19.07.2011 Was können Zimt & Co?

Immer wieder fragen mich Leute nach einer „Wunderpflanze“, die den „Zucker“ zügelt. Solche Pflanzen gibt es durchaus, die bekannteste bei uns ist die Geißraute, die botanisch Galega officinalis heißt. Der in ihr enthaltene Wirkstoff Galegin ist in der Tat Blutzucker senkend, und die Pflanze wächst auch bei uns sehr gut, ich habe in meinem Garten mehrere Stöcke, die auch nach strengen Wintern immer wieder gut gedeihen. Dennoch rate ich wegen möglicher Nebenwirkungen, etwa starke Unterzuckerungen, leichte Vergiftungen, von einer direkten Nutzung der Pflanze ab. Indirekt nutzen aber dennoch sehr viele die Geißraute, bilden ihre Wirkstoffe doch die Grundlage für das weit verbreitete orale Anti-Diabetikum „Metformin“.
Interessanter, speziell für Typ-2-Diabetiker , sind einige sanft wirkende pflanzliche Stoffe, die der Düsseldorfer Immunbiologe Prof. Dr. Hubert Kolb für mein Buch „Schlemmen wie ein Diabetiker“ analysiert hat. In dem Buch habe ich dann Rezepte entwickelt, wo ich die Pflanzen als natürliche Zutat verwende. Hier in Kurzform einige wichtige Pflanzen:
Bockshornklee: Macht den Curry scharf
Praktisch jeder hat schon einmal Bockshornklee gegessen, denn er ist eine unerlässliche Zutat für die beliebten Currys. Für Diabetiker ist „Trigonella Foenum graecum“ gleich dreifach interessant: Es verstärkt die Insulinproduktion, und wirkt somit als ein direkter Blutzucker-Senker. Es lässt das vorhandene Insulin besser wirken, was sehr wichtig ist, denn die mangelnde Insulinsensitivität ist eine der wichtigsten Ursachen für den Lifestyle (Typ-2) Diabetes. Und: Das „Griechische Heu“, so die Übersetzung der botanischen Bezeichnung, wirkt resorptionsverzögernd, hilft also, dass die Kohlenhydrate der Nahrung nicht so schnell ins Blut „schießen“. Wer den Bittergeschmack mindern möchte, legt die braunen Samenkörner über Nacht in Quellwasser ein, sie vergrößern dann dramatisch ihr Volumen und munden prächtig im Müsli.
 | In den schmalen Rispen findet sich der Samen des Bockshornklees.
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Leider ist der Bockshornklee in Verruf geraten, weil wohl verseuchter Samen aus Ägypten für die verheerende EHEC-Seuche verantwortlich ist. Deshalb ist es richtig, dass alle ägyptischen Bestände aus dem Verkehr gezogen werden. Genau so wichtig wäre es aber, dass wir solche nützlichen Pflanzen wieder stärker in Deutschland anbauen. Denn der Bockshornklee wächst sehr gut bei uns, wie das Foto zeigt, das ich von meiner eigenen Pflanze gemacht habe.
Brennessel: Renaissance eines Heilklassikers
Eines unserer wichtigsten Heilmittel ist die Brennessel, wirkt sie doch Säure abführend, Blut bildend, Entzündungshemmend, aphrodisierend und natürlich Blutzucker senkend, weil in den Blättern Stoffe sind, welche die Insulinbildung anregen. Außerdem finden sich in der „Urtica dioica“ Stoffe, welche die blutzuckererhöhenden Kohlehydrate nicht so schnell ins Blut gelangen lassen. Die Brennessel gedeiht fast das ganze Jahr über und lässt sich wie Spinat verarbeiten.
Stevia: „Zucker“, der den Zucker senkt
Eine wahre pflanzliche Insulinfabrik ist Stevia, eine aus Südamerika stammende Pflanze, die auch bei uns sehr gut gedeiht. Schon ein kleines Blättchen zerkaut, zeigt eine ungeheuere Süßwirkung – ohne die Nachteile des Industriezuckers. Im Gegenteil: Die „Stevia rebaudiana“ wirkt sogar Insulin produzierend und lässt das Insulin besser wirken. Aber bis heute ist es der mächtigen deutschen Zuckerlobby gelungen, die breite Zulassung dieser für die Diabetiker so wirkungsmächtigen Pflanze zu verhindern. Für mich ein Skandal.
Bittergurken: Bitte ein „bitter“
Immer noch ist unser Stoffwechsel auf bitter „geeicht“. Wer genügend sanfte Bitterstoffe isst, hat keine Probleme mehr mit der Verdauung und der schlanken Linie. Auch den Blutzucker zügeln die Bitterstoffe, weil sie die Blutzuckerneubildung in der Leber hemmen. Ein besonders wirkungsmächtiger Vertreter ist die Bittergurke aus Asien, die „Momordica charantia“. Sie ist in der Tat grenzwertig bitter, weshalb ich für „Schlemmen“ Spitzenköche gebeten habe, spezielle Rezepte dafür zu entwickeln. Es muss aber nicht immer Asien sein, es würde schon reichen, wenn unsere Gurken wieder so wären wie noch vor 50 Jahren: Nämlich deutlich bitterer!
Zimt: Ein Katalysator, mehr nicht!
Ein wichtiger Bestandteil der ayurvedischen Medizin ist der Zimt. Die Blutzucker regulierenden Eigenschaften des „Cinnamomum cassia“ sind Jahrtausende altes Heilwissen, weil er wohl das Insulin besser wirken lässt. Allerdings preisen bei uns viele Geschäftemacher den Zimt an wie ein „Medikament, das den Diabetes heilt“.
Das stimmt natürlich nicht! Denn Zimt ist wie die vorher genannten Stoffe kein Medikament, er hat vor allem so etwas wie eine katalytische Wirkung. Wird eh vernünftig gegessen, wird sich ausreichend bewegt, dann befördert Zimt wie ein Katalysator die chemisch-biologischen Prozesse, um den Blutzucker ins Gleichgewicht zu bringen.
In „Lauber´s Diabetes-Garten“ in Riehen bei Basel können Sie am 1. September ab 17 Uhr die hier beschriebenen Pflanzen sehen – und ich werde Ihnen noch rund 30 weitere natürliche pflanzliche Blutzuckerregulierer vorstellen. Eine einmalige Gelegenheit, mehr über die „Naturapotheke für Diabetiker“ zu erfahren. Der Eintritt ist frei!