Hans-Jürgen Tilsner aus Oelde - 20.11.11 17:28
Sehr geehrte Frau Einser,
ich kann Ihre guten Erfahrungen z.B. mit dem Arbeitsweg per Rad aus eigener Erfahrung voll bestätigen. Als ich noch Rad fahren konnte, habe ich mit den etwa 5km morgens und abends eine zählbare Menge Insulin gespart und mich super gut gefühlt.
Seitdem sind meine Kreise durch Polio (als Kleinkind) und Folgen in den Beinen immer kleiner geworden. Fahrradfahren geht schon länger nicht mehr, und nun brauche ich auch für kurze Wege in der Nachbarschaft einen Rollstuhl. Den gesteht mir die Krankenkasse auch anstandslos zu. Aber das Handbike (Zuggerät), mit dem ich mir ohne Gehvermögen und ohne Überlastung der Schultern in diesem Rollstuhl ähnlich umfassend und für einen Typ2 entscheidend gesunde Bewegung wie mit dem Fahrrad verschaffen könnte, wird abgelehnt. Denn gehbehinderte Erwachsene müssen sich für ihre alltägliche Versorgung nur bis zu 500 Metern weit bewegen können, ganz im Gegensatz zu nichtgehbehinderten Typ2, die täglich wenigstens 30 Minuten stramm zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren sollen.
Wer aber das Pech hat und nicht mehr gehen oder Rad fahren kann, soll sich demnach eben ins Auto setzen und für seine therapeutisch notwendige Bewegung statt an die frische Luft jeden Tag ins Fitness-Studio fahren.
Mein Fall ist nur einer von zunehmend vielen. Denn mir fallen auch in meinem Umfeld immer mehr Menschen auf, die übergangslos vom aktiven Radfahren und aktiven Gehen in die völlig passive Bewegungslosigkeit mit dem elektrischen Scooter wechseln. Den hätte meine kranke Kasse auch für mich sofort genehmigt. -
Doch ja, ich bin gerade dabei, diesem Teufelchen zu widersprechen. Aber die nachlesbaren Erfahrungen aus ähnlichen Verfahren sagen mir, dass ich in den Armen dann vielleicht schon nicht mehr ausreichend Kraft haben könnte, wenn mir am Ende eines langen Paragrafenwegs schließlich in einigen Jahren doch noch ein Handbike genehmigt wird.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Tilsner










