17.09.2010 Verzweifelte verzweifelt gesucht

In einigen deutschen Medien scheinen Menschen, die mit gutem Beispiel voran gehen, nicht erwünscht zu sein. Wenn es um die Bewältigung einer Erkrankung wie Diabetes mellitus Typ 2 geht, gilt anscheinend "Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten" .

Typisch deutsch: Neulich rief mich der Redakteur einer bekannten abendlichen Talksendung an. Er suchte einen Diabetiker, der Probleme mit der Ernährung hat.

"Da bin ich der Richtige", sagte ich, erzählte begeistert von meiner Umstellung des Essens auf viel Salat, Gemüse; erzählte, wie es mir damit gelungen ist, seit bald zehn Jahren meinen Lebensstil (Typ-2)-Diabetes ohne Medikamente zu besiegen. Plötzlich merkte ich aber, das interessiert den Mann vom hoch subventionierten öffentlichen Fernsehen nicht. Er suchte etwas anderes, etwas typisch Deutsches: Einen Jammerer. Einen, der den Leuten vorgreint, wie er immer wieder an seiner falschen Ernährung, an ihren Folgen verzweifelt. Einen, der es halt einfach nicht schafft, nicht schaffen will.

"Ich bin froh über meinen Diabetes", sagte ich dann pointiert, "denn er gab mir das Signal, endlich die Ernährung umzustellen, und zwar auf Dauer". Fassungslos meinte er dann nur: "Nein, das ist nichts für uns" und beendete das Gespräch abrupt.

Die Sache ist symptomatisch. Denn fürs Fernsehen werden meist diese Jammerer gesucht, über welche dann die anderen Besserwisser herfallen können. Und wo wieder andere dann ihre rituellen Hilfen andienen können, etwa die "Oberbemutterin der Nation", Ursula von der Leyen. Schwer haben es da Leute wie ich und viele andere, die ihren Diabetes aus eigener Kraft in den Griff bekommen haben, der Solidargemeinschaft hohe Ausgaben, etwa für Medikamente, erspart haben. Leider ist das für die klatschsüchtigen Staatsmedien keine gute "Story".

Wobei dieselben verlogenen Fernsehfunktionäre um den 14. November herum, dem Weltdiabetestag, wieder mit einer scheinbar aus dem heiteren Himmel gefallenen Meldung aufgeregt hausieren gehen werden:

"Auch 2010 werden wieder 300 000 neue Typ-2-Diabetiker zu den jetzt schon 12 Millionen Diabetikern dazukommen".


Kommentar

Nicole Mattig-Fabian aus Berlin - 20.09.10 14:26

Herr Lauber spricht mir aus dem Herzen! Wenn selbst die öffentlich-rechtlichen Sender lieber nach boulevardesker Öffentlichkeit schreien, anstatt die Öffentlichkeit sachlich zu informieren, was ihr ureigener bildungspolitischer Auftrag wäre, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass unsere Botschaften keinen erreichen.

Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 20.09.10 14:02

Aber Herr Lauber!

"Ich bin froh über meinen Diabetes", wie können Sie nur so etwas sagen? Wir leiden gefälligst an unserem Diabetes! Der gute Diabetiker lässt seinen Diabetes ärztlich einstellen und nach und nach mit immer mehr Medis und mit immer mehr Beschwerden immer weiter nachstellen. Es kommt uns Betroffenen einfach nicht zu, uns dieser standardmäßig gesetzten Therapie-Eskalation zu entziehen und gegen jede medizinische Regel auf eigene Faust unseren Blutzucker steuern zu wollen - am Ende gar völlig gesund - oder?

Diabetes wird ja erst diagnostiziert, wenn der Mensch morgens nüchtern mit mehr als 125mg/dl aufwacht oderund 2 Stunden nach dem Input von 75g Glukose noch über 200 misst. Also so himmelweit über dem gesunden Verlauf, dass dahinter schon eine recht fortgeschrittene Defektentwicklung stehen muss. Die ist allerdings bisher vor allem bei Typ2 nur in Teilen bekannt und in Bezug auf Reparaturmöglichkeiten noch überhaupt nicht erforscht. Zwar wird zunehmend gewaltiger an Übergewicht bekämpft, aber trotzdem gibt es bislang keinen einzigen dokumentierten Fall, in dem allein mit gesundem Gewicht ein wirklich gesunder Blutzucker-Verlauf erreicht worden wäre.

Gesund sorgt eine geniale Automatik aus mehreren Mitspielern (auch da sind noch nicht alle bekannt) dafür, dass immer genug Zucker im Blut ist, damit die Zellen sich den bei Bedarf als Treibstoff nehmen können, aber nie zuviel, weil schon gerinnge Mengen zuviel anfangen können, Schaden zu stiften. Wenn einer der Mitspieler mal ein Tief hat, gleichen die anderen das automatisch so aus, dass der Blutzucker weiterhin nüchtern und zwischen den Mahlzeiten irgendwo zwischen gut 60 und gut 80mg/dl verläuft und nur etwa 1 Stunde nach dem Einverleiben von viel Stärke=Zucker kurz für ein paar Minuten über 130 reicht und vielleicht an 140 stößt.

Immer mehr pro-aktive Prädiabetiker und Diabetiker sorgen systematisch dafür, dass auch ihr Blutzucker den gesunden 1-Stunden-Maximalwert von 140mg/dl selten bis gar nicht übersteigt. Mit großem Erfolg! Denn wer schon zum Diabetiker ernannt ist und regelmäßig Medikamente bis hin zu Insulin für sehr viel höhere Blutzucker-Verläufe nimmt, kommt mit maximal 140mg/dl mit sehr viel geringeren Dosen und entsprechend weniger Nebenwirkungen aus, manchmal sogar völlig ohne Medis. Und Prädiabetiker kommen damit völlig ohne Medis aus und müssen erst sehr viel später bis vielleicht sogar überhaupt nicht auf Diagnose Diabetes vorrücken.

Das Rezept für den gesunden Blutzucker-Verlauf ist für Prädiabetiker ganz einfach und ohne leidvolle Entbehrungen umsetzbar, wie weltweit immer mehr Beispiele zeigen:
1. Stärke-=Zucker-Anteile an den Mahlzeiten so wählen, dass der Blutzucker eine Stunde nach dem Einverleiben nicht über 140mg/dl ansteigt.
2. Für mehr Stärke-=Zucker-Anteile passende Bewegungsanteile in die Stunde direkt nach dem Essen verlegen oder dort zusätzlich einschieben.

Selbstverständlich kann nur jeder Betroffene für sich selbst austesten, was an Stärke zu welcher Mahlzeit mit oder ohne anschließende Bewegung für ihn in seinen gesunden Blutzucker-Rahmen passt. Und nach dem gesunden Menschenverstand wäre nur logisch, wenn alle Ärzte dazu einladen und anleiten würden, wenn sie bei einer Blutuntersuchung einen höher als gesunden Blutzucker entdecken. Stattdessen kann man viele hundertmal am Tag in Arztpraxen allein in D etwa solches hören:
"Ihr Blutzucker ist etwas höher. Nein, nein, keine Angst, das ist noch lange kein Diabetes. Aber das müssen wir natürlich beobachten."
Wenn dann noch mehr kommt, dann der Rat zum Abnehmen und dazu, weniger Fett und mehr so genannt gesunde Kohlenhydrate (Stärke=Zucker!) zu essen, mit der die Spitzen nach dem Essen selbstverständlich noch höher ansteigen und noch länger ungesund hoch verweilen. -

Wie Sie schon schreiben, für auch in diesem Jahr wieder 300.000 neue Diabetiker.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner

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