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05.06.2007 Wandel bei Herzspezialisten: Kardiologen nehmen Diabetes ernst

Diabetes und Herzerkrankungen sind oft nur zwei Seiten einer Medaille - das beherzigen inzwischen auch Herzspezialisten.

Bei den Herzspezialisten ist in den letzten Jahren ein tiefgreifender Wandel eingetreten: Die Kardiologen nehmen den Diabetes mittlerweile sehr ernst. Sie sprechen mit Blick auf Diabetes von einem Äquivalent für eine Herzkrankheit. Diabetes und Herzkrankheit an den Herzkranzgefäßen ("Koronare Herzkrankheit") erscheinen oft als die zwei Seiten einer Medaille: Rund 70 Prozent aller Patienten mit Koronarer Herzkrankheit haben gleichzeitig Diabetes oder eine Vorstufe, eine "gestörte Glukosetoleranz", und 70 Prozent aller Menschen mit Diabetes entwickeln im Laufe der Zeit eine schwerwiegende Koronare Herzkrankheit.

Erstmals haben daher die Deutschen Kardiologen das von der Deutschen Diabetes-Union koordinierte Nationale Aktionsforum Diabetes mellitus – den Lesern des Diabetes-Journals unter der Abkürzung NAFDM bekannt – zu ihrem Jahreskongreß in Mannheim eingeladen, eine ganze wissenschaftliche Sitzung zu organisieren. Das Interesse war sehr groß. Vorgetragen wurden zum einen Projekte, die das NAFDM fördert, wie das Testen aller Herzinfarktpatienten einer großen Klinik auf das Vorliegen eines versteckten, also bis dato nicht entdeckten Diabetes. Und die Zahlen sind natürlich dabei in Deutschland nicht anders als überall sonst in Europa, nur betreffen sie einen unmittelbar.
20 Prozent hatten denn auch einen bislang unbekannten Diabetes und ein weiteres Viertel eine gestörte Glukosetoleranz. Gerade hat der Euro Heart Survey bei Nachuntersuchungen solcher Patienten nach einem Jahr gezeigt, daß diejenigen Infarktpatienten, bei denen zumindest eine blutzuckersenkende Behandlung eingeleitet wurde, deutlich besser hinsichtlich weiterer Komplikationen abschneiden als diejenigen, bei denen nach der Diagnose keine Behandlung erfolgt ist. Das Einhalten von Leitlinien zur Behandlung ist daher wichtig.

Das ebenfalls vorgestellte "Sweetheart-Register", das u.a. unter der NAFDM-Schirmherrschaft steht und 1000 Infarktpatienten in ganz Deutschland genau hinsichtlich der Anwendung der Leitlinien beobachten will, wird dazu einen großen Beitrag leisten. Die kürzlich gemeinsam von den europäischen Kardiologen und Diabetologen veröffentlichten Leitlinien waren ein weiterer Schwerpunkt des NAFDM-Symposiums beim Deutschen Kardiologenkongreß. Insbesondere ging es auch darum, was vorsorglich getan werden kann. Diabetes verhindern, Herzkrankheiten verhindern ist da ein wichtiger Ansatz, den nunmehr auch die Kardiologen verfolgen.

Diabetologen und Kardiologen sollten dabei fachübergreifend eng zusammenarbeiten. Das bedeutet aber auch, daß bei Menschen mit Diabetes in regelmäßigen Abständen nach einer Herzkrankheit gefahndet werden sollte. Die Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft passen hierbei sehr gut zu den europäischen Leitlinien und geben eine Vorgehensweise mit EKG, Belastungstest, Herzecho usw. vor. Natürlich muß das alles in der Praxis in guter Abstimmung zwischen Patient und Arzt und mit entsprechender Aufklärung und Information geschehen. Der Gesundheits-Paß Diabetes kann auch da für eine gute Dokumentation (z. B. wann was durchgeführt wurde) hilfreich sein. Eine Art Herz-TÜV also. Denn ernst nehmen ist das Entscheidende; das sollte man nicht nur den Kardiologen überlassen, sondern sollte möglichst von allen Beteiligten mit Blick auf die Betreuung bei Diabetes "beherzigt" werden, Hausärzten, Diabetesspezialisten, Diabetesberatern genauso wie denjenigen, um die es geht: den Menschen mit Diabetes.

Prof. Dr. Eberhard Standl
Chefredakteur

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