Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 29.05.10 23:10
Sehr geehrter Herr Dr. Langer,
ich stelle mir Ihre 3 Beispiel-Patienten gerade in der Sprechstunde bei ihrem Fahrlehrer vor,
- den eifrigen Kleingärtner, der ganz schrecklich findet, dass man auf der Straße bei uns immer rechts fahren und so eine enge Spur einhalten und sooo vielen Verkehrszeichen folgen und in jeder Sekunde auf all die anderen Verkehrsteilnehmer achten muss und der deswegen lieber seine Frau fahren lässt,
- die furchtsame Familienmutter, die sich kaum auf die Straße traut, wo sich alles und alle gegen sie verschworen haben, und die akribisch jeden Schritt in ihrem Fahrtenbuch notiert und die wenigsten Beulen und Kratzer an ihrem Auto hat, und
- die junge Tauchurlauberin, die ganz schrecklich findet, wie ihr Vater vom Beifahrersitz jeden ihrer Handgriffe und jede ihrer Aktionen wohlwollend bis zahnschmerzenhaft missbilligend verfolgt und die viel lieber mit ihrem Fahrleher über ihr gemeinsames Tauch-Hobby fachsimpelt ;-)
Wie? Die Vorstellung solcher Sprechstunden-Erfahrungen beim Fahrlehrer finden Sie verrückt? Warum das? Weil man in der Fahrschule mit einem KFZ im alltäglichen Straßenverkehr umzugehen lernt und dann keinen Fahrlehrer und keine Sprechstunde bei ihm mehr braucht?
Haben Sie sich schon einmal bewusst vergegenwärtigt, das 1 Stunde unfallfrei und regelkonform Autofahren im Stadtverkehr weit komplizierter und komplexer und im wahrsten Sinne des Wortes verantwortungsvoller ist, als 24 Stunden den eigenen Blutzucker gesund steuern? Und dass sich eigentlich jeder Diabetologe ein Armutszeugnis ausstellt, der für die einfachere Fertigkeit in seinem Fachbereich nicht schafft, was von jedem Fahrlehrer in dessen Fachbereich selbstverständlich erwartet wird? Nämlich seinen Diabetes-Schülern den gesunden Umgang mit ihrem Blutzucker so zu vermitteln, dass die anschließend völlig selbständig im Rahmen von HBA1c 5-6 damit zurecht kommen?
Selbstverständlich will die Frage Sie nicht persönlich treffen, auch wenn Sie mit Ihrer Plauderei aus der Sprechstunde so eine schöne persönliche Vorlage dafür geliefert haben. Sie richtet sich natürlich vor allem an das System, das Sie und Ihre Kollegen in keiner Weise zu solcher Anleitungsleistung zur Selbständigkeit Ihrer Diabetiker ausgebildet hat und ausbildet, und das uns Betroffene - vorsichtig formuliert - in keiner Weise zu entsprechender Entfaltung eigenverantwortlicher Aktivität einlädt, wie in diesem Forenbeitrag ausführlicher skizziert: http://www.onmeda.de/foren/forum-diabetes/fehlleitendes-behandlungs-system/1846794/read.html
Mit freundlichen Grüßen aus Oelde
Hans-Jürgen Tilsner












