26.03.2007 Studien zur gefährlichen "Schlaf-Apnoe": Wenn nachts die Atmung aussetzt

Gibt es überhaupt noch etwas Neues zu entdecken mit Blick auf den Typ-2-Diabetes? Manchmal offensichtlich schon, wie kürzlich bei einer Konsensuskonferenz der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) zum Thema Schlaf-Apnoe-Syndrom bei Menschen mit Diabetes und/oder Metabolischem Syndrom festzustellen war. Unter Schlaf-Apnoe versteht man eine Anhäufung von Phasen ohne Atmung von mehr als zehn Sekunden im Schlaf, die zu einem Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut führen, den davon betroffenen auch tagsüber müde und abgeschlagen machen und auf einen vorübergehenden Verschluß der Atemwege im Rachenraum zurückzuführen sind: Stichwort Schnarchen.
Und die Zahlen sind wirklich beeindruckend: Circa 5 Prozent der Bevölkerung leiden darunter – aber mindestens 25 Prozent der Menschen mit Diabetes. Geht man von Menschen mit Herzkrankheiten aus, sind mindestens 50 Prozent betroffen, wobei das Zusammentreffen von Schlaf-Apnoe-Syndrom und Herzkrankheiten die Lebensaussichten deutlich verschlechtern. 60 bis 80 Prozent der Menschen mit Metabolischem Syndrom haben gleichzeitig ein Schlaf-Apnoe-Problem. Insbesondere ein hoher Blutdruck ist mit dem Schlaf-Apnoe-Problem vergesellschaftet, und eine wirksame Behandlung der Atmungsstörung während des Schlafens senkt den Blutdruck markant. Die Ergebnisse zweier wirklichen Langzeitstudien über 14 und 19 Jahre mit Behandlung des Schlaf-Apnoe-Problems werden im laufenden Jahr 2007 erwartet. Nachdem die positiven Effekte auf den Bluthochdruck wohl gesichert sind, sollten auch weniger schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse unter der Behandlung aufgetreten sein. Man wird sehen.
Ob es darüber hinaus direkte Zusammenhänge mit dem Diabetes gibt, bleibt ebenfalls abzuwarten. Aber schon die Zahlen von betroffenen Menschen mit Diabetes sind alarmierend genug und erfordern dringend mehr Aufmerksamkeit. Dabei besteht die wichtigste Verbindungsbrücke via Übergewicht und vermehrtem Halsumfang, fünf Kilogramm Gewichtsabnahme verbessern oft das Schlaf-Apnoe-Problem erheblich. Ein einfacher Fragebogen kann wichtige Hinweise für das Vorliegen des Problems liefern oder es weitgehend ausschließen, schwierigere Fälle müssen in einem „Schlaf-Labor" abgeklärt werden.
Die Behandlung umfaßt ähnlich wie beim Diabetes ein ganzes Paket von Maßnahmen: Information und Schulung, Änderungen des Lebensstils insbesondere mit Blick auf Körpergewicht und Alkoholkomsum sowie unter Umständen den Einsatz einer Art Atemmaske, die den Druck in den Atemwegen leicht anhebt und damit das Grundproblem beseitigt. Im übrigen sind keineswegs nur Männer betroffen, sondern auch viele Frauen – wie generell beim Metabolischen Syndrom und bei Diabetes. Entsprechende Screening-Maßnahmen sind bei beiden Geschlechtern sinnvoll, beide profitieren von den neuen Erkenntnissen über die Zusammenhänge zwischen Schlaf-Apnoe-Syndrom und Bluthochdruck, Metabolischem Syndrom, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes.
Prof. Dr. Eberhard Standl
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