28.01.2011 Viel Wissen sprengt Korsett

"Wer macht schon gern etwas, was ihm Unbehagen bereitet, mit dem er sich unwohl fühlt oder bei dem er sich ständig verbiegen muss?" Wenn die Diabetestherapie nicht zum Leben passt, können die richtigen Informationen weiterhelfen.

Immer wieder, wenn Leser bei uns in der Redaktion anrufen und uns aus ihrer Diabetesgeschichte und von ihrer Diabetestherapie erzählen, habe ich das Gefühl, dass sie ein „Diabeteskorsett“ tragen, das ihnen nicht passt. Manche merken es auch selbst, dass ihr Leben und ihre Therapie nicht zueinander passen – deshalb rufen sie an, um einen Rat zu bekommen. Andere haben ganz andere Fragen, und im Lauf des Gesprächs zeigt sich dann die Diskrepanz zwischen Leben und Therapie.


Was können wir in solchen Fällen tun?
Konkrete medizinische Tipps dürfen wir nicht geben – wir sind nicht die behandelnden Ärzte. Aber wir dürfen den Anrufenden Mut machen – und zwar, aus ihrem nicht passenden Korsett auszubrechen. Denn das ist ihre Möglichkeit, in eine Therapie hineinzukommen, mit der sie zufrieden sind, was wiederum die Qualität der Diabeteseinstellung steigern kann. Denn wer macht schon gern etwas, was ihm Unbehagen bereitet, mit dem er sich unwohl fühlt oder bei dem er sich ständig verbiegen muss (wie mitunter Straßenschilder)?


Um ausbrechen zu können, müssen aus meinem Blickwinkel einige Bedingungen erfüllt sein: Das fängt an bei der Kenntnis, die der einzelne über den Dia­betes, seine Ursachen und seine Therapiemöglichkeiten besitzt. Diese Kenntnisse kann jeder Betroffene auf verschiedensten Wegen erlangen. An erster Stelle steht hier die Schulung, die direkt nach der Diagnosestellung erfolgen sollte. Sie bietet die Chance, dass jeder Diabetiker sofort verstehen kann, was der Diabetes bedeutet und wie wichtig seine gute Behandlung ist. Auch wiederholte Schulungen sind nötig, weil sich die Therapiemöglichkeiten über die Jahre stetig verändern, je nach Forschungsstand und politischen Entscheidungen.


Genauso wichtig wie die Schulungen ist die Selbstkontrolle des Blutzuckers; diese Rückmeldung über die eigenen Körperreaktionen macht deutlich, wo das Korsett passt, wo es möglicherweise zu weit ist oder auch zu eng. Aber wer die Selbstkontrolle einsetzt, braucht mehr als die Teststreifen und ein Gerät: Nötig ist auch die Fähigkeit, die gemessenen Werte zu interpretieren. Und dazu ist wieder eine gute Schulung erforderlich, in der genau diese Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden.


Informationen kann sich jeder noch auf weiteren Wegen beschaffen: Bei jedem Arztbesuch, bei dem es um den Diabetes geht, können Sie Fragen stellen; wer sichergehen will, keine Frage zu vergessen, notiert sich am besten seine Fragen im Vorfeld und nimmt den Zettel zum nächsten Arztbesuch mit. Dasselbe funktioniert übrigens auch zwischen den einzelnen Schulungsterminen: Kommt einem eine Frage in den Sinn, notieren Sie sie; so geht sie nicht verloren.

Ansprechbar für Ihre Fragen sind auch die Diabetesberaterinnen und -assistentinnen in der Praxis; viele Ihrer Fragen sind bei ihnen gut aufgehoben.
Selbsthilfegruppen sind eine weitere gute Informationsquelle. Je nach Aus- und eigener Weiterbildung der an der Gruppe Teilnehmden können Sie hier viele Antworten auf Fragen bekommen. Fachzeitschriften und Diabetesveranstaltungen mit Experten dienen ebenso Ihrer Information. Und mit diesem umfassenden Wissen können Sie dann raus aus einem möglicherweise nicht passenden Therapiekorsett – damit Sie sich wohlfühlen können mit Ihrem Diabetes.

Dr. Katrin Kraatz
Redaktion Diabetes-Journal

Kommentar

Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 08.02.11 17:56

Sehr geehrte Frau Dr. Kraatz,

gerne stimme ich Ihnen zu:
Wer nicht weiß, worum es bei seiner Krankheit und ihrer/seiner Behandlung im wesentlichen geht, kann sich nur hilflos in das eine oder andere Einstellung genannte Behandlungs-Korsett eingezwängt fühlen. Nur, warum finde ich dann die einfachsten Basis-Infos nicht in meinem DJ?

Konkrete medizinische Tipps dürfen Sie nicht geben - aber was wäre daran ein unzulässiger medizinischer Tipp, wenn das DJ öfter mal eindeutig informierte,

- dass der Diabetes für die meisten Betroffenen gar keine Krankheit mit eigener Symptomatik ist, sondern ein reines Zahlenspiel mit eher administrativ als medizinisch festgelegten Grenzwerten? In dem aktuell zum Diabetiker ernannt wird, wer mit mehr als 125mg/dl nüchtern morgens aufsteht oder/und 2 Stunden nach dem Zuckerwassertest noch mehr als 200 misst?

- dass ein echter Nichtdiabetiker mit 65-85mg/dl morgens aufsteht und etwa 1 Stunde nach dem Einverleiben von beliebig viiiiiiiiiiel Zucker für ein paar Minuten 120-140 misst und nach 2 Stunden wieder um 85? Wie z.B. hier schön grafisch dargestellt http://www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php und anlässlich des 13.09.2006 Treffens der European Association for the Study of Diabetes (EASD) vorgestellt?

- dass das Leben für jeden Diabetiker umso gesünder bleibt/wird, je öfter und länger er seinen Blutzucker im völlig gesunden Bereich steuert, weil jedes Stück Blutzucker-Verlauf über den gesunden Rahmen hinaus mit zunehmender Höhe und zunehmender Dauer zunehmend krank machen kann?
Und weil der Diabetes an der gesund kurzen Leine ohne höher als gesunden Blutzucker mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überhaupt nicht krank macht?

Mit neugierigen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner

Kommentar abgeben

* Pflichtfelder

Kommentare werden nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Inhalte oder Werbung beinhalten, werden nicht veröffentlicht, ebenso Beiträge, die nicht zum Thema gehören, und Spams.

Jetzt bookmarken:del.icio.usMister Wongoneviewgoogle.comYahooMyWebWebnewsYiggItLinkaARENAlive.comMa.gnolia
Bookmark and Share

Aktuelle Ausgabe

  • Themen im Mai:
    • Diabetes-Hilfsmittel
    • Bluthochdruck
    • Abnehmen
    • Thailändisch Kochen

Diabetes-Lexikon

Das Diabetes-Journal auf Facebook & Twitter

Die Online-Frage

Achten Sie darauf, nicht zu viel Salz zu sich zu nehmen, um das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren? Hintergrund

Ja

Nein

Das „Echt Essen"-Gasthaus des Monats

Ausprobiert: Geräte im Anwender-Test

Dr. med. Katrin Kraatz, selbst Typ-1-Diabetikerin, testet für Sie Geräte des Diabetikerbedarfs!

diabetestour – Ihr Gesundheitstag vor Ort

Diabetes-Bücher im Kirchheim-Shop

Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7

Das Diabetes-Journal ist Medienpartner der Diabetes-Aufklärungskampagne.