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26.11.2007 Wunsch zum Jahreswechel

Zur Über- und Unterversorgung, dem Fehler im System und was man tun könnte.

Mir ist aufgefallen ...

... dass man Blutzucker-Teststreifen auch ersteigern kann. Bei eBay. Wie das geht? Ganz einfach, der einschlägige Werbespot zeigt es uns: Ein letzter Mouse-Klick und dann der Triumph-Schrei: Ja, ich hab’s. Wer das macht? Vermutlich diejenigen, die ihre Streifen selbst bezahlen müssen, weil ihnen keine verschrieben werden. Hier haben sie die Chance, sie billiger zu bekommen als anderswo. Laut Umfrage von TNS Healthcare kaufen 25 Prozent der Betroffenen ihre Teststreifen selbst. Wer die Teile ins Netz stellt? Gute Frage. Die Hersteller, Großhändler, Apotheker, Ärzte sicherlich nicht. Wohl aber Betroffene. Da kann es Gründe geben: Geräteumstellungen, Therapieveränderungen zum Beispiel. Auch der Tod eines Betroffenen kann die Angehörigen veranlassen, nicht mehr benötigte Materialien zu verkaufen. Allerdings lehrt uns die Erfahrung, dass in diesen Fällen viel häufiger die Adresse der Initiative "Insulin zum Leben" in Rastatt genutzt wird, die Sie auch in Heft 12 des Diabetes-Journals noch einmal nachlesen können (siehe Seite 46).

Die schlitzohrigen Anbieter mit Diabetes auf eBay haben einen ganz anderen Trick. Auf irgendeine Weise gelingt es ihnen, sich soviel Teststreifen verschreiben zu lassen, dass sie täglich 30-mal messen müssten. Man stelle sich das vor: Non-Stop alle 48 Minuten! Mit dieser Tatsache versetzte der niedergelassene Diabetologe Dr. M. Lederle aus Stadtlohn unlängst beim Kirchheim-Forum in Wiesbaden die Zuhörer in allerhöchstes Erstaunen.
Hier Unter-, dort Überversorgung – heraus kommt eine gewaltige Fehlversorgung, von der allerdings alle Beteiligten etwas haben: Die einen bekommen Geld für etwas, was sie gratis erhalten, die anderen bezahlen deutlich weniger als anderswo.

Das Wort Fehlversorgung enthält schon das, was ich dabei empfinde: Fehler. Und zwar einen Fehler im System. Für das leidige Problem Teststreifen brauchen wir wahrlich kein Fräulein IQWiG, keinen Herrn G-BA, keine Frau Ministerin. Dafür nicht. Für anderes schon.

Weil der Jahreswechsel bevorsteht, habe ich einen Wunsch an das ebenfalls in Wiesbaden anwesende Mitglied des Sachverständigenrates, der sich gerade um die Unter-, Über- und Fehlversorgung viele Gedanken macht und die Versorgung in die richtigen Bahnen lenken möchte. Lieber Herr Professor Glaeske, bitte sorgen Sie mit dafür, dass es zu einer einheitlichen, therapieabhängigen Regelung kommt. Sie soll qualitativ vorsehen, dass alle Diabetiker ihren Blutzucker messen können, die Werte dokumentieren und mit dem Arzt zusammen Konsequenzen ableiten. Quantitativ soll sie der Behandlung  entsprechen. Das reicht von 25 bis 600 Stück pro Quartal.

Der Deutsche Diabetiker Bund sowie die Deutsche Diabetes-Gesellschaft haben entsprechende Vorschläge entwickelt, wir stellen sie Ihnen gern zur Verfügung. Sie basieren auf der Evidenz der Praxiserfahrung und der Kompetenz der Betroffenen und würden eine qualitativ und quantitativ richtige Versorgung gewährleisten. Dann könnten wir alle die Arme hochreißen und triumphierend aufschreien: Ja, wir haben’s.

Kommentar

TNT - 27.12.07 22:29

Es gibt optische Teststreifen für ca 10 Euro je 50 Stück. Die kann man auch halbieren.

Maximilian Moser - 02.12.07 18:01

Bis August 2007 bezahlte ich meine Teststreifen selbst. Seit September bin ich in Hartz 4 abgestürzt, jetzt kann ich sie mir nicht mehr leisten.
Ich müsste jeden Tag messen, da ich auf ein neues Medikament umgestellt wurde.
Was soll ich jetzt machen?
Viele Grüße

Moser

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