ein so überzeugend einfach und wirksam anwendbares Werkzeug weitgehend verzichten kann!

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner

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