Diabetes-Journal-Newsletter – April 2011

Geschichte: Tops und Flops der Diabetologie

60 Jahre Diabetes-Journal: Im März gab es das Jubiläumsheft „Open Journal“ – offen und komplett geschrieben von Lesern. (Wer das Heft 3/2011 verpasst hat: Sie können es nachbestellen bei unserem Abo-Service unter: 089 / 85 85 38 01) Ab dieser Ausgabe nun führen wir das Leser-Projekt fort, und zwar in Form einer eigenen Rubrik. Start ist diese Fortsetzungen aus der Jubiläumsausgabe.

In Teil 2 der Diabetes-Geschichte schreiben die Autoren über die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie wurden Diabetiker in der DDR versorgt, wie im Westen? Was passierte nach der Wiedervereinigung? Als speziellen Service für Sie, liebe Newsletter-Abonnenten, erhalten Sie bereits hier ein chronologische Auflistung der Geschichte der Diabetologie von den 1940ern bis heute:

1941
Unter dem Namen Clinitest® kommen aus dem Hause Bayer Tabletten auf den Markt, mit denen der ungefähre Urinzucker bestimmt werden kann. Dazu musste man mit einer Pipette etwas Urin auf eine Tablette träufeln und konnte – ähnlich wie heute noch – den Zuckergehalt ablesen.

1960er Jahre
In dieser Zeit ging man davon aus, dass eine kohlenhydratarme oder -freie Ernährung hilfreich sei, den Blutzucker konstant zu halten. Dies führte u. a. zu einem Anstieg der Nierenerkrankungen, denn die vermehrte Ausschüttung von Ketonkörpern war eine Folge der eiweiß- und fettreichen Ernährung.

1964
Das erste Mischinsulin, also ein Insulin mit einer festen Kombination aus Normal- und Verzögerungsinsulin, wird von Nordisk entwickelt.

1968
Der iranische Wissenschaftler Dr. Samuel Rahbar veröffentlichte seine Entdeckung zum „verzuckerten Hämoglobin“ (heute HbA1c). Es kann inzwischen standardmäßig zur Kontrolle der Diabeteseinstellung verwendet werden.

1981
Die erste „richtige“ Insulinpumpe: Siemens Promedos E1. 

1982
Das erste Humaninsulin erscheint zunächst auf dem deutschen Markt. Der Hersteller Novo hat es damit geschafft, als Erster in einem semisynthetischen Herstellungsverfahren ein Insulin zu entwickeln, das genau dem menschlichen Insulin gleicht.

1984
Die H-Tron Hoechst, kleinste Insulinpumpe der Welt, steht nun für die Pumpentherapie zur Verfügung. Neu ist auch, dass sie eine 24-Stunden-variable Basalrate hat, sogar wasserdicht ist und mit einem umfangreichen Sicherheitssystem ausgestattet ist.

1985
Einführung des ersten Insulinpens vom Unternehmen Novo Nordisk: Der sehr elegante „NovoPen 1“ hatte allerdings noch keine Dosisvorwahl. Die Erfindung bedeutete für Diabetiker auch eine neue Möglichkeit in ihrer Therapie, da sich nun auch das Basis-Bolus-Konzept durchsetzte.

1989
Mit der Wiedervereinigung steht die Diabetestherapie vor einem Problem: Im Osten Deutschlands hat man den Blutzucker bisher in der internationalen SI-Basiseinheit mmol/l und im Westen Deutschlands in mg/dl gemessen. Auch beim Diabetes-Journal führte das zu Beschwerdebriefen aus dem Osten. Denn hier wurden Blutzuckerwerte – wie gewohnt – in mg/dl angegeben, wodurch sich die Diabetiker aus dem Osten benachteiligt fühlten. Heutzutage ist das Problem gelöst, indem im Heft und in der Literatur generell beide Einheiten angegeben werden. Auch 20 Jahre nach der Wende ist also immer noch die Grenze zwischen Ost und West anhand der für die Blutzuckermessung verwendeten Einheit zu erkennen.

1998
Die Hersteller Lilly und Novo Nordisk erhalten die Zulassung für Glukagon zur Injektion. Bisher war es nur als Schweineglukagon vom Unternehmen Lilly erhältlich.

1998
Humalog des Unternehmens Lilly ist das erste schnellwirkende Analoginsulin und wird 1998 in Europa auf den Markt gebracht, in den USA ist es bereits seit 1996 erhältlich.

1999
Ein weiteres kurzwirksames Analoginsulin vom Unternehmen Novo Nordisk erscheint unter dem Namen NovoRapid.
Das erste System für eine kontinuierliche Glukosemessung (CGMS), das „Minimed CGMS Gold“ wurde von der FDA in diesem Jahr zugelassen. Es ist sogar heute noch im Einsatz, häufig in Kliniken oder Arztpraxen. Es kann den Glukosewert alle 5 Minuten ermitteln, allerdings sind die Werte nur über eine spezielle Docking-Station mit entsprechender Software auf dem Computer lesbar.

2000
Nun sind auch Insulinanaloga mit langer Wirkdauer erhältlich. Lantus vom Hersteller sanofi-aventis war das erste langwirksame Insulinanalogon auf dem Markt.

ab 2003
Weitere CGMS kommen auf den Markt: Dazu gehören das „Menarini Glucoday S“ (2003), der „Guardian RT“ von Medtronic Minimed (2004), der Freestyle Navigator (2007) und das „Dexcom Seven Plus“ von Dexcom (2009). Neu ist, dass nun auch der Patient die Möglichkeit hat, die Werte abzulesen, und sich die Geräte für den Gebrauch zu Hause eignen.

2004
Mit der „PENDRA®“, einer Art Armbanduhr, sollte das blutlose und kontinuierliche Messen möglich gemacht werden. Jedoch wird eine Markteinführung vertagt, da das Gerät vorläufig nur im Labor gute Blutzuckerwerte liefert und außerdem, wenn überhaupt, nur als ergänzendes Gerät zur Blutzuckerbestimmung dient.

2006
Das erste Insulin zum Inhalieren, Exubera,  kommt auf den Markt. Allerdings bietet es keine wirkliche Verbesserung gegenüber der subkutanen Insulininjektion – und somit keine Verbesserung für Therapie und Lebensqualität. Ebenso ist es für Raucher und Lungenerkrankte (z. B. Asthma, Bronchitis) ungeeignet. Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine Langzeitanwendung die Lungen schädigen und somit Lungenerkrankungen hervorrufen könnte.

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