18.07.2012 Blutzuckermessgeräte im Test: Grund zum Feiern?

Oder Grund zum Trauern? Kommentar der Redaktion zur "test"-Ausgabe 7/2012.

Der Diabetes-Journal-Kommentar ("Blickwinkel") der August-Ausgabe. Das Heft finden Abonnenten nächste Woche im Briefkasten - und Abonnenten am Bahnhofs-Kiosk!

Anfang Juli lief eine Welle durch die Diabeteslandschaft: Die Stiftung Warentest hatte Blutzuckermessgeräte getestet. Beim Sieger, dem Unternehmen Roche Diagnostics, knallten daraufhin die Sektkorken; vom Verlierer, Aktivmed, kam direkt eine Pressemeldung: „(…)

Gut? Oder mangelhaft?
"Im Test der Stiftung Warentest erhält das Messgerät GlucoCheck XL zwar sowohl bei der Handhabung als auch bei der Konstruktion ein 'gut', jedoch bei der Genauigkeit ein 'mangelhaft', obwohl Langzeittests von renommierten Instituten ausschließlich gute Ergebnisse bestätigen. (…)" Welchen Wert hat die Beurteilung der Stiftung Warentest für den Anwender?

Problem Genauigkeit
Nachdem wir unsere Übersicht über viele Blutzuckermessgeräte auf dem deutschen Markt im Diabetes-Journal 5/2012 – unsere Liste stellt 58 Geräte vor – veröffentlicht hatten, fragten uns Leser, warum wir die Genauigkeit nicht getestet hätten, das sei doch das Wichtigste bei Blutzuckermessgeräten. Diesen Punkt hat die Stiftung Warentest bei der Beurteilung der 16 ausgewählten Blutzuckermessgeräte mit aufgenommen.

"Sechs Diabetiker mehrerer Altersklassen"
Nun stellen sich mehrere Fragen: Wie erfolgte die Auswahl der Messgeräte? Wer waren die Testpersonen? Welchen Anforderungen folgte die Untersuchung der Messgenauigkeit? Frage 1 bekommt der Leser des Artikels nicht beantwortet. Hinsichtlich Frage 2 erhält der Leser insofern Klarheit, als er erfährt, dass 74 Probanden jeweils Doppelmessungen für die Prüfung der Messgenauigkeit durchführten. Für das Beurteilen der Handhabung waren „sechs Diabetiker mehrerer Altersklassen" zuständig. Ob sie Typ-1-, Typ-2-Diabetiker waren, ob sie Erfahrung mit der Blutzuckerselbstmessung hatten, wie weit die Altersspanne der Probanden war, ob es Männer und/oder Frauen waren – alles das bleibt dem Leser verborgen.

Wichtiges bleibt verborgen
Aber gerade das wären aus meinem Blickwinkel wichtige Hinweise. Denn neben der Messgenauigkeit spielt die gute Handhabbarkeit des Geräts eine große Rolle – und diese kann sich sehr unterscheiden: Misst ein junger dynamischer Typ-1-Diabetiker, kommt er in der Regel mit fast allen Blutzuckermessgeräten klar, denn seine Greif- und Sehfähigkeit sind noch normal, das Verständnis für den Messvorgang groß, auch in Anbetracht der intensiven Nutzung anderer elektronischer Geräte im Alltag; misst hingegen ein älterer Mensch, kann das Greifen des Geräts und der Blutzuckerteststreifen schwerfallen. Auch das Sehen kann eingeschränkt sein, was das Auftragen des Bluts und das Ablesen des Messwerts beeinflusst.

Sichere Aussagen auch jetzt nicht möglich
Und auch der Umgang mit der Technik fällt alten Menschen oft schwerer als jungen. Die Untersuchung der Messgenauigkeit, also Frage 3, ist im Artikel beschrieben. Erwähnt wird, dass die Untersuchung sich an die DIN EN ISO 15197 anlehnt – aber sie entspricht den Vorgaben eben nicht vollständig. Das jedoch wäre sinnvoll gerade in einer Zeit, in der in der Diabetesszene viel über die Notwendigkeit einer zuverlässigen Kontrolle der Messgenauigkeit diskutiert wird. So gilt, auch wenn sich nun die einen – vor allem Hersteller von Geräten der Kategorie A – freuen und andere trauern: Eine sichere Aussage über die Güte der Messgeräte ist auch mit dem Test der Stiftung Warentest nicht möglich.

Dr. Katrin Kraatz, Redaktion Diabetes-Journal

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