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15.05.2007 "Zucker", der Zucker senkt

Eine der faszinierendsten Pflanzen für Diabetiker ist Stevia. „Zuckerblatt“, steht auf dem Schild der Pflanze, die ich gerade bei Marianne Meier auf dem Münchner Viktualienmarkt gekauft habe. Eine berechtigte Bezeichnung. Wer nur ein kleines Blättchen langsam zerkaut, hat fast das Gefühl, er hätte gerade eine Zuckerfabrik verschluckt.

Schon seit Urzeiten nutzen die Einwohner von Südamerika, wo die Pflanze herkommt, diese Süßkraft. Doch die grünen Blättchen süßen nicht nur stärker als unser Zucker, sie haben auch noch weitere nützliche Eigenschaften, die der Biologe Professor Dr. Hubert Kolb für das Buch „Schlemmen wie ein Diabetiker“ analysiert hat: Sie regen die Insulinproduktion an, wirken also direkt zuckersenkend. Sie erhöhen die Sensitivität des vorhandenen Insulins, so dass es besser wirken kann. Und Stevia sorgt dafür, dass über das Essen aufgenommene Kohlenhydrate langsamer ins Blut gehen, was die gefürchteten „Zuckerspitzen“ dämpft.

Ein wahrer Wunderstoff also. Ich nehme Stevia beispielsweise, um dem sauren Rhabarber einen Schuß Süße zu verleihen, ohne dass ich Zucker nehmen muß. Wobei ich grundsätzlich die frischen Blätter nehme, nicht die getrocknete Version, die als Steviosid erhältlich ist. Denn dann geht es mir zu stark in Richtung von Süßstoffen, denen ich prinzipiell skeptisch gegenüber stehe. Wenn Sie jetzt bei Gärtnereien, auf Märkten nachfragen, dann finden Sie die Pflanze, die bei uns problemlos gedeiht. Im Prinzip ist sie nicht winterhart, aber bei mir treiben jetzt bei zwei Pflanzen plötzlich doch wieder junge Triebe aus.Ein kleines Problem existiert: Obwohl in Südamerika und Japan das meistgebrauchte Süßungsmittel, ist Stevia bei uns offiziell nicht zugelassen. Warum das so ist, darüber gibt es viele Theorien. Eine besagt, dass die mächtige Zuckerlobby ihren Einfluss in Brüssel geltend gemacht hat; eine andere Theorie sagt, dass einflussreiche Produzenten von Süßstoffen die Zulassung torpedieren. Fakt ist: Wer tonnenweise Gammelfleisch in den Verkehr bringt, hat kaum Strafen zu befürchten. Wer etwas vermarkten will, was in großen Teilen der Welt ohne Probleme genossen wird, muß mit Sanktionen rechnen.

Professor Kolb sagt jedenfalls über Stevia: "Keine Anhaltspunkte für Bedenken. Ein empfehlenswerter Stoff".

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