Rudolf Hoth aus 41352 Korschenbroich - 26.11.09 17:50
Ja warum sagt uns denn keiner wie man die Kurve flach hält. Antwort: dann würde unsere Gesundheitsindustrie vor dem Kollaps stehen.
Rudolf Hoth
Ist unser Blickwinkel richtig, wenn wir immer den HbA1c-Wert als entscheidenden Maßstab für die Diabeteseinstellung heranziehen? Oder gibt es nicht auch andere Faktoren, die eine Rolle dabei spielen, ob das Risiko für Folgeerkrankungen oder akute Komplikationen niedrig ist oder hoch? Diese Frage stellte sich mir mal wieder während einer internationalen Pressekonferenz beim diesjährigen Kongress der Europäischen Diabetesgesellschaft (EASD), den Ende September rund 18 000 Experten aus 120 Ländern in Wien besuchten; die Rede war von HbA1c-Zielwerten – und keiner der Experten wollte sich wirklich auf einen Zielwert festlegen. Immerhin: Bei Typ-1-Diabetikern scheint die Antwort einfacher zu sein als bei Typ-2-Diabetikern; für Erstere gibt es in Studien Hinweise auf einen direkten Zusammenhang zwischen HbA1c-Wert und Auftreten von Folgeerkrankungen, sagten die Experten in Wien. Und hier gilt nach ihrer Meinung: je niedriger, desto besser.
Typ-2-Diabetiker: Individuell betrachten
Für Typ-2-Diabetiker ist das schwieriger. Denn es gibt einfach nicht die Typ-2-Diabetiker: Die einen sind jünger, die anderen älter; die einen sind, abgesehen vom Diabetes, gesund, die anderen haben weitere Erkrankungen, zum Beispiel an den Gefäßen des Herzens. Deshalb ist es ganz wichtig, differenziert vorzugehen. Individuelle Medizin ist gefragt!
Und hier kommt ein weiterer Aspekt ins Spiel, den die EASD-Experten ausdrücklich hervorhoben: Je besser jeder einzelne Diabetiker informiert ist, desto besser kann er in Zusammenarbeit mit seinem Arzt entscheiden, welche Zielwerte für den Blutzucker, das HbA1c oder auch weitere Parameter passend sind. „Wir sollten die Zahl informierter Patienten erhöhen“, hieß es. Dem kann ich nur zustimmen.
Glukoseschwankungen beeinflussen offenbar Risiko
Dennoch bleibt die anfangs gestellte Frage offen: Ist das HbA1c alles? Zunehmend zeigt sich, dass offenbar auch die Schwankungen der Glukose im Körper eine Rolle in Bezug auf das Risiko für Folgeerkrankungen spielen – wir können sie inzwischen gut mit dem kontinuierlichen Messen der Glukose im Zwischenzellgewebe feststellen. Eine jüngst erschienene Veröffentlichung berücksichtigt genau diese Schwankungen, zusätzlich zu den anderen bekannten Faktoren – und gibt Hinweise darauf, dass alle Faktoren zusammen das Risiko beeinflussen. In Versuchen mit Zellen zeigte sich außerdem, dass Zellen der Gefäßinnenwand bei stark schwankenden Glukosespiegeln deutlich mehr Schaden nehmen, als wenn die Glukosewerte ständig erhöht sind. Das ist allerdings kein Freibrief dafür, jetzt seine Zuckerwerte konsequent auf einem hohen Niveau zu halten! Ziel muss eher sein, Glukosewerte in einem normnahen oder individuell mit dem Arzt zu besprechenden Bereich zu erreichen, ohne dabei durch sich wiederholende Unterzuckerungen in schwankende Werte hineinzugeraten. Stabile Werte auf einem individuell passenden Niveau sind wahrscheinlich das Beste.
Bisher sind das, so sieht es auch Prof. Dr. Thomas Pieber, Präsident der diesjährigen EASD-Tagung, alles nur Hypothesen, also Behauptungen, die noch zu beweisen sind; derzeit gibt es nur Hinweise auf die Zusammenhänge. Aber jeder, der täglich mit seinem Diabetes lebt, weiß: Das Vermeiden oder zumindest Reduzieren der Unterzuckerungen ist zum einen eine Wohltat, weil der Tagesablauf nicht dadurch beeinträchtigt wird. Zum anderen fehlen dadurch die Zuckeranstiege, die trotz aller Bemühungen nach einer Unterzuckerung oft entstehen. So können wir hoffen, dass sich bald zeigt, welchen Stellenwert Glukoseschwankungen bei Diabetikern tatsächlich haben.
Rudolf Hoth aus 41352 Korschenbroich - 26.11.09 17:50
Ja warum sagt uns denn keiner wie man die Kurve flach hält. Antwort: dann würde unsere Gesundheitsindustrie vor dem Kollaps stehen.
Rudolf Hoth
Hans-Jürgen Tilsner - 25.11.09 17:36
Sehr geehrte Frau Bohnes,
ob ein Insuliner beim Autofahren oder bei der Gartenarbeit aus 80mg/dl unterzuckert, liegt nicht am Typ, sondern am zu der Zeit wirksamen Insulin: Wenn der BZ dabei absinkt, ist ganz einfach zu viel gespritzt worden.
Ich kenne Typ1, die bei 80mg/dl 1 Stunde joggen können, ohne zu unterzuckern, nicht weil es bei ihnen so gut läuft, sondern weil sie gelernt haben, ihren BZ so (http://www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php) gesund zu steuern. Und ich werfe nicht Ihnen, sondern unserem DJ vor, dass es auf solche Möglichkeiten zu solchem Lernen nicht hinweist.
Sie haben völlig recht: Mit der normalen ICT-Einstellung leben wir Insuliner mit 80mg/dl unerträglich nah der Unterzuckerungsgrenze. Mit der normalen ICT liegt der Start unserer (in der Grafik blauen) BZ-Kuve vor dem Essen zwischen 100 und 140, die Spitze um 1 Stunde nach dem Essen deutlich über 200 und häufig auch über 300. Und von da sinkt der BZ dann bis zur nächsten Mahlzeit in einem großen Bogen wieder auf 140-100 ab.
In diesen hohen und weiten Bögen zwischen den Mahlzeiten, die wir in normalen Schulungen nicht zu messen und zu begrenzen lernen, liegt der größte Teil vom Antrieb für jeden höheren HBA1c-Wert.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner
Gisela Bohnes aus 58675 Hemer - 24.11.09 18:51
Lieber Herr Tilsner ,
ich verstehe leider nicht genau, was Sie mir sagen wollten. Bei einem BZ von 80 denke ich noch lange nicht an eine Hypo. Aber ich würde mit diesem Wert nicht Auto fahren, das wäre mir wirklich zu gefährlich. Ich könnte mit diesem Wert auch nur sehr begrenzt im Garten arbeiten, einkaufen gehen oder Sport machen. Ich fühle mich bei Werten über 100 mg einfach mehr auf der sicheren Seite. Ich laufe aber auf der anderen Seite nicht tageweise mit einem BZ von 300 mg + herum. Mir persönlich wird ab ca 200 mg + übel.
-Ich stehe mit meinen Erfahrungen aber nicht allein, wie ich aus vielen Gesprächen weiß. Vielleicht liegt der Unterschied einfach darin, daß Sie offenbar ein Typ-II sind und ich ein fast lebenslanger Typ-I? -
Mit freundlichen Grüßen
Gisela Bohnes
Hans-Jürgen Tilsner - 22.11.09 12:15
Sehr geehrte Frau Bohnes,
Sie sprechen die typische Insuliner-Therapie-Falle an: Mit der normalen Behandlungs-Anleitung mit Pen und Pumpe senken wir in der Hauptsache nur unseren Blutzucker-Verlauf in seiner Gesamtheit. Wenn also z.B. der BZ nach dem Essen auf 300mg/dl ansteigt und anschließend auf 100 absinkt, dann können wir die 300 nur z.B. auf 250 und damit die nachfolgenden 100 auf 50 und in ne Hypo senken. Denn mit der normalen Behandlungs-Anleitung lernen wir ja nicht, wie wir die Spitze von 300 auf 250, 200 oder sogar noch weiter senken können, ohne dass damit zwangsläufig das nachfolgende Tal hypomäßig bis fatal um den selben Betrag gesenkt wird. Das Ergebnis: Mit 1c 6,5 bewegt man sich auf diese Weise schon mehr als 10 Stunden am Tag im Bereich über 180mg/dl, wie Gruppenbeobachtungen mit kontinuierlicher BZ-Messung ergeben haben. Mit Ihrem ehrlichen schlechteren 1c werden Sie vielleicht sogar 10 und mehr Stunden von 24 über 300 verbringen.
Wer das so will, mag das tun. Das akzeptiere ich wie jeden, der mir sagt, dass er genau um die möglichen Folgen weiß, aber trotzdem raucht, weil er rauchen will. Wer dafür allerdings damit argumentiert, dass ein gesünderer BZ-Verlauf mit Hypos und dem Verzicht auf Lebensfreude und Lebensqualität verbunden sei, redet sich in meinen Augen bestenfalls aus Unwissenheit schlicht aus. Denn ich kenne inwischen reichlich Betroffene, die gelernt haben, ihren BZ nicht einfach nur in der üblichen ärztlichen Einstellung in seiner Gesamtheit zu heben und zu senken, sondern direkt so zu steuern, dass sie nicht nur zu den Mahlzeiten, sondern zu jeder beliebigen Zeit in 24 Stunden ihren BZ auf plusminus 15mg/dl genau steuern können. Und wer das gelernt hat, hat auch nicht plötzlich aus 80mg/dl eine Hypo, sondern eher überhaupt keine. Mit eher keinem Deut mehr Aufwand, als für die übliche ärztliche Einstellung mit dem viel mieseren Ergebnis.
Das gehört in meinen Augen zu den größten Versäumnissen unseres DJ, dass es uns entsprechende Lernmöglichkeiten bis heute systematisch vorenthält :-(
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner
Gisela Bohnes aus 58675 Hemer - 19.11.09 10:54
Ich bekenne mich hiermit schuldig, ein Typ I Diabetiker mit einem schlechten HbA1 zu sein. Ich schaffe es einfach nicht, meinen BZ konstant bei 80 - 100 mg zu halten, ich kann mit solchen Werten nicht leben, weil ich dann dreimal am Tag mit einer Hypo umkippen würde. Ja, ich gestehe zu meiner Schande, ich bin mit 120 - 140 mg viel aktiver, fühle mich besser, kann viel mehr machen. Ich "schaffe" aber leicht auch höhere Werte, die ich aber auch so schnell wie möglich korrigiere. Es interessiert mich allerdings, ob Menschen mit anderen chronischen Erkrankungen auch so rigoros kontrolliert werden? Warum schießt man sich, wenn es um das Kontrollieren geht, eigentlich immer so auf die Diabetiker ein? Niemand kann uns sagen, warum wir erkrankt sind, verantworten sollen wir uns dennoch. Ich bin allerdings auch nicht bereit, mein Leben dem HbA1 unterzuordnen. Ganz nebenbei möchte ich mir nämlich auch noch ein bißchen Lebensfreude bewahren und da gehören Hypos bestimmt nicht dazu.
Mit freundlichen Grüßen Gisela Bohnes
Hans-Jürgen Tilsner - 18.11.09 12:30
Sehr geehrte Frau Dr. Kraatz,
warum verhält sich unsere Betroffenen-Zeitschrift wie ein Organ zur Veröffentlichkeitung der Möglichkeiten der Ärzteschaft?
Warum schreiben Sie uns Betroffenen nicht, dass ein wirklich stoffwechselgesunder Mensch mit 70-90mg/dl aufwacht, 1 Stunde nach dem Essen von viiiiel Stärke=Zucker an die 120 bis maximal 140mg/dl messen kann und nach 2 Stunden wieder zurück um 80 ist? Die Info ist doch nicht neu und zudem via Internet frei zugänglich http://www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php
Warum schreiben Sie uns Betroffenen nicht, dass von diesem gesunden Stadium an das diabetische Folgekrankheiten-Risiko mit zunehmend größeren BZ-Schwankungen und mit zunehmend höherem Verlauf zunehmend wächst? Dass der Risikoverlauf keine Stufe hat, ab der er - etwa mit der zeitnahen Diagnose Diabetes - erst beginnt, sondern dass das Risko eine Kurve beschreibt, die zunehmend von gesund flach & niedrig an ansteigt und in die Ende der 70ger Jahre des vorigen Jahrhunderts höchst willkürlich die Diagnosegrößen gesetzt worden sind, wie sie kaum modifiziert bis heute gelten?
Warum schreiben Sie uns nicht, dass bei Erreichen dieser alten Diagnose-Schwellen 10-12 von 100 neu diagnostizierten Typ2 schon längst an wenigstens einer voll ausgebildeten diabetischen Folgekrankheit leiden? Dass also der Diabetes dann keineswegs erst ausbricht, sondern dass der dann schon seit 10 und mehr Jahren zubehmend am Werke ist?
Warum schreiben Sie uns nicht, dass der so neu am vermeintlichen Anfang seiner Typ2-Erkrankung stehende Betroffene nur noch 50-20% der Insulin-produzierenden Beta-Zellen eines nach Geschlecht, Alter und Statur vergleichbaren gesunden Menschen hat? Auch die Erkenntnis ist ja keineswegs neu, sondern hat es längst bis an die Spitze der ADA geschafft:
http://www.dlife.com/dLife/do/ShowContent/inspiration_expert_advice/expert_columns/garne[..] kann man sich überhaupt Gedanken darüber machen, wie der selbe zu hohe Blutzucker bei Typ1 und Typ2 in verschiedenem Maße schädlich sein könnte? Spricht nicht vielmehr alles dafür, dass auch ein völlig gesunder Organismus bei dauerhaft höher als gesundem Blutzucker gleiche diabetische Folgen entwickeln würde? Wäre von daher für uns Betroffene nicht tatsächlich dringend geboten, unseren Blutzucker in dem Maße, in dem unsere Automatik das aus welchen Gründen auch immer nicht mehr schafft, gewissermaßen manuell so gesund zu stützen, dass ein zufälliger BZ-Test irgendwann am Tag nach Möglichkeit nicht einmal einen Prädiabetes-Verdacht begründen würde? Also konkret im Rahmen von max 140-120-100mg/dl 1-2-3 Stunden nach jedem Input!
Ich weiß, dass das mit den herkömmlichen Therapieformen nicht möglich ist. Aber ich weiß auch seit Jahren von immer mehr Betroffenen aller Diabetes-Typen und Stadien aus allen Altersschichten und Lebensbereichen und mit allen erdenklichen Beschäftigungs- und Bewegungsprofilen, die ihren Blutzucker in diesem gesunden Rahmen und praktisch hypofrei führen.
Warum lesen wir nicht in unserem DJ, wie diese Menschen das jeden Tag schaffen und wie z.B. ein spät berufener Typ1 und aktiver Bundespolizist es geschafft hat, sich eine BZ-Führung zu erarbeiten, die ihm einen ganzen Tag vollen Einsatz im aktiven Dienst ohne regelmäßiges Spritzen und Essen mit einem nahezu gesunden BZ-Verlauf und absolut ohne jedes Hyporisiko ermöglicht? Wie viele Menschen, vor allem auch junge, könnten mit solchen Beispielen ihre Lebenspläne von den lähmenden Fesseln befreien, in denen das alte Therapie-Regieme sie sogar noch als Pumpis gefangen hält?
Und warum verschweigt unser DJ uns Typ2 mit jeder Ausgabe auf's neue, dass sehr viel später bis vielleicht gar nicht auf Diagnose Diabetes vorrücken muss, wer schon dann beginnt, seinen BZ zuverlässig im gesunden Rahmen von max 140-120-100mg/dl nach jedem Input zu halten, wenn der gerade erst beginnt, den im Rahmen von 1 Stunde nach dem Essen zu verlassen? Also dann, wenn Ihre Kollegen in den Praxen im Lande heute normal erklären, dass der BZ zwar leicht erhöht, aber noch lange kein Diabetes sei? Und das man das halt weiter beobachten müsse? Und dass auch gesunde Menschen ne Stunde nach dem Essen öfter mal über 200mg/dl messen könnten?
Warum weist unser DJ nicht mit jeder Ausgabe darauf hin, dass wir mit der Anleitung zu so gesunder BZ-Führung von Anfang an den größten Teil der Kostenexplosion im Gesundheitswesen vermeiden könnten, die mit der Verdoppelung der Diabetes-Erkrankungen und der mehr als Verdoppelung der Folgekrankheiten in den nächsten 10 Jahren erwartet wird? Vielleicht, weil sich doch nicht alle Betroffenen danach richten würden? - Wie würde es wohl mit der Zahl der Raucher und der Bilanz der rauchbedingten Erkrankungen aussehen, wenn auf breite Anti-Rauch-Kampagnen mit dem Argument verzichtet worden wäre/würde, dass sich eh nicht alle Raucher danach richten?
Mit fragenden Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner
Sorry, aber die Einladung zur Diskussion im Blog ist in meinen Augen ein Fake. Sie schreiben zwar, "diskutieren Sie mit uns", meinen aber offenbar, "diskutieren Sie untereinander" :-(
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