Sehr geehrter Herr Nuber,
woher wollen Sie wissen, dass die "allermeisten Diabetiker in Deutschland" weder den Deutschen Diabetiker Bund (DDB) als Vertretung der betroffenen Diabetiker noch diabetesDE als Vertretung der verschiedenen Berufsgruppen um das Thema Diabetes kennen?
Ich bin Mitglied im DDB und gehe davon aus, dass durch die Publikationen beider Interessenvertretungen eine doch erhebliche Anzahl an betroffenen und hoffentlich auch interessierten Diabetikern erreicht wird. In wie fern auch die politisch Verantwortlichen dadurch erreicht werden, mag dahingestellt sein.
Umso wichtiger ist es, dass sich die Interessenvertretungen beider Organisationen auf politischer Ebene entsprechend Gehör verschaffen.
Allerdings plädiere ich dafür, dass beide Interessen-Verbände eigenverantwortlich ihre Ziele definieren und bei den verantwortlichen Politikern zum Ausdruck bringen.
Sofern die Ziele übereinstimmen, können diese auch in gemeinsamen Erklärungen zum Ausdruck gebracht werden.
Diese Differenzierung ist meines Erachtens erforderlich, weil ich den Zielen von diabetesDE nicht uneingeschränkt zustimmen kann. Ich kann mich des Gefühls nicht entledigen, dass die Interessen der Berufsverbände in diabetesDE, der Pharmaindustrie und der im DDB organisierten Diabetiker nicht immer die gleiche hintergründige Zielrichtung haben.
Mit freundlichem Gruß
Uwe Ehlers
Sehr geehrter Herr Nuber,
mit EINER Stimme die Interessen der Diabetiker vortragen ist ein heeres Ziel - besonders dann, wenn nicht einmal ein einziger der Vereine, die wir da in unserem Boot sitzen sehen, ein verständliches und schlüssiges Ziel für sich selbst formuliert hat.
Was sind denn die Interessen der Diabetiker? - Frau Bohnes hat schon vorgelegt und als ihr wichtiges Interesse die freiere Pumpenversorgung benannt. In ähnlicher Weise werden das die meisten von uns Betroffenenn für sich formulieren können, also frei zusammengefasst: Es möge sich an unserer Versorgung, wie wir sie noch vor 2 oder 3 Jahren gewöhnt waren, nichts ändern. Dumm nur, dass der Wunsch schon heute absolut unrealistisch ist. Denn schon heute übersteigen die Kosten für unsere Versorgung ohne die seit 2 oder 3 Jahren leise abgespeckten Leistungen die Finanzierungsmöglichkeiten unseres Gesundheitssystems. Und was das System heute noch zu verteilen hat, wird im Rahmen dieses Jahrzehnts für wenigstens die doppelte Menge an Betroffenheiten reichen müssen. Dabei werden die zusätzlichen Neuen, die kürzlich die Medien mit großen Zahlen schockten, einstweilen nur eine Marginalie bilden. Unendlich viel gewaltiger werden die Folgekrankheiten der längst gezählten Betroffenen zu Buche schlagen, die im Rahmen der letzten 10-20 Jahre ihrer immer intensiveren Behandlung im Verlaufe ihrer Krankheitsprogression nun schlicht an der Reihe sind mit immer apperen Füßen und immer blinderen Augen und ... und damit im Durchschnitt wenigstens 5mal so viel Mehrkosten gegenüber dem Versichertendurchschnitt, wie als Diabetiker ohne Folgekrankheiten.
Denn an der Anzahl der Folgekrankheiten pro 1.000 Betroffene hat sich seit 1989 praktisch nichts geändert, obwohl damals die Deklaration von St-Vincent http://www.diabsite.de/infos/experten/lesefutter/000411-gries.html ein Super-EIN-Stimmen-Ansatz war und das sehr konkret versprochen hatte. Gelungen sind seitdem nur Verbesserungen, die mit hohem und weiter zunehmendem finanziellem Aufwand die Folgekrankheiten in ihren Belastungen gelindert und erträglicher gestaltet und vom Einsetzen bis zum Erreichen des jeweiligen Endpunktes verlängert haben. Also die längere Erhaltung des Fußes und die Abnahme der Funktion in immer kleineren Schritten von der ersten Entzündung bis zur kompletten Amputation. Und die längere Erhaltung des Sehvermögens vom ersten Lasern der Netzhaut bis ... usw.usw.
Welche soziale Sprengkraft mag sich wohl entfalten, wenn die medizinischen Dienste eine um die andere dieser wahnsinnig teuren Linderungen und Verlängerungen in diesen und den kommenden Jahren wieder zurückdrehen müssen? Ok, zuerst bei immer mehr 70jährigen und älteren. Und dann bei immer mehr 60jährigen! Und wer denkt denn wirklich heute schon daran, dass diabetische Folgekrankheiten mit ihren kostenintensiven Dauer- und Folgebehandlungen in erschreckender Zahl auch längst bei Betroffenen angekommen sind, die gerade erst ihren 50. Geburtstag gefeiert haben? - Was wollen wir diesen Menschen und dem Rest der Gesellschaft und der Politik zu diesen Menschen mit EINER Stimme sagen?
Mit neugierigen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner
Sehr geehrter Herr Nuber, die Idee, daß die einzelnen Verbände sich zum Nutzen der Diabetiker zusammentun sollten, kann ich nur unterstützen. Aber nicht nur die Politik muß angesprochen werden, auch gegenüber den Krankenkassen müßte es einen gewichtigen Vertreter geben, der unsere Interessen vertritt. Ich habe den Eindruck, daß im Moment versucht wird, die Weiterverordnung von Insulinpumpen zu verhindern. Angesichts der Anforderungen, die z.B. die BEK stellt, werde ich den Verdacht nicht los, daß da gegen das Diskriminierungsgebot verstoßen wird. Nicht die Verordnung und Beurteilung des behandelnden Arztes zählt, die BEK will selber prüfen, ob sie einen teuren Kostenfaktor weiter unterstützt!!!! Ein starker Verband sollte gegen solche Praxis dringend einschreiten. Mit freundlichen Grüßen Gisela Bohnes