Hans-Jürgen Tilsner - 06.11.11 20:48
Sehr geehrter Herr Nuber,
danke für Ihre vorsichtige Einschätzung. Der Typ2-Heilung per Skalpell wird zunehmend aus Fach- und auch Betroffenenkreisen erschreckend eifrig das Wort geschrieben und geredet. Zugegeben, wer sehr viel mehr Kilos mit sich rum schleppt, als er eigentlich tragen kann, neigt dazu, nach jedem Erleichterungs-Versprechen zu greifen, auch wenn es bei näherem Hinschauen noch so strohhalmig daher kommt.
Bei näherem Hinschauen stellt sich der erstaunlich gesündere Blutzucker nämlich nicht erst Wochen nach der OP ein, wenn das Gewicht entsprechend nennenswert reduziert ist. Sondern der erstaunlich gesündere Blutzucker stellt sich schon in den ersten Tagen nach der OP ein, wenn tatsächlich nur eines gegenüber dem Vorher grundsätzlich anders ist: das Essen!
Eine kleine britische Studie an der Universität von Newcastle hat genau diesen Zusammenhang kürzlich bestätigt. Denn darin wurden Typ2 ohne OP auf genau so eine reduzierte Diät gesetzt, wie sie nach der OP normal und gesund ist, und sie produzierten damit den nach der Operation so publikumswirksam gefeierten völlig vergleichbare Blutwerte.
Die einzigen und allerdings kapitalen Haken an der Sache:
1. Die Diät ist vor allem mit der Endlos-Perspektive um Welten einfacher einzuhalten, wenn nach der OP jeder Versuch, ihre Grenzen zu überschreiten, direkt rückwärts gegessen werden muss.
2. Die Ernährung, die mit OP als völlig normal und gesund gilt, gilt ohne OP nach DGE und DDG als absolut mangelhaft und schon allein deswegen als völlig falsch, weil es eine Diät ist.
Und schließlich ist die Heilung per Skalpell bei aller vorsichtigen Einschätzung aber doch um Welten lukrativer und gesamtgesellschaftlich akzeptabler, als wenn DGE und DDG plötzlich einknickten und auf die haarsträubend billige Idee kämen, die gesunde Nach-OP-Diät absolut diametral entgegengesetzt zu ihren bewährten gesunden Prinzipien auch für ohne OP gesund zu erklären, und das womöglich sogar schon für Betroffene, die noch gar nicht so schrecklich übergewichtig sind. Was so ein Einknicken wohl an zukünftigen hochqualifizierten Arbeitsplätzen kosten würde?
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner










