15.06.2012 Studie zur Stammzellen-Therapie bei Typ-1-Diabetes mit einigen positiven Befunden

Auf der Jahrestagung der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (American Diabetes Association - ADA) wurden die Ergebnisse einer Langzeitstudie präsentiert, die die Auswirkungen einer Stammzellen-Therapie auf die Abhängigkeit von Insulininjektionen bei jugendlichen Typ-1-Diabetikern untersuchte. 15 der 28 Probanden kamen durch dieses Verfahren im Schnitt eineinhalb Jahre ohne die Zufuhr von externem Insulin aus. Ein Teilnehmer war sogar dreieinhalb Jahre nicht auf körperfremdes Insulin angewiesen.
Dieser experimentelle Therapieansatz wird als Autologous Nonmyeloablative Hematopoietic Stem Cell Transplantation (autogenetische nicht-knochenmarkschädigende blutbildende Stammzellentransplantation), kurz HSCT, bezeichnet. Er zielt darauf ab, die destruktiven Zellen des Immunsystems abzutöten und sie durch noch nicht ausdifferenzierte Stammzellen zu ersetzen, die nicht darauf programmiert sind, die insulinproduzierenden Zellen zu zerstören.
Körpereigene Stammzellen und Immunsuppressiva
Die Behandlung setzt sich zusammen aus der Verabreichung von körpereigenen Stammzellen und von Medikamenten, die die Immunreaktion unterdrücken, um die bei einem Typ-1-Diabetes fehlgeleiteten Abwehrzellen daran zu hindern, die insulinproduzierenden Zellen zu zerstören.
Zunächst werden den Probanden dabei Medikamente verabreicht, die die Produktion von Blutstammzellen stimulieren. Diese werden dann dem Körper entnommen und tiefgefroren. Im Anschluss werden die Typ-1-Diabetiker stationär in ein Krankenhaus aufgenommen und nehmen Medikamente ein, die die zerstörerischen Zellen des Immunsystems abtöten. Die vorher gewonnenen Blutstammzellen werden ihnen dann wieder transplantiert.
Weniger starke Nebenwirkungen als in früheren Ansätzen
"Alle unsere Patienten beschrieben die Behandlung als lohnenswert, obgleich sich bei ihnen auch Nebenwirkung einstellten", sagte der Studienleiter Dr. Weiqiong Gu vom Ruijin Hospital in Shanghai gegenüber dem Onlineportal WebMD. Als Folge der Einnahme von Immunsuppressiva litten die meisten Probanden an Nebenwirkungen wie einer niedrigen Anzahl weißer Blutkörperchen, Fieber, Übelkeit, Haarausfall und einem Rückgang des Knochenmarks.
Die meisten der Nebenwirkungen gingen allerdings innerhalb von zwei bis vier Wochen zurück. Und im Gegensatz zu vorherigen Studien mit dieser experimentellen Therapie, entwickelte keiner der Teilnehmer eine Infektion, Lungenentzündung oder Organschädigung. "Eine Probandin wurde sogar ein Jahr nach der Transplantation auf natürlichem Wege schwanger und gebar ein gesundes Mädchen", sagte Dr. Gu.
Warnung vor zu viel Optimismus
Der wissenschaftliche Leiter der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft, Dr. Robert E. Ratner, warnte allerdings vor zu viel Optimismus: "Wir haben nun einen einzelnen Ansatz mit einigen positiven Resultaten. Doch es ist noch ein sehr frühes Stadium. Wir müssen erst besser den biologischen Mechanismus hinter dieser Therapie verstehen und vor allem die Patienten bezüglich langfristiger Nebenwirkungen beobachten." Es sei eine sehr kleine Studie gewesen und die Methode sei noch nicht für einen massenhaften Einsatz geeignet.
Die Ergebnisse dieser Studie werden in der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift Diabetes Care veröffentlicht.
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